Die Leichtigkeit des Star-Seins

Usain Bolt braucht die grosse Bühne, um magische Momente auf die Bahn zu zaubern. In Rio bietet sich ihm heute im 100-m-Final die nächste Möglichkeit.

Geniesst es, den Mittelpunkt zu sein: Usain Bolt.

Geniesst es, den Mittelpunkt zu sein: Usain Bolt. Bild: Keystone

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Das Fest war angerichtet, und der Mann im Mittelpunkt genoss es: Zur Pressekonferenz von Usain Bolt hatte sein Hauptsponsor in Rio geladen und ihm auf der Bühne ein paar knapp bekleidete Samba-Tänzerinnen hingestellt. Bolt, ohnehin ein musikalischer Typ, legte zum Gaudi der handverlesenen (Medien-) Zuschauer gerne das eine oder andere Tänzchen hin.

Es ist zum wiederholten Mal, dass sich Bolt unmittelbar vor dem Start eines Grossanlasses in solch lockerer Atmosphäre präsentiert: Seit er 2008 an den Olympischen Spielen in Peking in den Sprintolymp stürmte, empfängt er jedes Mal zu einer kollektiven Privat-audienz der besonderen Art. Während sich andere Sportgrössen vor den wichtigsten Momenten ihrer Karriere abschotten und konzentrieren, pflegt der 29-jährige Jamaikaner also die X-Large-Auftritte. Darin hebt er sich selbst in der kleinen Gruppe der sportlichen Superstars noch ab.

Vom Schwamm zur Legende, wenn er denn siegt

Bolt braucht diese grossen Bühnen, um das Maximum aus sich herauskitzeln zu können. Er sagt darum über sich: «Ich bin für Grossanlässe gemacht.» In seinen jungen Jahren sog er deshalb auch die stets elektrisierende Atmosphäre um den 100-m-Final an Spielen oder Weltmeisterschaften wie ein Schwamm auf, um dann alle Energie in Sturmläufe zu kanalisieren. Weil er mittlerweile um seinen «Legendenstatus» rennt, wie er es nennt, hat er das Brimborium unmittelbar vor dem Startschuss ein bisschen eingeschränkt.

Im 100-m-Vorlauf gestern Mittag Ortszeit reduzierte er seine Schelmereien mit dem Publikum folglich aufs Minimum. Bolt weiss nur zu gut, was er bei seinen letzten Olympischen Spielen abzusichern hat: den Nimbus des Ungeschlagenen und damit seine sportliche Makellosigkeit.

Dass er eine eher durchzogene Saison hinter sich hat, scheint ihn wenig zu beunruhigen. Er war auch vor den Spielen von 2012 oder der WM von 2015 in derselben Lage. Dass er bis zum 100-m-Final von heute Abend (3:25 Uhr MESZ) der grosse Unbekannte bleibt, hängt mit seinen letzten Wochen zusammen, die von Blessuren und verpassten Wettkämpfen geprägt waren. Wozu der schnellste Mensch der Welt fähig ist, kann wohl nicht einmal er exakt benennen. Die Leichtigkeit des Star-Seins umgibt ihn zwar weiterhin, die komplette Unbeschwertheit auf sportlicher Ebene geht ihm in diesem Schlüsselsommer bislang allerdings ab.

Weltrekorde darf man von diesem Bolt in Rio keine erwarten. Eher muss über die 100 m von einem Wimpernschlagfinale ausgegangen werden. Im letzten Jahr an der WM bezwang er seinen wohl erneut härtesten Gegner, Justin Gatlin, nur darum noch um eine Hundertstelsekunde, weil sich der führende Amerikaner vor seinem vermeintlichen Coup verkrampfte. Das letzte (Samba-)Tänzchen aber will Bolt haben. Es soll nicht im Vorfeld gewesen sein.

Erstellt: 14.08.2016, 20:13 Uhr

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