Cancellara und Schurter im Hacker-Wirbel

Nun erscheinen auch die Namen von Fabian Cancellara und Nino Schurter auf einer der Listen, die eine anonyme Gruppierung bei der Welt-Anti-Doping-Agentur gehackt hat.

Mountainbiker Nino Schurter bei seiner Goldfahrt in Rio. Foto: Keystone

Mountainbiker Nino Schurter bei seiner Goldfahrt in Rio. Foto: Keystone

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Die Welle spülte Tennis-, Kunstturn-, Radsport- und Leichtathletikstars ins Zwielicht. Rafael Nadal, Serena und ­Venus Williams, Simone Biles, Bradley Wiggins, Chris Froome, Mo Farah – sie alle tauchten auf den Listen auf, die die anonyme Gruppierung Fancy Bears ­bisher veröffentlichte. Diese hatte eine Datenbank der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada gehackt, in der die Namen von Athleten vermerkt sind, die in den letzten Jahren Sonderbewilligungen für Medikamente erhielten, die eigentlich auf der Dopingliste stehen. Die sie dank der Erlaubnis aber legal einnehmen konnten.

Und nun wurden auch erstmals zwei Schweizer von dieser Welle erfasst: ­Fabian Cancellara und Nino Schurter. Der eine krönte sich in Rio de Janeiro zum Abschluss seiner Karriere zum zweiten Mal zum schnellsten Olympia-Zeitfahrer auf der Strasse. Der andere komplettierte jüngst in Brasilien seinen Olympia-Medaillensatz im Mountainbike mit Gold. Es sind zwei weitere von mittlerweile über 100 Namen, die die Gruppierung öffentlich machte.

Zwei Genehmigungen erhalten: Fabian Cancellara, hier während des Zeitfahrens in Rio. (Foto: Reuters) Gemäss dieser soll Cancellara zweimal (2011 und 2013) und Schurter dreimal (2008, 2009 und 2010) eine Genehmigung erhalten haben. Cancellara wurde demnach 2011 kurz vor dem Start zur Spanien-Rundfahrt Methylprednisolon intravenös verabreicht. Und 2013 bekam er wenige Tag vor dem Auftakt zur Belgien-Rundfahrt Prednisolon. Beides sind Cortison-Präparate, die zum Beispiel bei Asthma und Allergien helfen. Nach der Veröffentlichung meldete sich sein Team Trek zu Wort. Beide Behandlungen seien auf Bienenstiche zurückzuführen, entsprechende Bilder sollten das belegen.

Schurter erhielt gemäss der Dokumente verschiedene entzündungs­hemmend und antiallergisch wirkende Glucocorticoide. Diese können auch zur Steigerung der Konzentrationsfähigkeit dienen sowie zur Erholung und zum Dämpfen von Schmerzen. Bei Schurter könnte die Anwendung allerdings durchaus mit dem Leistungsasthma zu tun ­haben, an dem er leidet.

Die prominentesten Namen
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Solche Wirkstoffe werden bei den Enthüllungen immer wieder genannt.So sollen auch der deutsche Tisch­tennisprofi Timo Boll, der dänische Radfahrer Jakob Fuglsang, der italienische Fechter Paolo Pizzo oder die serbische Volleyballerin Silvija Popovic, die für Volero Zürich spielt und kurz vor Olympia (Silbermedaille) behandelt wurde, ähnlich wirkende Mittel eingenommen oder verabreicht bekommen haben.

Gestern lieferte Fancy Bears 41 neue Namen, 107 sind es nun insgesamt. Und die Welle dürfte noch lange nicht ab­ebben: Die Wada erteilte allein im letzten Jahr 1330 Sondergenehmigungen.

Erstellt: 23.09.2016, 23:49 Uhr

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