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Kommentar zum Machtkampf in VenezuelaTrifft sich Trump mit einem steckbrieflich gesuchten Verbrecher?

Ein Gipfelgespräch mit dem venezolanischen Herrscher Nicolás Maduro sei durchaus denkbar, sagte der US-Präsident. Und ruderte eilig zurück. Doch der Schaden ist angerichtet.

Nicolás Maduro bei einer Pressekonferenz im Präsidentenpalast Miraflores in Caracas am 12. März 2020.
Nicolás Maduro bei einer Pressekonferenz im Präsidentenpalast Miraflores in Caracas am 12. März 2020.
Foto: Manaure Quintero (Reuters)

Juan Guaidó, der von der Verfassung legitimierte Präsident Venezuelas, hat es nicht leicht. Die Massenproteste gegen den sozialistischen Diktator Nicolás Maduro sind abgeebbt, und die Versuche der Opposition, Teile der Armee zum Überlaufen zu bewegen, sind gescheitert. Und nun hat Guaidó auch noch von seinem international bedeutendsten Fürsprecher einen Rückenschuss erhalten.

In einem Interview mit dem US-Medienportal Axios sagte Donald Trump, er sei durchaus bereit, sich mit Maduro zu treffen. Zu Recht anerkennt die amerikanische Regierung, genau wie jene von rund 60 anderen Ländern, Maduro nicht mehr als legitimes Staatsoberhaupt. Mehr noch, die US-Justiz bezichtigt den Herrscher in Caracas des Drogenhandels, der Geldwäsche und des Terrorismus und hat für seine Ergreifung eine Belohnung von 15 Millionen Dollar ausgesetzt.

Die Exil-Venezolaner freut das nicht

Selbst für einen politischen Kapriolenkünstler wie Trump wäre ein Treffen mit einem steckbrieflich gesuchten Verbrecher eine bizarre Angelegenheit. Es würde seine bisherige Politik gegenüber dem südamerikanischen Land auf den Kopf stellen und könnte im Hinblick auf die Wahlen beträchtlichen Schaden anrichten, weil die einflussreichen, vor allem in Florida ansässigen antisozialistischen Exilgemeinden aus Venezuela und Kuba keine Freude daran hätten.

Wohl deshalb hat Trump später auf Twitter nachgeschoben, ein Treffen mit Maduro würde lediglich dazu dienen, um über dessen Abgang zu verhandeln. Aber da war der Schaden schon angerichtet.

Ob es stimmt, dass Trump seinen venezolanischen Gast Juan Guaidó – hier im Februar 2020 im Weissen Haus – heimlich verachtet?
Ob es stimmt, dass Trump seinen venezolanischen Gast Juan Guaidó – hier im Februar 2020 im Weissen Haus – heimlich verachtet?
Foto: Kevin Lamarque (Reuters)

Hinzu kommt, dass sich Trump laut seinem früheren Sicherheitsberater John Bolton mehrmals abfällig über Guaidó geäussert hat. Maduro hingegen bewundere er für dessen Härte. Noch dieses Jahr sollen in Venezuela Parlamentswahlen stattfinden. Dann wird Maduro versuchen, die letzte demokratisch legitimierte Institution seinem autoritären System einzuverleiben. Der Wankelmut des US-Präsidenten dürfte ihn in seiner Absicht bestätigen.