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Wegen PannenserieSwisscom-Spitze muss vor Nationalratskommission antraben

Nach der vierten Panne in fünf Monaten gerät die Swisscom unter politischen Druck. Die Chefs des Telekomanbieters müssen nun vor der zuständigen Kommission Rede und Antwort stehen.

Sein Team muss Rede und Antwort stehen: Urs Schaeppi, CEO der Swisscom, am WEF in Davos im Januar 2020.
Sein Team muss Rede und Antwort stehen: Urs Schaeppi, CEO der Swisscom, am WEF in Davos im Januar 2020.
Keystone/Alessandro della Valle

Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) will die Pannenserie der Swisscom untersuchen. Auch die zuständige Nationalratskommission zitiert nun die Spitze des Telekomanbieters. Die Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen (KVF) des Nationalrates habe am Dienstag entschieden, dass sie in der nächsten Sitzung Ende Juni die Swisscom-Spitze zu einer Anhörung einlade, sagte Nationalrat Jon Pult (SP/GR), Kommissionsvizepräsident in der Sendung «Heute Morgen» von Radio SRF.

«Wir erwarten, dass die Swisscom da auch Rede und Antwort steht und auch Transparenz schafft über die Ursachen dieser Pannenserie.» Bei den früheren Pannen Anfang dieses Jahres sei von verschiedenen Ursachen die Rede gewesen: Einmal von einem Hardware-Fehler, einmal von menschlichem Versagen; bezüglich des Ausfalls vom Dienstag wisse man nichts.

Bis Ende Juni müsse klar sein, ob es einen Zusammenhang gebe, und ob innerhalb der Swisscom strukturelle Probleme bestünden, sagte Pult. «Muss man etwas ändern, damit wir einfach ein stabileres, sichereres Netz haben, das auch ganz wichtig ist für die Sicherheit und auch die Wirtschaft und die Gesellschaft in diesem Land?» Die KVF erwarte, dass die Konzernspitze auch einen Weg in eine bessere Zukunft ohne solche Pannen und solche Netzausfälle aufzeige.

Die Swisscom soll der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen des Naionarates Red und Anwort stehen, wie Vizekommissionspräsident Jon Pult ankündigte.
Die Swisscom soll der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen des Naionarates Red und Anwort stehen, wie Vizekommissionspräsident Jon Pult ankündigte.
Foto: Geatan Bally/Keystone

Viel Vertrauen verspielt

Es handle sich um eine Sache, in der Verzögerungen nicht mehr angezeigt seien. «Die Swisscom hat in den letzten Monaten sehr viel Vertrauen verspielt, betonte der SP-Nationalrat. Es müsse funktionieren, dass Swisscom zusammen mit dem Bund und mit der Politik dafür sorge, dass die Schweizerinnen und Schweizer das Vertrauen in das Telefonienetz haben könnten.

Der Bund hält mit 51 Prozent die Mehrheit an der Swisscom. Am Dienstag kam es bei dem Telecomanbieter bereits zur vierten grossen Panne in diesem Jahr. Das Swisscomnetz während Stunden beeinträchtigt. Gespräche über Mobilnetz für Geschäfts- und Privatkunden waren nicht möglich. Auch Anrufe vom Mobile- wie auch vom Festnetz auf Business Nummern (08xx) und auch auf «Corporate»-Nummern (058) waren teilweise nicht möglich. Die App «Alert Swiss» des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz hatte ausserdem für einige Kantone gemeldet, dass die Notrufnummern nicht mehr über das Handy erreichbar gewesen seien.

SDA

32 Kommentare
    Emil Palli

    Auch wenn die Politik hier einsteigt und ein bisschen rumpoltert, wird sich am Ende gar nichts ändern. Die Swisscom hat noch genug Politiker unter Vertrag, die ihre Lobbyarbeit wunderbar erledigen werden. Auch funktioniert der Filz von McKinsey als Beratungsunternehmen bei Swisscom wunderbar. Denn am Ende zählt nur eines, der Gewinn, ob dabei Leute sterben, weil die Nofallnummern nicht funktionieren, ist doch den Profiteuren schlicht egal. Es muss sich an der Grundeinstellung und der Verantwortung was ändern. Aber das würde heissen, dass man den ganzen Kopf bei der Swisscom austauschen müsste und das getraut sich niemand zu machen. Also bleibt den Kunden nur übrig mit der Geldbörse abzustimmen und das dauert, wenns denn überhaupt geschieht.