Bildstrecke: Der Fall Knox

Heute wird über das Schicksal der US-Studentin und mutmasslichen Mörderin Amanda Knox entschieden. Am Morgen wurden die Schlussplädoyers gehalten. Das Urteil wird nicht vor 20 Uhr erwartet.

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Über 400 Journalisten aus aller Welt haben sich heute für den Berufungsprozess gegen die in Italien wegen Mordes verurteilte US-Studentin Amanda Knox akkreditiert und sich vor dem Gerichtsgebäude in der Piazza Matteotti in Perugia stationiert. Heute Abend wird das lang erwartete Urteil fallen. Am Morgen wurden die Abschluss-Plädoyers der Verteidigung und der beiden Angeklagten gehalten.

Um 9:45 hat Amanda Knoxs Anwalt Luciano Ghirga sein äusserst emotionales Plädoyer eröffnet und noch einmal auf die zahlreichen Fehler in der Ermittlung hingewiesen. Richtig laut wurde er, als er mit den Medien ins Gericht ging. Man habe ein völlig verzerrtes Bild von Amanda verbreitet. Immer wieder seien frei erfundene Versionen des Tathergangs aufgetaucht. Es wurde über Amandas Sexleben gemutmasst und über das Verhalten des Paares geurteilt. Nach Ghirgas donnernder, fast halbstündiger Rede ergriff der Angeklagte Raffaele Sollecito das Wort.

Seit über 1400 Tagen im Gefängnis

«Jeder einzelne im Gefängnis verbrachte Tag ist wie ein kleiner Tod», sagt Sollecito. Der junge Mann wirkt ruhig, gefasst. Er versucht zu erklären, was es bedeutet, während Jahren unschuldig eingesperrt zu sein. In seiner Rede verteidigt er auch Amanda Knox: «Sie ist unschuldig.» Es seien so viele Unwahrheiten verbreitet worden, sagt Raffaele Sollecito. «Ich und Amanda sind seit über 1400 Tagen im Gefängnis, jeder gefangen in einer kleinen Zelle.» Niemand könne sich vorstellen, was Amanda und er und auch ihre Familien in den letzten Jahren durchgemacht hätten. «Am Anfang dachte ich, es hätte sicher schnell ein Ende. Aber so war es nicht. Darum bin ich hier, um noch einmal zu unterstreichen, dass ich unschuldig bin.»

Raffaele Sollecito erzählt von seiner ersten Begegnung mit Amanda Knox und von ihrem ersten gemeinsam verbrachten Wochenende. Sollecito zeigt ein goldenes Armband, das er trägt. «Free Raffaele und Amanda» steht darauf. Er habe es die ganze Zeit nie ausgezogen. Doch jetzt sei der Moment gekommen, dieses Armband abzulegen. Denn jetzt sei der Moment gekommen, in dem Gerechtigkeit für sie beide eintreffen solle. Sollecito bedankt sich, Amanda Knox ergreift das Wort. Beim Eintreffen im Gerichtsgebäude machte die 24-jährige Knox einen angespannten Eindruck. Es wurde erwartet, dass sie sich vor dem Urteil in einer letzten Rede an das Gericht wenden und ihre Unschuld erneut beteuern wird.

Amanda Knoxs Stimme bricht

«Entschuldigen Sie, ich bin nervös», beginnt Amanda Knox ihre Rede. «Wäre ich an dem Abend zu Hause gewesen, wäre auch ich vielleicht tot.» Aber sie sei nicht dort gewesen, sondern bei Raffaele. «Ich habe nie getan, was behauptet wird. Nie.» Amanda Knoxs Stimme bricht. Unter Tränen sagt sie: «Meredith und ich waren Freundinnen. Sie war immer nett zu mir, sorgte sich um mich.» Dies sei in der ganzen Zeit vergessen worden. Sie sei nicht nur zur Mörderin verurteilt worden, sondern habe auch den Tod einer Freundin verkraften müssen.

«Meredith ist ermordet worden und ich habe mich immer für Gerechtigkeit eingesetzt. Ich insistiere auf meine Unschuld. Es ist die Wahrheit. Ich will zurück nach Hause. Ich will zurück in mein Leben.» Es sei nicht richtig, dass man sie und Raffaele für ein Verbrechen verantwortlich mache, das sie nicht begangen haben. «Ich bin unschuldig. Raffaele ist unschuldig – wir wollen nur Gerechtigkeit.» Amanda bedankt sich beim Gericht und schliesst ihre Rede.

Der Richter Claudio Pratillo Hellman zieht sich zusammen mit den Geschworenen zurück. Das Urteil wird nicht vor 20 Uhr erwartet.

Durchgeschnittene Kehle

Knox war im Dezember 2009 wegen der Ermordung ihrer britischen Mitbewohnerin Meredith Kercher in erster Instanz zu 26 Jahren Haft verurteilt worden. Während die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft für die 24-Jährige fordert, plädiert die Verteidigung auf Freispruch.

Kercher war im November 2007 mit durchschnittener Kehle in ihrem Zuhause in der Universitätsstadt Perugia gefunden worden. In dem Berufungsverfahren geht es auch um Knox' Ex-Freund, den wegen Mittäterschaft zu 25 Jahren Haft verurteilten Raffaele Sollecito. Der Ivorer Rudy Guédé sitzt wegen Mittäterschaft eine 16-jährige Haftstrafe ab.

Erstellt: 03.10.2011, 19:19 Uhr

Schuldig oder nicht? Heute Abend fällt das Urteil im Prozess gegen die Amerikaniern Amanda Knox. (Video: Reuters)

Bewegendes Plädoyer: Unter Tränen beteuert Amanda Knox heute Morgen vor dem Gericht in Perugia ihre Unschuld.

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Heute fällt das Urteil im Fall Amanda Knox

Heute fällt das Urteil im Fall Amanda Knox Die beiden Angeklagten Amanda Knox und Raffaele Sollecito sprechen ein letztes Mal vor dem Gericht und den Geschworenen, bevor das Urteil im Berufungsprozess ausgesprochen wird.

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