Zum Hauptinhalt springen

Neue Musik aus ZürichStrassengeschichten aus Wiedikon

Jordan Parat hat mit einem brutalen Track einen Hit gelandet. Auf zwei EPs zeigt der begnadete Zürcher Rapper, dass er auch weniger aggressiv kann.


Der junge Rapper Jordan Parat singt immer wieder von Wiedikon. (
10.9.2020)

Der junge Rapper Jordan Parat singt immer wieder von Wiedikon. (
10.9.2020)
Foto: Sabina Bobst

Jordan Parat sitzt in einer Lounge auf dem Dach eines Bürogebäudes im Kreis 1 und raucht. Er ist jung, hochgewachsen, wach. Zusammen mit der Gruppe Sektion ZH ist er gerade dabei, im Keller des Hauses ein neues Studio einzurichten. Es ist ein Zeichen dafür, dass die Gruppe daran ist, ganz auf Musik zu setzen.

Vor einem Jahr hat der 27-Jährige bereits einen Hit gelandet. Das Stück «Stich en Zivi», das bei Youtube mehr als 700’000 Klicks und bei Spotify über 220’000 Streams hat, hat ihn auf die Landkarte des Deutschschweizer Raps gebracht.

Im Refrain des Stücks heisst es, dass ihm nichts anderes übrig bleibe, als einen Zivi abzustechen. Doch die Brutalität sei nicht wörtlich zu verstehen, sagt Anghuli Jordan Okolo, wie Jordan Parat bürgerlich heisst. Wie so oft im Rap sei die Übertreibung ein Stilmittel. Und sowieso: «Mir ist wichtig, von dem Image wegzukommen.» Denn: Er sei in der Regel ganz gut gelaunt.

Dass daran etwas sein muss, zeigen nun auch seine beiden aktuellen EPs «150%» und «Vitamin D». Erstere ist vor zwei Monaten erschienen, Zweitere erscheint in diesen Tagen. Beide zeigen auch, dass er die Aufmerksamkeit, die ihm die umstrittene Single eingebracht hat, durchaus verdient.

Wiediker Jungsgeschichten

Es ist eine breite Palette an Stilen, die Okolo und sein Produzent Salomon Baumgartner auf den Aufnahmen auffahren: Boom Bap wechselt mit Dancehall ab, westafrikanisch geprägte Melodien gehen neben West-Coast-Hüpfern einher. Die Texte fliessen im Slang, die Themen, die er besingt, reichen von Wiediker Jungsgeschichten zur Erläuterung von Sexpraktiken.

Auffällig daran ist nun Okolos textliche Treffsicherheit. Es ist eine Sprache ohne Filter, die Dinge beim Namen nennt. Dass die Texte funktionieren, hat auch damit zu tun, dass Schreiben bei Okolo eine Strategie ist. «Erst auf dem Papier erkenne ich mich selber», sagt er.

Das Gespräch auf dem Dach im Kreis 1 geht nun zum Thema Rassismus über. «Du merkst als dunkelhäutiger Junge, dass du wegen deiner Hautfarbe nicht ganz dazugehörst.» Dutzende Male sei sein Vater, der nigerianische Wurzeln hat, am See von der Polizei kontrolliert worden. «Ich habe oft gesehen, wie er sich bei Polizeikontrollen nackt ausziehen musste», so Okolo. Dank der Black-Lives-Matter-Demonstrationen komme nun Bewegung in die Debatte, sagt er.

Seiner Musik hört man diese schwierigen Erfahrungen nicht direkt an. Wohl aber habe seine Wut, die dann und wann in den Texten durchscheint, damit zu tun.

1 Kommentar
    J. Brunner

    Er ist hier Gast. Er beschwert sich. Es gefällt ihm hier nicht. Er sollte umziehen, dort hin, wo es ihm besser gefällt. Er wird zufrieden sein, wir werden zufrieden sein.