Schwarz, schwul, Chef

Edward Enninful ist der neue Chefredaktor der britischen «Vogue».

Edward Enninfuls Markenzeichen: Mantel und Hornbrille. Foto: Timur Emek (Getty Images)

Edward Enninfuls Markenzeichen: Mantel und Hornbrille. Foto: Timur Emek (Getty Images)

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In der «Vogue»-Doku «The September Issue» kommt Edward Enninful ziemlich schlecht weg. Chefredaktorin Anna Wintour schimpft mit ihm in ihrem Büro. «Wo ist der Glamour?», sagt sie und klatscht seine Präsentation für eine Modestrecke auf ihr Pult. «Das ist die ‹Vogue›, okay?» Edward Enninful sitzt bedröppelt da.

Acht Jahre später ist der kleinlaute Mann aus dem Film einer der wichtigsten Menschen der Modebranche: Am 1. August wird der heute 45-Jährige die Chefredaktion der britischen «Vogue» übernehmen. Seine Vorgängerin Ale­xandra Shulman verlässt den Posten nach 25 Jahren. Enninful ist damit der erste schwarze und homosexuelle Mann an der Spitze des Modemagazins.

Enninfuls Karriere begann 1989 in der Londoner U-Bahn. Ein Moderedaktor des Magazins «i-D» sprach den 16-Jährigen im Dufflecoat und mit Klebstreifen geflickter Hornbrille für einen Modeljob an. Enninful, der eigentlich Jus studieren wollte, war sofort von der Modewelt fasziniert – und blieb: zwanzig Jahre bei «i-D». Später kümmerte er sich unter anderem um das Styling bei grossen Modeschauen und Luxuskampagnen von ­Labels wie Versace, Dolce & Gabbana, Gucci oder Dior.

Perfekte Bilder statt journalistische Visionen

Die Modestrecken, für die Enninful verantwortlich zeichnet, sind ausgesprochen glamourös. Er war ausserdem immer darum bemüht, schwarze Models für seine Luxusprojekte zu buchen – keine Selbstverständlichkeit in der von weissen Models dominierten Branche. Letztes Jahr bekam der in Ghana geborene und in einem Londoner Vorort aufgewachsene Enninful den Verdienst­orden «Officer of the British Empire» für seine Arbeit in der britischen Modeszene.

Anfangs Mai lud «Vogue»-Chefredaktorin Anna Wintour zur grossen Spendengala in New York und die Stars kamen:

Enninful ist zweifelsohne ein grosser Modeschaffender – und beliebt noch dazu: Er gilt als warmherzig und lustig. Aber taugt er als Chefredaktor des grossen Modemagazins? Journalistische ­Visionen, wie sie Alexandra Shulman ihrem Team lieferte, wird Enninful kaum bieten können. Er wird sich wohl auf das Optische konzentrieren: Vor allem Fotografen hoffen, dass Enninful, der stets auf Perfektion pocht, sich für die in den letzten Jahren und Sparrunden eingedämpften Modestrecken starkmacht.

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Erstellt: 08.05.2017, 00:32 Uhr

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