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ProbefahrtStromern auf britische Art

Ein Kabel zwischen Steckdose und Batterie hilft, den Range Rover Evoque zum Sparer zu machen. Vorausgesetzt, der Fahrer ist diszipliniert.

Unter der Fronthaube des Briten steckt ein 3-Zylinder-Benziner, der E-Motor befindet sich im Heck.
Unter der Fronthaube des Briten steckt ein 3-Zylinder-Benziner, der E-Motor befindet sich im Heck.
Bild: Land Rover
Fahren ohne Abgase erlaubt der Evoque als PHEV für mehr als 50 Kilometer.
Fahren ohne Abgase erlaubt der Evoque als PHEV für mehr als 50 Kilometer.
Bild: Land Rover
Dank Elektro-Power knackt der Range Rover Evoque P300e die 100-km/h-Marke nach 6,4 Sekunden.
Dank Elektro-Power knackt der Range Rover Evoque P300e die 100-km/h-Marke nach 6,4 Sekunden.
Bild: Land Rover
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Range Rover ist eigentlich bekannt für seine starken Motoren. Schon ungewöhnlich, dass im neuen Spitzenmodell des Evoque ein so kleiner Motor steckt. Nur 1,5 Liter Hubraum verteilt auf drei Zylinder ist eine Grösse, die normalerweise eher selten unter britischen Hauben mit diesem Markenlogo zu finden ist. Doch ehe die Fangemeinde jetzt wütende Briefe und Mails an den Vorstand schreibt, ist genaueres Hinsehen ratsam. Denn der kleine Benziner ist nicht allein für standesgemässes Fortkommen in dem mindestens 64’700 Franken teuren SUV zuständig.

Natürlich geht es um einen der gerade so angesagten Vertreter der Plug-in-Hybrid-Technik, die neben dem klassischen Verbrenner noch einen starken Elektromotor an Bord haben. Im Fall des Evoque sitzt der an der Hinterachse und treibt auch deren Räder an. Seine 80 kW/109 PS sorgen dafür, dass das Gesamtpaket satte 147 kW/309 PS auf die Strasse bringt. Noch wichtiger: Laut Datenblatt schafft der zumindest teilweise elektrifizierte Designer-SUV gut 55 Kilometer rein elektrisch. Laut Norm zumindest.

Drei Zylinder müssen reichen

Im 446-Seelen-Dorf Gaydon in der Grafschaft Warwickshire ist eines der beiden Technikzentren von Jaguar Land Rover zu Hause – sozusagen das Herz des Geländewagen-Spezialisten. Hier startet die erste Tour im Doppelherz-Mobil, das sich äusserlich nicht von seinen Benzin- oder Diesel-Geschwistern unterscheidet. Auch nicht im Innenraum. Einziger Hinweis aufs Elektrische im kleinen Range ist eine Anzeige im Drehzahlmesser, die den Status der Batterie verrät. Natürlich ist der Evoque an der firmeneigenen Ladesäule gut gefüttert worden, der Akku ist randvoll.

Da immer im sogenannten EV-Mode (Electric Vehicle) gestartet wird, surrt der Allradler flüsternd vom Werksgelände. Kurz nach der Schranke ist Landstrassen-Tempo gefordert, 60 Meilen pro Stunde, also gut 100 km/h. Zuvor wird im Monitor die Hybrid-Einstellung aktiviert. Sie überlässt der Elektronik die Wahl der Antriebsart. Die Nadel des Drehzahlmessers schnellt nach oben, die drei Zylinder machen sich ans Werk. Aus der Innovation Hybrid wird wieder ein normales Auto.

Scheinbar zumindest, denn die erwähnte Anzeige wandert immer wieder in einen grünen Bereich. Er signalisiert, dass Energie, die beim Rollen, Bremsen oder Gaswegnehmen frei wird, zurück in die Batterie wandert. Erstaunlich nur, dass der Verbrenner dabei nicht wie bei anderen Hybriden seiner Art kurzzeitig stillgelegt wird, sondern auch beim Bergabfahren munter weiterläuft, wenn auch mit sichtbar geringeren Drehzahlen. Hierzu nutzt der Bordcomputer auch Navi- und GPS-Daten. Bei aktiviertem Abstandsradar geht er zum Beispiel vor Kreuzungen automatisch vom Gas.

Verbesserte Online-Anbindung

Schon beim ruhigen Gleiten im üblichen Verkehr, vor allem aber durch Zwischenspurts wie beim Überholen schwindet dennoch der Stromvorrat im Akku. Beim energischen Tritt aufs Gas arbeiten die beiden Antriebe nämlich zusammen. So kommt der Evoque auf seine üppige Gesamtleistung. Wenn auf dem Weg zum Ankunftsort die letzten Meilen elektrisch gefahren werden soll, kommt der dritte Modus ins Spiel. Er nennt sich «Save» (sichern) und sorgt dafür, dass die momentane Batterieladung sozusagen eingefroren wird. Sollte sie im Lauf der Tour sinken, kümmert sich der Verbrennungsmotor ums Nachladen.

Bei alledem behält der Evoque all die Vorzüge, die seine vielen Fans so schätzen. Kraftvoll, handlich, punktgenaue und sanfte 8-Gang-Automatik. Dazu gepflegter Innenraum mit britischer Noblesse und nochmals verbesserte Online-Anbindung. So können per Smartphone-App die Ladevorgänge mithilfe eines Timers gesteuert werden, zum Beispiel wenn nachts ein günstigerer Stromtarif für die heimische Steckdose genutzt werden kann. Ein leerer Akku ist dort übrigens nach weniger als sieben Stunden wieder voll. Mit einer Wallbox dauert es knapp eineinhalb Stunden auf 80 Prozent der Kapazität.

Insofern ist dieser Evoque ein ganz normales Hybrid-Auto, wird aber wie alle anderen Autos mit dieser Technik von heftiger Kritik nicht verschont bleiben. Denn ob der Brite wirklich seinen Umweltbeitrag leisten kann, hängt vom Fahrer ab. Lädt er in der Praxis seine Batterie wirklich wieder auf, ist er wirklich eher sanfter unterwegs, um möglichst oft elektrisch zu fahren? Oder freut er sich nur über die zusätzliche Kraftspritze aus dem E-Motor?

Für die CO2-Bilanz von Land Rover jedenfalls ist er ein Segen. Denn wegen der immer noch praxisfremden Testmethode schlagen nur gemessene 44 Gramm CO2 zu Buche. Und Ähnliches gilt für den Land Rover Discovery mit gleicher Technik.

2 Kommentare
    Meliert

    Es macht null Sinn ein solcher Hybrid, nur teuer, technisch aufwänding und unpraktisch. Entweder voll elektrisch oder Verbrenner.