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Dieser junge Ermittler knöpft sich die alten Fussballbosse vor

Cédric Remund, der Ankläger der Bundesanwaltschaft, hat am Montag in einem Fussball-Fall trotz Widrigkeiten den ersten grossen Auftritt.

Der Staatsanwalt des Bundes Cédric Remund führt den Prozess gegen die angeklagten ehemaligen Fifa-Funktionäre. Foto: PD
Der Staatsanwalt des Bundes Cédric Remund führt den Prozess gegen die angeklagten ehemaligen Fifa-Funktionäre. Foto: PD

Seinetwegen könnten vier ältere Herren das Happy End im Sommermärchen endgültig vergessen: Cédric Remund, Staatsanwalt des Bundes, wird ab ­diesem Montag in Bellinzona alles daransetzen, dass die ehemaligen Fussballfunktionäre Theo Zwanziger (74), Wolfgang Niersbach (69), Horst G. Schmidt (78) und Urs Linsi (69) verurteilt werden. Eine undurchsichtige Verschiebung von 10 Millionen ­Franken rund um die WM 2006, die als ­Sommermärchen in die deutschen Annalen einging, ist für ihn Betrug. Die Beschuldigten bestreiten das.

Im Verfahren haben sie mit harten Bandagen gegen Remund gekämpft. Bei Einvernahmen wurde der Staatsanwalt von der Gegenseite angefeindet, es hagelte Befangenheitsanträge und Ex-DFB-Boss Zwanziger reichte sogar eine Strafanzeige gegen ihn ein. Doch alle blitzten ab.

Remund gereichte seine trockene, unnahbare Art zum Vorteil. Seine Chefs, bis hin zu Bundesanwalt ­Michael Lauber, wurden in anderen Fussball-Verfahren für befangen erklärt, weil sie an nicht protokollierten Treffen teilnahmen. Von Remund ist nichts dergleichen bekannt. Er liess sich laut Verfahrensbeteiligten nicht einmal zu einem Spruch am Rande der Einvernahmen hinreissen.

Ein brillanter Jurist mit stoischer Miene

Der Showdown vor dem Bundes­strafgericht zwischen dem jung-­dynamischen Staatsanwalt und den Ex-Fussballfunktionären droht zu einem Fernduell zu verkommen. Drei der vier Angeklagten wollen dem Prozess wegen ihrer Gesundheit und des Coronavirus fernbleiben.

Falls die Verhandlung deswegen nicht vertagt wird, kommt Cédric Remund zu seinem ersten grossen Auftritt vor Gericht. In seinem bisher prestigeträchtigsten Fall hat er die Verurteilung des «Revisors der Nation» ­Daniel Senn erreicht, ohne dem Gericht seine Aufwartung zu machen.

Der 38-Jährige sei ein Chrampfer von früh bis spät, ein brillanter Jurist und schneller Denker, heisst es. Die Gegenseite beschreibt ihn als unflexibel, introvertiert, als einen, der Einvernahmen mit stoischer Miene und einer gewissen Herab­lassung beiwohnt.

Remund kämpft nicht nur mit dem Manko, dass der mutmassliche Drahtzieher abwesend ist, er kämpft auch gegen die Zeit.

Der Lausanner, der fliessend Deutsch spricht, ist blutjung Ermittler geworden. Mit 26 Jahren arbeitete er bei der Freiburger Staatsanwaltschaft, wechselte dann für zwei Jahre als Steuer­berater zu Ernst & Young und wurde 2013 zur Bundesanwaltschaft geholt.

Remund übernahm schnell Fifa-­Ermittlungen, zuerst die kleineren Fische, dann aber die ganz grossen, darunter den Fall um den ehemaligen Uefa-Boss Michel Platini oder eben das Sommermärchen. Hier ist eine zweite Fussball-Legende, Franz ­Beckenbauer, die Hauptfigur. Doch auch der fehlt in Bellinzona. Der Organisationschef der WM 2006 ist gesundheitlich schon länger so ­angeschlagen, dass sein Verfahren vom Fall abgetrennt wurde.

Remund kämpft nicht nur mit dem Manko, dass der mutmassliche ­Drahtzieher abwesend ist, er kämpft auch gegen die Zeit, denn es droht Verjährung. Das Verfahren sei eine zu grosse Last für einen in Haupt­verhandlungen unerfahrenen Juristen, sagen die einen. Eine Herausforderung, die gerade er, Cédric Remund, schaffen könne, sagen andere.

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