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Ehemaliger Corona-LeugnerTansanias Präsident John Magufuli ist tot

Der Staatschef sei an Herzversagen gestorben, teilen offizielle Quellen mit. Der 61-Jährige hatte lang die Existenz von Covid-19 in seinem ostafrikanischen Land dementiert.

John Magufuli gewann die umstrittenen Wahlen im vergangenen November.
John Magufuli gewann die umstrittenen Wahlen im vergangenen November.
Foto: Anthony Siame (Keystone/21. November 2020)

Tansanias Präsident John Magufuli ist tot. Der Staatschef sei am Mittwoch im Alter von 61 Jahren in einem Krankenhaus in Daressalam an Herzversagen gestorben, teilte Vizepräsidentin Samia Suluhu Hassan mit.

Zuvor hatte seine längere Abwesenheit in der Öffentlichkeit Spekulationen über eine Covid-19-Erkrankung befeuert. Der seit 2015 amtierende Staatschef hatte lange die Existenz von Covid-19 in dem ostafrikanischen Land dementiert und die Gefahr durch das Coronavirus heruntergespielt. Neuinfektionszahlen veröffentlichte die frühere deutsche Kolonie mit ihren rund 58 Millionen Einwohnern schon seit Mai 2020 nicht mehr.

Der Präsident litt laut Hassan unter einer chronischen Herzrhythmusstörung. Diese sei bereits vor mehr als zehn Jahren diagnostiziert worden. Magufuli sei deswegen jüngst in ein Krankenhaus eingeliefert, entlassen und nach einer Verschlechterung seines Zustands am Sonntag erneut eingeliefert worden, sagte sie. Hassan verkündete eine 14-tägige Trauerzeit. Per Verfassung übernimmt nun die Vizepräsidentin das höchste Amt im Land bis zur nächsten Wahl 2025. Erst im vergangenen Jahr hatte Magufuli eine umstrittene Präsidentenwahl gewonnen.

Kritik an Magufulis Umgang mit der Pandemie

Magufulis Umgang mit der Corona-Pandemie hatte in seiner Heimat sowie international für Kritik und Sorge gesorgt. Er stellte die Glaubwürdigkeit von Corona-Tests infrage und empfahl Gebete und Dampfbäder. Magufuli – wegen seines kompromisslosen Führungsstils mitunter auch «Bulldozer» genannt – forderte das Gesundheitsministerium zur Vorsicht mit den im Ausland entwickelten Impfstoffen auf und stellte infrage, wie sie so schnell hätten entwickelt werden können. Anders als in vielen anderen afrikanischen Ländern, wo sich im Vorjahr per Flugzeug einreisende ausländische Urlauber erst in eine mehrtägige Quarantäne begeben mussten, öffnete er das ostafrikanische Land für den Tourismus. (Lesen Sie dazu: Er will mit Staatsgebeten und Ingwer das Coronavirus vertreiben).

Der im Exil lebende Oppositionspolitiker Tundu Lissu hatte jüngst über Twitter Spekulationen über eine Erkrankung Magufulis an Covid-19 befeuert. «Mit seiner zerstört am Boden liegenden Covid-Leugnerei hat sich seine Gebete-statt-Wissenschaft-Verrücktheit als tödlicher Bumerang erwiesen», schrieb er. Nach seinen Informationen war Magufuli schwer krank zunächst zur Behandlung in ein Krankenhaus der kenianischen Hauptstadt Nairobi und danach nach Indien gebracht worden. Ministerpräsident Kassim Majaliwa aber wies Spekulationen um eine Covid-19-Erkrankung zurück und sagte, der Präsident arbeite weiter an Plänen für die Entwicklung des Landes.

Magufuli polarisierte in dem ostafrikanischen Land. Von Befürwortern wurde er unter anderem wegen seines starken und kompromisslosen Führungsstils, grosser Infrastruktur-Projekte und Versprechen der Korruptionsbekämpfung unterstützt. Kritiker aber verurteilten seine zunehmenden Beschränkungen von Presse- und Meinungsfreiheit sowie seinen Umgang mit der Corona-Pandemie. Die Menschenrechtsbilanz in Tansania sei unter Magufuli stetig schlechter geworden, urteilte etwa die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW).

USA kondolieren

«Dies ist ein beispielloser Moment für die Vereinigte Republik Tansania und einer, der uns alle zweifellos auf sehr persönliche Art und Weise bewegen wird», teilte Oppositionsführer Zitto Kabwe nach dem Tod Magufulis mit. Man werde den Präsidenten für seinen Beitrag zur Entwicklung Tansanias in Erinnerung behalten.

Das US-Regierung drückte den Menschen in Tansania ihr Beileid aus. Der Sprecher des Aussenministeriums, Ned Price, erklärte, die USA würden die Menschen in Tansania weiter unterstützen, um sich für den Respekt der Menschenrechte, Grundfreiheiten und die Bekämpfung der Pandemie einzusetzen. «Wir hoffen, dass Tansania sich weiter auf dem Weg der Demokratie und des Wohlstandes bewegt», erklärte er. Grossbritanniens Premierminister Boris Johnson twitterte nach dem Tod Magufulis, «meine Gedanken sind bei seinen geliebten Menschen sowie den Bürgern Tansanias».

Magufuli wurde am 29. Oktober 1959 im westlichen Chato-Distrikt geboren und wurde zunächst Lehrer, bevor er an der Universität von Daressalam als Chemiker promovierte und dann in die Politik ging.

SDA/fal

19 Kommentare
    Joah

    Ich frage mich, ob die meisten Kommentarschreiber selbst schon mal in Ostafrika waren. Diese Länder sind zu einem grossen Teil auf Tourismus angewiesen. Was nützt es einem Land, einen Lockdown zu verhängen, um wenige potentiell gefährdete Personen zu schützen, wenn der Grossteil der Bevölkerung dann verhungert? Viele Menschen leben dort von der Hand im Mund. Wenn der Job weg ist, dann gibt es auch kein Geld mehr, um sich den Mais oder Reis für die nächste Woche zu kaufen.

    Das Leben findet draussen statt, so wie wir uns im letzten Sommer auch noch ohne Masken treffen durften.

    Heimkehrende in die Schweiz müssen einen negativen PCR Test vorweisen. Wo liegt da die Gefahr für die Daheimgebliebenen?

    Ich erachte die Entscheidung, Tansania nicht in einen Lockdown zu versetzen, als einzige richtige Entscheidung für das Land.

    Übrigens zur Altersstruktur in Tansania: Die Lebenserwartung für Männer liegt zwar bei ca. 63 Jahren, aber nur 3.5% der Bevölkerung werden über 55 Jahre und 3% werden über 65 Jahre. Somit hat der Präsident mit seinem Herzproblem, welches schon seit rund 10 Jahren bekannt ist, ein stattliches Alter erreicht. Warum will man nun unbedingt nicht glauben, dass er auch daran gestorben sein könnte?

    Wie schon erwähnt, erreichen die meisten Menschen in Tansania kein hohes Alter. Krankheiten wie Malaria, Schlafkrankheit, Dengue Fieber, etc., welche von Insekten übertragen werden, sind für die Bevölkerung eine grössere Gefahr, als Corona.

    Afrika ist nun mal nicht Europa!