«Er ist die dümmste Glocke, die jemals erklungen ist»

Nach dem vorgetäuschten Überfall prasselt heftige Kritik auf Ryan Lochte – einen Spezialisten für ausgefallene Ideen.

Vom Sonnyboy zur Hassfigur: Der US-Schwimmstar Ryan Lochte.

Vom Sonnyboy zur Hassfigur: Der US-Schwimmstar Ryan Lochte. Bild: Keystone

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Die Story klang abenteuerlich: Als Polizisten verkleidete Männer sollen Ryan Lochte und drei Schwimmteamkollegen überfallen haben. Lochte, ganz der harte Kerl, habe sich auch mit einem Lauf vor der Nase nicht einschüchtern lassen, dachte nur: «Wie auch immer.»

Dabei galt der 32-Jährige immer als Spezialist für seltsame Gedankengänge. Seine gelegentlichen Blackouts in Interviews erklärte er einmal so: «Plötzlich poppt irgendetwas in meinem Kopf auf. Das können die verrücktesten Dinge sein. Eine hüpfende Banane zum Beispiel. Und dann stoppe ich einfach kurz.»

Was wohl in der Nacht auf Sonntag in Lochtes Hirn hin und her hüpfte? Nach einer Partynacht zertrümmerten er, Gunnar Bentz, Jack Conger und Jimmy Feigen eine Tankstellentür und liefen urinierend der Wand entlang. Der Sicherheitsverantwortliche zog die Schwimmer zur Rechenschaft, nach kurzem Hin und Her bezahlte die Crew den Schaden. Weil die Überfallstory doch etwas weniger peinlich wirkte als diejenige mit der Tür und dem Urin, poppte diese Idee in Lochtes Kopf auf.

Das hat nun insbesondere für Lochte Konsequenzen. Vor allem Sally Jenkins von der «Washington Post» schrieb sich in ihrer Kolumne in Rage: «Er ist die dümmste Glocke, die jemals erklungen ist.» Der sechsfache Olympiasieger verkörpere auf den Punkt genau den «unausstehlichen, amerikanischen Bro, mit seinem T-Shirt, seinen Jeans und den teuren Wildlederschuhen, deren Preisschild er besonders gerne in den sozialen Medien präsentiert und dem das Wort Respekt völlig fremd zu sein scheint.»

Ehemaliger Sonnyboy

Die «New York Post» befand, dass Lochte all dies repräsentiert, was die Welt an den Amerikanern hasst: «Er ist der hässliche Amerikaner. Lochte und Leute wie er sind der Grund, wieso wir Amerikaner in Prag schief angeschaut und in Florenz in der Schlange einer Eisdiele belächelt werden.» Lochte verkörpere das Gefühl der Überlegenheit und glaube, sich alles immer erlauben zu können.

Dabei galt Lochte jahrelang als Sonnyboy und als alles andere als ein «hässlicher Amerikaner». So sagte 2012 in London die deutsche Tennisspielerin Andrea Petkovic: «Meine Top Ten der schönsten Männer bei Olympia? Da müsste man Lochte Platz eins bis zehn geben.»

Das Olympische Komitee der Amerikaner musste sich entschuldigen, was dann auch der gefallene Star selber via Instagram tat. Zuvor zeigte er aber wieder seine hässliche Seite und retweetete auf Twitter eine Userin, die den Überfall für eine glaubwürdige Version der Geschichte hielt. (fas)

Erstellt: 19.08.2016, 19:53 Uhr

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