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Plan B in einem alten StreitStadt soll Kasernenareal kaufen

Das Stadtparlament würde die Militäranlage am liebsten dem Kanton abkaufen. Doch weil es eine einfachere Lösung gibt, wird die Forderung wohl wenig ändern.

Das Kasernenareal, aus der Luft fotografiert. Der linke Teil mit dem jetzigen Polizeigefängnis soll 2022 ins neue Polizei- und Justizzentrum zügeln.
Das Kasernenareal, aus der Luft fotografiert. Der linke Teil mit dem jetzigen Polizeigefängnis soll 2022 ins neue Polizei- und Justizzentrum zügeln.
Foto: Urs Jaudas

Nach einer über 40-jährigen Debatte mit zahllosen Wendungen, Winkelzügen, Vertragsbrüchen und ungewohnten Allianzen schien der Streit um die Kaserne in diesem Februar beigelegt. Endgültig. Die Stadt und der Kanton hatten sich auf eine breit anerkannte Lösung geeinigt, dank der die ganze ehemalige Militäranlage für die Bevölkerung geöffnet werden kann.

Doch dem Gemeinderat ist das nicht genug. Eine Mitte-links-Mehrheit verlangte in der Sitzung von Mittwoch, dass die Stadt das zentrale Grundstück im Kreis 4 vom Kanton kaufen soll.

Wahrscheinlich wird dieses Manöver wenig ändern. Grüne (Kauf Zeughaushof) und GLP (Kauf des ganzen Areals samt Hauptgebäude) haben ihre Motionen freiwillig zu Postulaten abgeschwächt. Damit handelt es sich um keine dringenden Forderungen mehr, sondern um einen «Plan B», mit dem sich die Stadt absichern soll, wie der Grüne Markus Knauss sagte.

Misstrauen gegenüber dem Kanton

Hintergrund der zwei Vorstösse ist ein Entscheid des bürgerlich dominierten Kantonsrats, der eine während Jahren ausgehandelte Lösung zwischen Stadt und Kanton im Januar 2019 abschoss. Aus Sicht der Stadt war dies ein Affront. Die neuen Mehrheitsverhältnisse, welche die kantonalen Wahlen im Frühling 2019 geschaffen haben, sollen nun aber eine Wiederbelebung dieses Kompromisses ermöglichen. Dabei übernimmt die Stadt das Zeughausareal und das Kleinere der zwei Polizeigebäude im Baurecht. Aus der grossen Wiese wird ein Park, das Hauptgebäude gestaltet der Kanton bis ins Jahr 2026 zu einem Bildungszentrum für Erwachsene um. Die Kantonspolizei verlässt das Areal komplett.

Die Befürworterinnen sagten alle, dass sie mit der vorgeschlagenen Variante leben können. Gleichzeitig bekundeten sie ihr Misstrauen gegenüber dem Kanton. Der Regierungsrat bleibe bürgerlich. Man wisse nie, wie dieser in Zukunft entscheide. «Nur eine endgültige Lösung sichert das Areal für die Stadt», sagte Guido Hüni (GLP). Auch die SP, welche die Forderungen in abgeschwächter Form unterstützte, fände es einfacher, das Areal in städtischer Hand zu wissen.

Die Gegner von FDP und SVP nannten das Vorhaben absurd. Der Kanton wolle die Kaserne nicht verkaufen, auch nicht unter den neuen Mehrheitsverhältnissen. Die Stadt könne ihn nicht dazu zwingen. Auch die AL lehnte einen Kauf ab. Sie befürchtet, dass der Kanton dabei die Sanierungskosten der teilweise maroden Gebäude auf die Stadt überwälzt.

Der zuständige Stadtrat Daniel Leupi (Grüne) verteidigte die jetzige Lösung als «faires Gesamtpaket». Das Hauptgebäude wolle die Stadt gar nicht. Er kritisierte aber auch die Art und Weise, wie der Kanton die Stadt mit der plötzlichen Absage im Januar 2019 behandelt hatte. Als «Signal» finde er den Kaufwunsch sinnvoll.

Die Kantonspolizei wird in zwei Jahren aus der Kaserne ins neue Polizei- und Justizzentrum zügeln.

4 Kommentare
    Andreas Diethelm

    https://www.tagesanzeiger.ch/stadt-soll-kasernenareal-kaufen-727295070598

    Geändert hat sich jahrzehntelang zugunsten der Bevölkerung in der Tat wenig. Ausser die Farbe der Südhälfte des Kasernenhofs. Die ist nicht mehr eine grüne Graswüste, wie auf dem Bild, sondern beige, der Rasen wurde vor drei Monaten als Parkplatzerweiterung für die Kapo mit Holzschnitzeln bedeckt. Was macht nun bloss der Rasenmäher der dort 35 Jahre lang als einziges Lebenszeichen, seine Runden drehte. Vor 9 Jahren, im "Jahr des Bodens" wurde der Kanton zu einer sinnvollen Zwischennutzung der eingezäunten Wiese eingeladen, als Schulgarten - im Quartier herrscht akuter Platzmangel für diesen Zweck:

    https://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/kopfsalat-von-der-kasernenwiese/story/21443321

    https://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/die-mutigsten-visionen-fuer-das-kasernenareal/story/30913664 (Bild 13). Angeblich herrschten "Sicherheitsbedenken" (wo ist es sicherer als hinter einem stacheldrahtbewehrten Maschendrahtzaun?). Die Vorstösse werden wenig Greifbares bewirken. Und die AL hat Recht: Der Kanton soll die Gebäude sanieren, die er 2026 40 Jahre wird vergammeln lassen haben.