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Risikoanalyse für RäbeliechtliumzugZürcher Stadtpolizei für unsinniges und überflüssiges Gesetz geehrt

Beamte verlangen eine Risikoanalyse für einen Räbeliechtliumzug. Bei einer Preisverleihung landeten sie damit nun auf dem zweiten Platz.

Räbeliechtliumzüge sind eine unterschätzte Gefahr. Kleine Menschen laufen nachts mit wurfgeschossähnlichen Feuerkugeln durch die dunkle Stadt. Ahnungslose Passanten werden mit psychologisch geschickt platzierten Brätelduftmarkierungen in die Cervelat-Abhängigkeit getrieben. Und immer wieder hallen kryptische Parolen durch die engen Gassen. Es geht um Laternen und Sterne und dass sie erst heimgehen, wenn «de Biiswind chunt». La bimmel! La bammel! La bum!

Vielleicht versuchte deshalb die Zürcher Stadtpolizei, diese heidnische Verehrung von schrumpeligen Kürbisplagiaten zu zähmen. Die Waffe der Behörde: eine Risikoanalyse. Initianten müssen vorgängig Fragen zu möglichen Gefahren beantworten. Unwetter etwa aber auch Bühneneinstürzen, Bombendrohungen und die nicht zu unterschätzende Gefahr von «Wildurinierern». Und mit sich spassen lässt die Behörde nicht. Als ein Organisator nämlich als möglicher Risikofaktor «zu wenig Schoggibrötli» angab, wurde der Fragebogen postwendend retourniert. Nachbessern!

Zweiter Platz für Stapo

Für ihr Vorgehen wurde die Stadtpolizei für den «Rostigen Paragraphen» nominiert. Ein Preis, der – nach Angaben der «IG Freiheit» – für das «dümmste, unnötigste Gesetz» verliehen wird. Diesen Schmähpreis entgegennehmen konnte etwa schon der Kanton Neuenburg (Vorstoss für ein Verbot von Beerpong), das Staatssekretariat für Wirtschaft (Gesetz für Grill- und Ofenhandschuhe) oder etwa die eidgenössische Alkoholverwaltung (Verbot von Tragtaschen mit Spirituosenwerbung, weil diese auch mit nicht alkoholischen Getränken befüllt werden können).

Ein öffentliches Voting sollte über den Gewinner entscheiden, am Donnerstag wurde nun das Ergebnis veröffentlicht: Die Zürcher Stadtpolizei unterliegt knapp den gendergerechten Strassenschildern aus Genf und darf sich über einen silbrigen Rostparagraphen freuen.

«Da könnten durchaus ernstere Sachen passieren»

An der digitalen Preisverleihung gibt Daniel Blumer, Kommandant der Stadtpolizei Zürich, Einblick in das beamtliche Denken. Mögliche Worst-Case-Szenarien an einem Kinderumzug wären demnach Kleider, die zu brennen beginnen, stürzende Personen oder Kinder, die verloren gingen. «Da könnten durchaus ernstere Sachen passieren.» Allerdings erklärt Blumer auch, dass diese Risikoanalyse eigentlich nicht für den Räbeliechtliumzug erfunden worden sei. Man hätte eher an Demonstrationen oder Anlässe wie die Street Parade und das Züri-Fäscht gedacht. Immerhin.

Die diesjährigen Nominationen für den «Rostigen Paragraphen»

Gendergerechte Strassenschilder

Weil Strassenschilder stets Männer zeigen, ergänzte die Stadt Genf 500 Tafeln mit Piktogrammen von Frauen

Risikoanalysefür Räbeliechtliumzug

Die Zürcher Risikoanalyse landete auf dem zweiten Platz.

Baubewilligung für Schneemann

155 Franken musste eine Klimaaktivistin aus Wettingen bezahlen, als sie auf einem öffentlichen Platz einen Schneemann bauen wollte. 100 Franken verrechnete die Gewerbepolizei für das Gesuch, 55 Franken als Minimalgebühr für eine politische Aktion.

Busse für 5-jährige «Schwarzfahrerin»

Kinder unter «5,99 Jahren» fahren in Schaffhausen kostenlos im Bus, wenn sie in Begleitung Erwachsener sind. Da die 10-jährige Schwester gesetzlich nicht als Begleitperson galt, wurde die «Schwarzfahrerin» mit 100 Franken gebüsst.

Überbrückungsrente für alte Kühe

Kühe tragen grossen Anteil am jährlichen Treibhausgasausstoss. Da alte Milchkühe jedoch weniger ausstossen als junge, will das Bundesamt für Landwirtschaft Anreize schaffen, um diese Tiere länger leben zu lassen.