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Lieferung von Medikamenten für RisikopatientenApotheken wittern ihre Chance in der Corona-Krise

Zum Schutz von Risikopatienten wollen Apotheken Medikamente nach Hause liefern und dies bewerben dürfen. Nun muss der Bundesrat entscheiden, welchen Apotheken er die Erlaubnis dazu erteilt.

Auch diese Frage gehört zum Krisenmanagement des Bundesrats: Sollen Apotheken Medikamente via Onlineplattform nach Hause liefern dürfen?
Auch diese Frage gehört zum Krisenmanagement des Bundesrats: Sollen Apotheken Medikamente via Onlineplattform nach Hause liefern dürfen?
Foto: Keystone

Der Streit um die Lieferung von Medikamenten nach Hause spitzt sich während der Pandemie zu. Die stationären Apotheken werben mit Heimlieferungen, damit vor allem auch gefährdete Kunden nicht Schlange stehen müssen. Die Plattform www.pharmonline.ch gibt es zwar schon seit zwei Jahren, aber sie hat nun an Bedeutung gewonnen und wird von der Firma Pharmafocus in Münchenstein BL verstärkt beworben. «Die nahe liegende Haus- oder Quartierapotheke bringt die Medikamente so mit ihrem eigenen persönlichen Hauslieferdienst zu den Patienten», erklärt Annette Messer von Pharmafocus. 130 Apotheken aus der ganzen Schweiz bieten über die Plattform Heimlieferungen an.

Genau das untersagt die Kantonsapothekerin von Basel-Stadt. Dies sei ein «Modell des Versandhandels» und deshalb nur mit spezieller Bewilligung erlaubt, verfügte Esther Ammann diese Woche in einem Schreiben an die Basler Apotheken. Auch Baselland will erst offene rechtliche Fragen klären.

«Die Hauslieferung ist seit eh und je eine wichtige Dienstleistung der niedergelassenen Apotheke», hält Annette Messer von Pharmafocus dagegen. Für den Rest der Schweiz hält die Firma an ihrem Konzept fest. Und sieht die Plattform als rasche und unbürokratische Hilfe zum Schutz der Patienten während der Pandemie.

Walter Oberhänsli, Chef der Internetapotheke Zur Rose, will seinen Versandhandel während der Pandemie ausweiten.
Walter Oberhänsli, Chef der Internetapotheke Zur Rose, will seinen Versandhandel während der Pandemie ausweiten.
Foto: Reto Oeschger,

Der klassische Versandhandel sieht sich in der Corona-Krise wiederum berufen, seinen Service auszubauen. Die Internetapotheke Zur Rose hat einen Antrag an den Bundesrat gestellt, um derzeit auch rezeptfreie Medikamente wie Aspirin oder Neocitran versenden zu dürfen. Bislang darf sie das nämlich nicht. Ihr Argument lautet ähnlich wie das von Pharmafocus: Kranke und andere Risikogruppen sollen so während der Pandemie zu Hause bleiben können.

Der Bundesrat muss demnächst darüber entscheiden, wer welche Medikamente zu den Patienten nach Hause liefern darf. Zumindest befristet während der Krise könnten so geltende Bestimmungen aufgehoben werden. Im Grundsatz geht es dabei um die Frage, ob für die Onlineapotheken und die stationären Apotheken die gleichen Bedingungen gelten sollen. Die Pandemie könnte Veränderungen in den jahrelangen Streit bringen.