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Frauen im MännersportStück für Stück weiblicher

Erst Fussball, dann Formel 1, jetzt gibt auch im Eishockey eine Frau den Ton an: Florence Schelling wird Sportchefin beim SC Bern. Und das ist gut so.

Erprobt darin, ein Hockey-Team zu führen: Die langjährige Nationalspielerin als Assistentin der Schweizer U-18-Juniorinnen.
Erprobt darin, ein Hockey-Team zu führen: Die langjährige Nationalspielerin als Assistentin der Schweizer U-18-Juniorinnen.
Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Hammer. Sensation. Genialer Schachzug. Die Reaktionen auf die Ernennung der früheren Eishockey-Nationalspielerin Florence Schelling als Sportchefin des SC Bern sind eine Eruption. Und: bezeichnend. Gerade im Sport bleiben Frauen rar in Führungspositionen, auch 2020, in sportlich zentralen Ämtern sowieso. Beim FC Basel hatte einst Gigi Oeri als Präsidentin gewirkt, beim HC Lugano tut das Vicky Mantegazza seit Jahren. Doch deren Einfluss ist genauso von Geld und Herkunft bestimmt wie der von Heliane Canepa beim FC Zürich – sie ist zwar eine erprobte Wirtschaftsführungskraft, aber auch die Gattin von Präsident Ancillo.

Dass künftig ausgerechnet der SC Bern, der mächtigste Verein des Schweizer Eishockeys, auf die sportliche Expertise einer Frau zählt, jung und unerfahren obendrein, zeigt, dass etwas passiert ist. Als neue Sportchefin des SCB wird Schelling zur Pionierin wie seinerzeit Fussball-Schiedsrichterin Nicole Petignat, und mit ihr nehmen der SC Bern und das als Macho-Sport stilisierte Eishockey eine Vorreiterrolle ein. Es erinnert an Peter Sauber, Patriarch des gleichnamigen Autorennstalls, der die Formel 1 mit der Ernennung von Monisha Kaltenborn als Teamchefin im Jahr 2012 ein Stück weiblicher machte.

2012: Visionärer Entscheid von Peter Sauber, Monisha Kaltenborn zur ersten Teamchefin der Formel 1 zu machen.
2012: Visionärer Entscheid von Peter Sauber, Monisha Kaltenborn zur ersten Teamchefin der Formel 1 zu machen.
Foto: Diego Azubel (EPA/Keystone)

«Wenn man sich für einen jungen Mann entscheidet, und der versagt, ist das nicht so schlimm – dann hat man vielleicht nur das Talent falsch beurteilt. Wenn das bei einer jungen Frau passiert, käme sofort das Argument: Es ist eben eine Frau», sagte die in Indien geborene und in Österreich promovierte Juristin einmal.

Nicht ausgeschlossen, dass wir dieses Argument noch zu hören bekommen. Nicht nur für den Schweizer Sport ist eine Frau als Sportchefin neu, die Position ist es auch für Schelling selbst – und die Fankurve kann so gnadenlos sein wie die männlich dominierten Sportjournalisten. «Sie ist die Richtige und wird einen neuen Blickwinkel einbringen und Strukturen aufbrechen», sagt SCB-Geschäftsführer Marc Lüthi unbeirrt. Seine Überzeugung und sein Mut sind ein starkes Zeichen.

3 Kommentare
    John Löws

    Hört doch mit diesem Genderblödsinn auf. Sie wurde jetzt für den Job ausgewählt und wird liefern müssen. Falls sie das nicht kann, wird ML nicht mit der Wimper zucken, und sie ruck zuck auszutauschen. Das Geschlecht spielt hier keine Rolle, nur die Leistung - dieser Grad ist im Sport sehr schmal.