Bilder: Feuer und Smog in Russland

Die Feuerwalze in Russland wütet weiter. In Moskau liegt bei 40 Grad dichter Smog über den Strassen. Ein Betroffener berichtet gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet von der heissesten Nacht seines Lebens.

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Herr Mindiyarov, die Dächer der Hochhäuser sind in Moskau wegen dem Rauch angeblich kaum mehr zu sehen. Wie ist die Lage vor Ort?
Diese Nacht war besonders schlimm. Ich kann mich nicht daran erinnern, schon einmal so viel Rauch in Moskau gesehen zu haben. Man kann kaum 20 Meter sehen. Es erinnert mich an die alten Fotos des London-Smogs. Oder an die Gemälde des Napoleon-Krieges von 1812 als Moskau brannte.

Wie gehen die Hauptstädter mit der Notsituation um?
Die Leute sind schockiert über die dramatische Zuspitzung über Nacht. Aber die Russen bleiben trotzdem ruhig. Das Leben geht weiter. Alle gehen am Morgen zur Arbeit und die Stadt funktioniert ganz gut. Ich bin stolz auf die Russen und auf Moskau, da die Stadt ganz normal weiterlebt. Ich kann mir in Bern eine solche Situation nicht vorstellen. Natürlich sind die Strassen leer und die Fenster geschlossen. Aber die Cafés und Clubs sind weiter offen – und es wird getanzt. Nur die Metro zu benützen ist schwierig, da die alten Züge keine Klimaanlage haben.

Die Prognose für Moskau deutet auf weiter steigende Temperaturen bis 40 Grad Celsius hin. Im ganzen Land sind bisher 50 Menschen gestorben. Haben Sie Angst, dass die Entwicklung noch schlimmer wird?
Nein, ich habe keine Angst. Wir warten einfach auf Regen. Die russische Kirche betet täglich, damit es doch regnen möge. Hoffentlich erhört Gott das arme Russland.

Haben Sie schon einmal eine solche Hitzewelle erlebt?
Nein, es ist das erste Mal. Moskau ist wie Rio aber leider ohne Meer. Es sind nun schon sechs Wochen ohne Regen bei 35 bis 40 Grad.

Viele Hauptstädter klagen über schwere allergische Beschwerden, Atemnot, Übelkeit und Kopfschmerzen. Wie geht es Ihnen?
Ich bin einfach müde und habe Schwierigkeiten zu atmen. Ich vermisse die gute Luft vom Emmental. Vielleicht kann man eine Pipeline mit frischer Luft von Hasle-Rüegsau nach Moskau organisieren?

Gibt es irgendwelche Tricks, wie sie sich gegen die Hitze und den Smog schützen?
Ich trage eine Atemmaske und meine Fenster sind geschlossen. Auch habe ich gehört, dass viele Leute die Bettwäsche befeuchten und am Fenster wie Vorhänge montieren. Ich mache das nicht, da ich nur einen Bettanzug habe. Ich nehme jede Stunde eine Dusche. Ich arbeite aber trotzdem weiter in dem Hostel. Die Leute arbeiten überall. Für mich ist das überraschend, da sich die Stadt in einer Notsituation befindet.

Wie Verhalten sich die Behörden? Werden Sie ausreichend informiert und geschützt?
In Moskau selber unternehmen die Behörden nichts. Sie sind voll und ganz mit dem Kampf in den Regionen rund um die Hauptstadt beschäftigt. Die Bevölkerung in der Stadt muss sich selbst schützen. Aber wir sind uns das gewohnt.

Mitarbeit: Ekaterina Bötschi (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.08.2010, 16:36 Uhr

Zur Person

Marat Mindiyarov ist 35 Jahre alt und hat von 2006 bis 2010 in der Schweiz im Kanton Bern gewohnt. Heute arbeitet er in Moskau in einem Hostel und als Touristen-Guide. Sein Traum ist es, ein Buch über die Schweiz zu schreiben.

Kommt ganz schön ins Schwitzen: Marat Mindiyarov.

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