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Epic Games vs. AppleStreit um Fortnite erreicht Europa

Epic Games beschwert sich bei der EU-Kommission über Apple. Die beiden Unternehmen überziehen sich seit dem Sommer mit Klagen. Für Apple steht viel auf dem Spiel.

Der Kampf beim Spielen wird zum Kampf der Unternehmen: Fortnite-Game-Event in Los Angeles.
Der Kampf beim Spielen wird zum Kampf der Unternehmen: Fortnite-Game-Event in Los Angeles.
Foto: Getty/AFP

Der Entwickler des erfolgreichsten Videospiels der Welt hat sich mit dem wertvollsten Konzern der Welt angelegt – und die EU-Kommission könnte in diesem Streit eine entscheidende Rolle spielen. Denn Epic Games hat in Brüssel eine Kartellbeschwerde gegen Apple eingereicht. Der «Fortnite»-Macher wirft dem iPhone-Hersteller vor, seine Kontrolle über den App-Store wettbewerbswidrig auszunutzen und Entwicklern zu schaden.

«Hier steht die Zukunft mobiler Plattformen auf dem Spiel», sagte Epic-Chef Tim Sweeney. Nutzerinnen und Nutzer hätten das Recht, Apps aus der Quelle ihrer Wahl zu installieren. Entwicklern müsste es möglich sein, fair zu konkurrieren. «Wir werden nicht zusehen und Apple erlauben, seine Dominanz auszuspielen.»

Epic stört sich daran, dass Entwickler 30 Prozent Provision an Apple abtreten müssen, wenn sie Umsätze im App-Store erwirtschaften. Fortnite selbst ist kostenlos, doch wenn ein Spieler etwa zehn Euro für sogenannte In-Game-Käufe bezahlt, dann gehen davon drei Euro an Apple. Für Entwickler, die Abonnements anbieten oder weniger als eine Million Dollar Jahresumsatz erzielen, sinkt der Anteil auf 15 Prozent.

Wer ein iPhone oder iPad besitzt, kann Apps nur über Apples eigenen Store beziehen. Entwickler müssen diese Plattform nutzen und Apples Zahlungssystem verwenden. Epic würde gern selbst einen App-Store anbieten, dort niedrigere Provisionen kassieren und mit Apple konkurrieren. Der Spieleentwickler sagt, dass Apple mit den strikten Regeln sein Monopol auf iOS-Geräten missbrauche und damit gegen EU-Wettbewerbsrecht verstosse.

Im Sommer eskalierte der Konflikt

Apple hält diese Argumentation für scheinheilig. Epic sei einer der erfolgreichsten Entwickler im App-Store und habe sich mit dessen Hilfe ein Multimilliarden-Dollar-Geschäft aufgebaut, sagt ein Sprecher. Die Spieleschmiede habe sich bewusst über Apples Richtlinien hinweggesetzt. «Ihr rücksichtsloses Verhalten instrumentalisiert Nutzerinnen und Nutzer als Bauernopfer, und wir freuen uns darauf, das auch der EU-Kommission klarzumachen.»

Damit spielt Apple auf den vergangenen Sommer an, als Epic den schwelenden Konflikt bewusst eskalieren liess. Der Entwickler versuchte, Apples Zahlungssystem mit einem Trick zu umgehen, der klar gegen die Regeln des App-Stores verstiess. Daraufhin warf Apple Fortnite aus dem Store, und die beiden Unternehmen überzogen sich mit Vorwürfen und Klagen.

Einerseits inszeniert sich Epic, der Goliath der Spielebranche, als David im Kampf gegen den Giganten Apple. Andererseits verbündete sich der Fortnite-Macher mit anderen Apple-Gegnern wie Spotify und Tinder, die ebenfalls an den Regeln und der Provision des App-Stores rütteln wollen. Diese «Coalition for App Fairness» könnte für Apple gefährlich werden. Schliesslich bietet Apple auch seinen eigenen Musikstreaming-Dienst Apple Music im App-Store an, der im Gegensatz zu Spotify keine Provision zahlen muss. Deshalb ermittelt die EU-Kommission bereits, und Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager liess erkennen, dass sie Spotifys Position nachvollziehen könne.

Das Kartellrecht war bislang eher eine Bedrohung für Apples Konkurrenten wie Microsoft, Google und Facebook. 2021 könnte sich das ändern. Das Portal The Information berichtet, dass auch Facebook eine Kartellklage gegen Apple vorbereite.

sih/sz.de

5 Kommentare
    peter weiss

    wenn apple 2-3% des umsatzes kassieren würde, wäre das im normalen bereich von lizenznehmern. 30% ist eine absolute unverschämtheit und pure gier - verbunden mit einer extremen monopolstellung.