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Geldberater: Der Marktschrei(b)erSwatch Group ist der Start ins neue Jahr geglückt

Vaudoise ist spendabel +++ Medacta könnte es schaffen +++ Gebäudetechnikerin ­Poenina atmet durch +++ Riskante Wette auf Cassiopea.

Drive-Thru-Store von Swatch in Biel: In China, den USA, Russland und den Golfstaaten nimmt der Absatz mit teuren Uhren wieder zu.
Drive-Thru-Store von Swatch in Biel: In China, den USA, Russland und den Golfstaaten nimmt der Absatz mit teuren Uhren wieder zu.
Foto: Peter Klaunzer/Keystone

Swatch Group: Kaufen

Regelmässige Leser wissen: Ich habe schon vor Monaten Aktien von Swatch Group zum Kauf empfohlen. Seither haben sie gegen 50 Prozent zugelegt. Noch ist es nicht zu spät, um aufzuspringen. Der Start ins neue Jahr ist geglückt. Nicht nur im Hauptmarkt China nimmt der Absatz mit den teuren Zeitmessern zu, auch in anderen Ländern wie den USA, Russland oder den Golfstaaten. Das stimmt mich zuversichtlich, dass Swatch Group nach dem fast historischen Einbruch 2020 dieses Jahr auf die Erfolgsspur zurückfindet. Dass beim Aktienkurs noch etwas drin liegt, zeigt auch die Tatsache, dass unlängst verschiedene Investmentbanken die Titel auf «Kaufen» hochgestuft haben. Analysten sind bei Trends manchmal nicht die schnellsten, doch allein schon aus bewertungstechnischer Sicht ist der Konzern nicht teuer. Den einzigen Risikofaktor, den Anleger beachten müssen, ist die dritte Corona-Welle. Sollte es wieder zu längeren Geschäftsschliessungen kommen, ­träfe das auch Swatch. Allerdings schätze ich diese Wahrscheinlichkeit als klein ein. Kaufen

Vaudoise: Halten

Der Versicherer Vaudoise ist spendabel. Jährlich geht rund ein Drittel des Gewinns als Rabatt an wechselnde Teile der Kundschaft. Die Hauptaktionärin Mutu­elle Vau­doise will es so. Auch die Publi­kums­aktionäre erhalten, bezogen auf ihren Anteil am Kapital, ein Drittel des Gewinns ausbezahlt. Die Dividende steigt von 15 auf 16 Franken – das entspricht 3,3 Prozent der Rendite –, obschon der Jahresüberschuss 8 Prozent geschrumpft ist. Das passt, die Kapitalpuffer sind gut gefüllt. Wegen der Pandemie zahlte Vaudoise 2020 den Kunden nicht budge­tierte Leistungen und kam Gewerbemietern in ihren Immobilien finanziell entgegen. Für 2021 erwartet das Management eine Steigerung der Einnahmen um 2,5 Prozent. Doch die Pandemie könnte auch dieses Jahr das Resultat belasten. Kommt hinzu, dass sich Vaudoise stark bei Autoversicherungen engagiert, wo der Preisdruck intensiv ist – die Konkurrenz durch Online-Versicherer steigt. Die Aktien haben ­wegen der Struktur des Versicherers ein besonderes Profil. Ihr Handelsvolumen ist oft gering, deshalb ist eine Portion Vorsicht angebracht. Halten

Medacta: Halten

Gut möglich, dass Ihnen der Name Medacta nicht geläufig ist. Das Tessiner Orthopädieunternehmen ist erst seit zwei Jahren an der Börse, seine Aktien werden nicht oft gehandelt. Mit einem Umsatz von ca. 333 Millionen Franken bringt Medacta aber immerhin 2 Milliarden auf die Börsenwaage. Sie stellt künstliche Gelenke her, ein lukratives Geschäft. Normalerweise wächst Medacta 10 bis 15 Prozent pro Jahr und erwirtschaftet einen Betriebsgewinn auf Stufe Ebitda von 30 Prozent des Umsatzes. Auch im Corona-Jahr kam das Familienunternehmen gut über die Runden. Zwar sank der Umsatz zum ersten Mal seit der Gründung, doch hielt sich das Minus von 2,5 Prozent im Rahmen. Auch die operative ­Marge ging nur wenig zurück. Zum zweiten Mal in Folge verzichtet Me­dacta allerdings darauf, eine Dividende auszuschütten. Die Prognose für 2021 ist vage, doch könnte es dem Unternehmen gelingen, in gewohnter Weise zu wachsen. Die gute Leistungsbilanz hat ihren Preis: Medacta-Papiere sind teuer. Halten

Poenina: Halten

Die Gebäudetechnikerin Poenina setzt auf Akquisitionen. Der reibungslose Zusammenschluss mit der halb so grossen Caleira-Gruppe im vergangenen Sommer war die zweite grosse Transaktion seit dem IPO vor dreieinhalb Jahren. Für 2020 resultiert daraus ein ­Umsatzplus von 19 Prozent auf 302 Millionen Franken. Der Betriebsgewinn ist wegen den Fusionskosten und der Pandemie leicht auf 15 Millionen Franken zurückgegangen. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, das Management gibt sich für 2021 zuversichtlich. Impulse sind von der Energiewende und vom Wunsch nach einem gesunden Raumklima dank moderner Lüftungstechnik zu erwarten. Die Aktionäre werden mit einer zu 2019 unveränderten Ausschüttung von 2 Franken je Aktie bedacht. Die Titel haben sich vom Einbruch nach dem Lockdown erholt und liegen über dem Niveau von Anfang 2020, sind aber vom Allzeithoch noch weit entfernt. Ein Einstieg drängt sich für mich nicht auf, doch wenn ich von Anfang an dabei gewesen wäre, würde ich weiter dabeibleiben. Halten

Cassiopea: Kaufen

Beim Dermatologieunternehmen Cassiopea dürfte bald etwas gehen. Gemäss jüngsten Aussagen von Konzernchefin Diana Harbort und des Chefs von Cosmo, Alessandro Della Chà, kann es entweder zu einem Verkauf des Unternehmens kommen, zu einer Fusion, oder Cassiopea wird selbst zukaufen. Mit dem Aknemittel Winlevi, das im Sommer in den USA zugelassen wurde, hätte Cassiopea mindestens zwei Produkte. Da Cosmo für sich selbst keine Verkaufsorganisation mehr will, nehme ich an, dass das Unternehmen diese der ehemaligen Dermatologiesparte Cassiopea, an der Cosmo noch 46,6 Prozent der Aktien hält, auch nicht zumuten wird. Zudem hat sich der Cosmo-Chef als Fan eines weiteren Cassiopea-Projekts erwiesen, eines Mittels gegen Haarausfall – ein Markt mit noch grösserem Potenzial als Akne. Ein Deal wäre für Cosmo kein Neuland; in den vergangenen Monaten wurden ­bereits mehrere abgeschlossen, bei denen Cosmo Produkte an andere Firmen abgab und sich dafür an diesen beteiligte. Im Fall von Cassiopea müsste ein Interessent geschätzt mindestens 67 Franken pro Aktie zahlen. Das entspricht einem Aufpreis von mehr als 50 Prozent auf den aktuellen Kurs. Leicht verdientes Geld, auch wenn es keinerlei Garantie gibt, dass die Wette aufgeht. Kaufen

Diese Kolumne wird von den Redaktorinnen und Redaktoren der «Finanz und Wirtschaft» verfasst. Sie haben sich verpflichtet, nicht in den entsprechenden Titeln aktiv zu sein. Wer die Tipps dieser Kolumne umsetzt, tut das auf eigenes Risiko. Die SonntagsZeitung übernimmt keine Verantwortung.