Zum Hauptinhalt springen

Recherche zu BilanzskandalSpuren des flüchtigen Wirecard-Managers führen nach Weissrussland

Recherchen um den seit Wochen untergetauchten Jan Marsalek nähren die These, dass er Verbindungen zum russischen Geheimdienst hat.

Markus Braun, CEO von Wirecard AG.
Markus Braun, CEO von Wirecard AG.
Foto: Matthias Doering (Bloomberg via Getty Images)

Im Bilanzskandal des insolventen Zahlungsdienstleisters Wirecard führen die Spuren des flüchtigen Ex-Managers Jan Marsalek einem Medienbericht zufolge nach Weissrussland. Der Manager sei dort von rund einem Monat kurz nach seiner Freistellung bei Wirecard eingereist, berichtete der «Spiegel» am Samstag unter Berufung auf das russische Ein- und Ausreiseregister.

Eine Wiederausreise sei dort bislang nicht verzeichnet, was darauf hindeute, dass sich der Manager noch in Weissrussland oder Russland befinde.

Bislang war vermutet worden, Marsalek sei eher in Asien. Der 40-jährige ist seit Wochen untergetaucht. Wirecard hatte Mitte Juni ein Bilanzloch von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt und kurz darauf Insolvenz angemeldet. Marsalek war für das Asien-Geschäft des Dax-Konzerns zuständig, das im Zentrum des Skandals steht.

Die neuen Erkenntnisse würden die These nähren, Marsalek habe mit russischen Geheimdiensten kooperiert oder für sie gearbeitet, so der «Spiegel».

Reuters

1 Kommentar
    Sacha Meier

    Solche «Kooperationen» mit dem FSB, oder GRU (heute G.U.) kommen nicht von ungefähr. Es ist eine offizielle Doktrin des neozaristischen Russlands, bekannte Angeschuldigte, die im Westen schwerer Verbrechen bezichtigt werden, bei sich aufzunehmen. Damit sollen die westlichen Strafverfolgungsbehörden vor ihren eigenen Völkern vorgeführt werden. Die Logik von Putin ist, dass er so einerseits die Sanktionen gegen sein Land vergelten kann, andererseits soll das Vertrauen der westlichen Bürger in die eigenen Justizbehörden beschädigt werden. Dazu versuchen die russischen Dienste natürlich im freundlichen Gespräch auch noch nützliche Informationen aus ihren speziellen Gästen zu entlocken, um ggf. systemische Schwachstellen aufzuspüren und bei Bedarf zu nutzen. War bei Edward Snowden schon so - und jetzt offensichtlich auch beim gnädigen Herrn Jan Marsalek. Das Putin wohlgesinnte Weissrussland ist da sicher auch eine sorgfältig gewählte Zwischenstation, weil es weniger Probleme bei der Anreise gibt. Seit Snowdens blamablem Direktflug nach Moskau-Scheremetjewo sind die Kontrollen von Russlandreisenden auf westlicher Seite ja auch etwas verschärft worden. ;-)