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Energieversorgung der ZukunftGeothermie im Jura soll doch gebaut werden

Die Betreiberin eines geplanten Geothermiekraftwerks will sich gegen die Aufhebung der Baubewilligung wehren – mit einer Kommunikationsoffensive. Das Projekt gilt in der künftigen Energieversorgung als Leuchtturmprojekt.

Das Verfahren für die geothermische Erschliessung, wie es im Jura vorgesehen ist, wird in einem Stollen im Bedrettotal getestet.
Das Verfahren für die geothermische Erschliessung, wie es im Jura vorgesehen ist, wird in einem Stollen im Bedrettotal getestet.
Foto: Pablo Gianinazzi (Keystone)

Das geplante Geothermiekraftwerk im jurassischen Haute-Sorne war eigentlich bereits abgeschrieben, nachdem die jurassische Regierung im April angekündigt hatte, die Baubewilligung möglicherweise zurückzuziehen. Nun keimt wieder Hoffnung auf. Die Betreiberin Geo-Energie Suisse gibt nicht auf und versucht, das Projekt zu retten, wie sie heute mitteilt. Es soll dabei nicht der juristische Weg gewählt werden, sondern der sachliche. Sie will nun den «offenen und konstruktiven» Dialog mit der Bevölkerung aufnehmen. «Dies blieb uns bisher verwehrt wegen der laufenden Verfahren», sagt Peter Meier, CEO von Geo-Energie Suisse.

Die Betreiberin hat mit dem Kanton und der Gemeinde vertraglich vereinbart, dass eine Begleit- und Informationskommission eingesetzt wird, um für die Regierung und die Öffentlichkeit während der gesamten Projektdauer «maximale Transparenz» zu gewähren. Die Kommission besteht aus Vertretern des Kantons, der Gemeinde, der Bevölkerung und von Verbänden. Dieses Gremium soll nun zum Zuge kommen, nachdem alle Verfahren abgeschlossen sind. Geo-Energie Suisse erwartet, dass durch einen Dialog die umstrittenen Sachfragen geklärt werden können.

Strom für 6000 Haushalte

Die zuständigen Behörden hatten das Geothermieprojekt nach Abklärungen zur Umweltverträglichkeit und Risikostudien bereits 2015 bewilligt. Umweltverbände hatten keine Beschwerden eingereicht. Ein Rekurs von privater Seite gegen den Sondernutzungsplan der Regierung wurde im Dezember 2018 durch das Bundesgericht abgelehnt.

Nach einem Vorfall in einem ähnlichen Geothermieprojekt in Südkorea verlangte die Regierung eine zusätzliche Untersuchung. Der Schweizerische Erdbebendienst gab dem Projekt wissenschaftlich gute Noten und kam zum Schluss, dass das Konzept und das Risikomanagement im Lichte des Vorfalls in Südkorea keine fundamentalen Veränderungen brauche. Dennoch war die Regierung nicht zu überzeugen.

Das Projekt droht nun zu scheitern, bevor überhaupt die notwendigen Daten für eine abschliessende Beurteilung zur Verfügung stehen. Dazu braucht es eine Explorationsbohrung, um den Untergrund zu erkunden. «Wir müssen sicher sein, dass wir nicht in einem grossen Bruchsystem sind», sagt Peter Meier. Zudem werden die Projektverantwortlichen den Untergrund seismisch untersuchen. Die Daten würden dann von unabhängigen nationalen und internationalen Experten beurteilt, so Meier. «Erst dann wird endgültig über das Vorhaben entschieden.»

Für die Geo Energie-Suisse ist damit der juristische Weg aber nicht ausgeschlossen. Sie wird aber nur an die Gerichte gelangen, wenn die erteilten Bewilligungen tatsächlich zurückgezogen werden.

Für den Bund ist dieses Projekt ein Leuchtturmprojekt für die Tiefengeothermie in der Schweiz. Er unterstützt das Vorhaben mit einem Erkundungsbeitrag von 64,1 Millionen Franken. Das Kraftwerk könnte dereinst Strom für rund 6000 Haushalte produzieren. Bisher ist in der Schweiz noch keine Kilowattstunde geothermischer Strom geflossen. Das Potenzial dieser Energiequelle soll gemäss Energiestrategie 2050 so gross sein, dass etwa 8 Prozent des Stromverbrauchs in der Schweiz gedeckt werden könnte. Die Betreiberin betont, das Investitionsprojekt werde eine «substanzielle» lokale Wertschöpfung generieren.