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Zurück zur Vernunft

Daniel Foppa, Ressortleiter Inland, zur Olympia-Kandidatur Sion 2026.

Es war wie ein Faustschlag in die Magengegend: «And the winner is: Torino», verkündete der greise IOK-­Präsident Juan Antonio Samaranch am 19. Juni 1999 in Seoul. Damit gingen die Olympischen Winterspiele 2006 nach Norditalien, und Favorit Sion hatte das Nachsehen. Im Wallis verfolgten Tausende das Fiasko vor einer Grossleinwand, die Bestürzung war gross. Nun versucht es Sitten erneut. Der Bundesrat hat dafür seine grundsätzliche Unterstützung zugesagt und ist bereit, für eine allfällige Durchführung bis zu einer Milliarde Franken aufzuwenden. Die Summe ist enorm, vor allem wenn der Bund gleich­zeitig bei der Bildung spart. Trotzdem ist der Entscheid richtig. Olympische Spiele haben das ­Potenzial, einer Grossregion wirtschaftlichen Schub zu verleihen. Sie können Aufbruchstimmung auslösen und positiv nachwirken, wie Lillehammer 1994 oder London 2012 gezeigt haben. Global gesehen ist es ­zudem sinnvoll, die Spiele in ein Land mit strengen Umweltauflagen zu holen.

Hauptvoraussetzung ist allerdings die Unter­stützung in den betroffenen Kantonen. Und die ist ­alles andere als sicher. So hat Graubünden mehrfach Olympia-Pläne verworfen. Auch der Kanton Bern, der zur Kandidatur Sion 2026 gehört, sagte 2002 mit 78,8 Prozent Nein zu einem Olympia-Kredit. Wollen die Promotoren nicht erneut an der Urne scheitern, müssen sie ein wirtschaftlich und ökologisch über­zeugendes Konzept vorlegen. Das heisst bei Olympia nichts anderes als: zurück zur Vernunft.

Die Schweiz wäre ein geeigneter Ort für dezentrale und redimensionierte Spiele, die bestehende ­Infrastrukturen nutzen, Neubauten möglichst vermeiden und auf den öffentlichen Verkehr setzen – was angeblich auch der neuen Strategie des Internationalen Olympischen Komitees entspricht. An den Organisatoren und am Bund ist es nun, die Pläne für derartige Spiele zu konkretisieren. Und noch offene Fragen zu klären, etwa zur Haftung im Fall einer deutlichen Kostenüberschreitung. Denn den Bund hat seine Defizitgarantie zu Recht begrenzt. Sion 2026 muss ein Kontrapunkt zum Gigantismus à la Sotschi 2014 sein. Andernfalls ­gehört diese Veranstaltung nicht in die Schweiz.

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