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Corona-Infektionen USADie Pandemie ist im republikanischen Amerika angekommen

Die Corona-Zahlen in den USA steigen rasant. In vielen Bundesstaaten wurde die Bedrohung nicht genug ernst genommen – nun müssen sie Lockerungen zurücknehmen.

Die Bars in Texas müssen wieder schliessen, so auch Big Daddy Zane. Eigentümerin Gabrielle Ellison wehrte sich schon im Mai gegen die erste Schliessung und wurde verhaftet, nachdem sie ihr Lokal gegen die Vorschriften öffnete – zusammen mit sechs bewaffneten Männern.
Die Bars in Texas müssen wieder schliessen, so auch Big Daddy Zane. Eigentümerin Gabrielle Ellison wehrte sich schon im Mai gegen die erste Schliessung und wurde verhaftet, nachdem sie ihr Lokal gegen die Vorschriften öffnete – zusammen mit sechs bewaffneten Männern.
KEYSTONE

In den USA steigt die Zahl neuer Infektionen mit dem Coronavirus so stark an, dass einige Bundesstaaten bereits gelockerte Beschränkungen für Unternehmen wieder verhängt haben. In Texas und Arizona, wo die Ansteckungszahlen exponentiell wachsen, wurden Bars wieder geschlossen. In anderen Staaten verfügten die Gouverneure eine Pause bei der Wiederöffnung der Wirtschaft. In einigen Staaten im Nordosten, wo die Fallzahlen zuletzt sanken, müssen Besucher aus stärker betroffenen Gegenden sich nun nach ihrer Ankunft in Quarantäne begeben.

Nach Daten der «New York Times» haben die neuen Corona-Fälle im Land in den vergangenen zwei Wochen um 65 Prozent zugenommen. Derzeit werden täglich mehr als 40’000 neue Infektionen bestätigt – mehr als während des ersten Höhepunkts der Pandemie in den USA im April. Dieser Anstieg lässt sich nur durch neue Infektionen, nicht durch eine Ausweitung der Tests erklären. Die Zahl der Todesfälle hat in den vergangenen Wochen allerdings um 23 Prozent abgenommen. In den USA sterben derzeit zwischen 600 und 650 Menschen pro Tag an dem Virus. Gesundheitsexperten warnen jedoch davor, dass die Todesfälle den bestätigten Infektionen um etwa zwei Wochen nachhinken.

Die Angst in den Südstaaten

Die Fälle steigen derzeit in den Bundesstaaten, die im Frühjahr vergleichsweise glimpflich davongekommen waren. Damals war die Lage im Nordosten dramatisch, vor allem in New York. Republikanische Politiker beruhigten ihre Wähler damals mit der Behauptung, das Virus sei vor allem ein Problem für dicht besiedelte, urbane – und demokratisch regierte – Regionen.

Jetzt jedoch fürchten grosse republikanisch beherrschte Südstaaten wie Florida, Texas, Arizona, Mississippi oder South Carolina, dass ihre Spitäler dem Ansturm von Patienten nicht gewachsen sein könnten. Die Liste der Landkreise, in denen die Infektionen relativ zur Einwohnerzahl gesehen am schnellsten steigen, wird von ländlichen Countys in Louisiana, Missouri, Georgia und Arkansas angeführt. Mit einigen Monaten Verzögerung ist die Corona-Pandemie damit im republikanischen Amerika angekommen.

Weigert sich, in der Öffentlichkeit eine Maske zu tragen: US-Präsident Donald Trump.
Weigert sich, in der Öffentlichkeit eine Maske zu tragen: US-Präsident Donald Trump.
Foto: Carlos Barria (Reuters)

Die plausibelsten Erklärungen für den Anstieg sind zum einen die Massenproteste gegen Polizeigewalt und Rassismus, bei denen in den vergangenen Wochen im ganzen Land Zehntausende Menschen auf engem Raum beieinander waren. Allerdings fanden diese Proteste im Freien statt, wo das Übertragungsrisiko nach derzeitigen Erkenntnissen geringer ist. Das könnte der Grund dafür sein, dass Orte wie zum Beispiel die Hauptstadt Washington, in denen grosse Demonstrationen stattgefunden haben, derzeit keinen dramatischen Anstieg verzeichnen.

In vielen Staaten im Süden wurde die Bedrohung durch das Virus nicht so ernst genommen wie im Nordosten.

Eine zweite offensichtliche Erklärung für die vielen Neuinfektionen ist, dass die betroffenen Gegenden ihre Wirtschaft zu früh und zu nachlässig wieder geöffnet haben. In vielen Staaten im Süden wurde die Bedrohung durch das Virus aus politischen Gründen längst nicht so ernst genommen wie im Nordosten.

In dem Moment, in dem sich die Lage in New York entspannte, öffneten dort Restaurants, Bars, Nagelsalons, Friseure und Kinos wieder – Orte, an denen sich Menschen treffen und engen Kontakt haben. Vor allem gibt es in den meisten der nun von Neuinfektionen betroffenen Staaten keine strikte Pflicht, in der Öffentlichkeit oder in Geschäften immer eine Schutzmaske zu tragen.

Am Ende seiner Kräfte: Ein Mediziner auf einer Parkbank in Manhattan.
Am Ende seiner Kräfte: Ein Mediziner auf einer Parkbank in Manhattan.
Foto: Carlo Allegri (Reuters)

Gegen den Maskenzwang

Das wiederum hat mit einem Phänomen zu tun, das es im Westen wohl nur in den politisch so gespaltenen USA gibt: Das Tragen eines Mundschutzes kommt hier einem politischen Bekenntnis gleich. Linke Amerikaner sind deutlich eher bereit, sich zum Schutz ihrer selbst und ihrer Mitbürger Masken umzubinden, als konservative.

Diese Spaltung wird von Präsident Donald Trump befördert, der sich – anders als der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden – konsequent weigert, in der Öffentlichkeit eine Maske zu tragen. Das ist einerseits Eitelkeit, andererseits aber auch ein Signal an seine rechten Kernwähler, die den Maskenzwang und alle anderen Corona-Beschränkungen für einen Angriff auf ihre persönliche Freiheit halten.

Von Trump sind daher keine nennenswerten Initiativen zu erwarten, um die derzeitige Corona-Welle einzudämmen. Der Präsident ignoriert die steigenden Fallzahlen weitgehend und überlässt es den Bundesstaaten, damit fertigzuwerden. Für Trump und seinen Wahlkampf ist wichtiger, dass der Aktienmarkt sich erholt und die Wirtschaft funktioniert.