Zum Hauptinhalt springen

Massenentlassung in ZürichSR Technics streicht über 400 Jobs – trotz 120 Millionen Staatshilfe

Die Krisentochter des chinesischen Konglomerats HNA plant eine Restrukturierung. Ohne diese hätte sie die Unterstützung durch den Bund wohl nicht erhalten.

SR Technics – im Bild eine Turbine – baut in Zürich im grossen Stil ab.
SR Technics – im Bild eine Turbine – baut in Zürich im grossen Stil ab.
Foto: Keystone

Der Flugzeugtechnikdienstleister SR Technics ist gerade in den Genuss von 120 Millionen Franken Staatshilfe gekommen – der Bundesrat hält ihn für systemrelevant. Jetzt baut die ehemalige Swissair-Tochter, die heute mehrheitlich dem chinesischen Luftfahrt-Konzern HNA gehört, einen substanziellen Teil ihres Geschäfts in der Schweiz ab. Das hat sie letzte Woche bekannt gegeben. Allerdings verschwieg sie, wie viele Stellen abgebaut werden sollen.

Jetzt hat diese Zeitung von einer vertrauenswürdigen Quelle erfahren, dass SR Technics im Rahmen der Restrukturierung rund 500 Stellen zu streichen plant. Mit einem Minus von deutlich über 400 Jobs sei der Standort am Flughafen Zürich am stärksten betroffen. Dort beschäftigt SR Technics aktuell 1400 Mitarbeiter. Auch einen substanziellen Teil der 300 Angestellten am Flughafen Genf und der knapp 100 in Basel dürfte es treffen. SR Technics beantwortete eine Anfrage um Stellungnahme nicht.

Die Restrukturierung wurde von der Eidgenössischen Finanzverwaltung (EFV), die in der Luftfahrt-Taskforce des Bundes die Führung innehat, abgesegnet. Ein Sprecher schreibt, dass man vor der Vergabe des Kredites den Businessplan des Unternehmens geprüft habe; dort hatte die Geschäftsführung die Restrukturierungspläne formuliert. Mit dieser Prüfung wollte der Bund abschätzen, ob es realistisch ist, dass SR Technics den bewilligten Bankkredit von 120 Millionen innert dreieinhalb Jahren zurückbezahlen kann. Die geplante Massenentlassung war also wohl ein Grund dafür, dass SR Technics an das Geld kam. Die Hoffnung des Bundes: mit dem Kredit wenigstens die restlichen Jobs zu retten.

Höhere Zinsen als bei der Swiss

Könnte die Firma den Kredit nicht zurückzahlen, müsste der Bund 60 Prozent der ausstehenden Summe selbst bezahlen. Den Rest des Risikos trägt ein Bankenkonsortium um UBS und CS. Die Zinsen sollen dabei deutlich höher sein als im Falle des noch abzuholenden Kredits an die Swiss, wo sie ungefähr bei 3 Prozent liegen, wie diese Zeitung aus gut unterrichten Kreisen erfahren hat.

«In Genf und Basel gibt es keinen Sozialplan, in Zürich ist er dagegen gut.»

Stefan Brülisauer, Luftfahrtsekretär beim VPOD

Wie schon beim Swiss-Kredit liess sich der Bund garantieren, dass das Geld nicht ins Ausland abfliesst. Weiter vereinbarten die Parteien, «dass mit den Sozialpartnern sozialverträgliche Lösungen gesucht werden, sofern ein Personalabbau unvermeidlich wird», schreibt der EFV-Sprecher.

«In Genf und Basel gibt es keinen Sozialplan, in Zürich ist er dagegen gut», blickt Stefan Brülisauer voraus. Er ist bei der Gewerkschaft VPOD für den Luftverkehr zuständig und vertritt bei den Verhandlungen über die bevorstehende Massenentlassung die Arbeitnehmer. Am 6. August wird laut Brülisauer die Geschäftsleitung die Sozialpartner und danach wohl die Belegschaft über das genaue Vorgehen der Restrukturierung informieren. Allerdings steht dann noch das Konsultationsverfahren an, bei der üblicherweise Alternativen zur Massenentlassung gesucht werden. In diesem Fall führt jedoch kein Weg daran vorbei.

«Solide Finanzergebnisse»

Die Restrukturierung von SR Technics wird zwei Geschäftsfelder betreffen: erstens das Design-Engineering, das von der Neuausstattung von Kabinen bis zur neuen Lackierung eine Reihe von Veränderungen am Flugzeug beinhaltet. Und zweitens die auf Flugstunden basierenden Komponentendienstleistungen, was zum Beispiel das Wechseln der Reifen bedeutet.

Der Abbau von letzterem Bereich wird allerdings nicht Knall auf Fall erfolgen, sondern sich stufenweise über Jahre hinziehen, da SR Technics noch in langfristigen Verträgen mit Airlines steckt. VPOD-Sekretär Brülisauer geht davon aus, dass SR Technics versuchen wird, diesen Bereich an einem der anderen Standorte rund um die Welt wieder zum Fliegen zu bringen.

Die Firma beschäftigte vor der Krise rund 3000 Mitarbeiter in 13 Ländern und hatte einen Umsatz von rund 1,5 Milliarden Franken. Ausser dem Fakt, dass sie lange unprofitabel war, ist wenig über den Geschäftsgang bekannt. Allerdings schrieb SR Technics in der Mitteilung von letzter Woche von «einem erfolgreichen Turnaround und soliden Finanzergebnissen in den letzten Jahren». Das reichte aber offensichtlich nicht dafür, an Staatshilfe zu kommen – es braucht nun noch die Massenentlassung.