Kult-Auto

Bildstrecke: Eine Nacht im Porsche-Museum

In Stuttgart können Oldtimer-Liebhaber in die Geschichte des Sportauto-Herstellers eintauchen. Wir haben eine Nacht dort verbracht.

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«Und wie stellen Sie sich das vor?», hatte die Presseverantwortliche des Porsche-Museums ziemlich ungläubig gefragt. «Ganz einfach», antwortete ich, «ich bringe einen Schlafsack mit, und dann lege ich mich neben einem Auto schlafen.» «Und warum wollen Sie das machen?», fragte sie weiter.

Von wegen Ruhe und Musse...

Gute Frage, musste ich zugeben: Warum eigentlich wollte ich im Porsche-Museum in Stuttgart übernachten? So eine richtig gute Antwort hatte ich dann auch nicht. Also, ich hätte schon eine gehabt, aber dann hätte die Dame sowieso nie zugesagt, also schwafelte ich etwas von vertiefter intellektueller Auseinandersetzung mit der Architektur sowie den Ausstellungsobjekten, der sensiblen Erfahrung mit dem Raum, die sich nur allein erleben lasse, von Ruhe und Musse. Die Dame blieb skeptisch, aber sie sagte zu; sie war sogar sehr skeptisch, denn sie wollte den Fotografen und mich bis spätabends gar nicht mehr verlassen.

Mal alles für sich allein

Was macht der Porsche-Liebhaber, wenn er das ganze Museum – ein Prachtbau übrigens, von den österreichischen Architekten Delugan Meissl Associated Architects entworfen, am 31. Januar 2009 eröffnet, 100 Millionen Euro teuer und 5600 Quadratmeter gross – für sich allein hat? Er schaut sich mal alles in Ruhe an. Das Museumserlebnis ist ein ganz anderes, wenn keine anderen Besucher da sind, Lärm machen, im Weg stehen. Aber so nach zwei Stunden ist man da auch durch, auch wenn man alle Tafeln genüsslich liest und sich über die einen Exponate freut, über andere wundert.

Die Studie H50 zum Beispiel, aus dem Jahre 1987, ein viertüriger 928er. Warum haben sie den nie gebaut? Der C88 von 1994, eine Studie für China, kam zum Glück nie auf die Strasse, und auch der Typ 915 nicht, ein um 35 Zentimeter gestreckter 911er aus dem Jahre 1970, der aus dem grossartigsten Sportwagen der vergangenen 40 Jahre einen Viersitzer hätte machen sollen.

Auspuff-Studium

Nach besagten zwei Stunden macht der Oldtimer-Liebhaber aber Dinge, für die ihn andere Menschen wohl für verrückt erklären lassen würden. Ich lege mich hinter die Autos – und studiere Auspuffkonstruktionen. Also die alten Porsche, die sind langweilig, eigentlich sind auch die Serienprodukte eher öd, wobei, bei den moderneren Konstruktionen wird das dann schon spannender. Doch so richtig toll sind die Rennwagen, vor allem jene aus den 50er- und 60er-Jahren. So richtig schön ist das etwa beim 550 Spyder von 1954, einem Vierzylinder mit 1,5-Liter-Hubraum, der aber hinten ein ganz mächtiges Auspuffrohr hat.

Mein Liebling, der W-RS Spyder

Noch schöner: der 718 RS 60 Spyder von 1960, noch ein Vierzylinder, diesmal mit 1,6-Liter-Hubraum, schon stolzen 160 PS, Sieger einst bei der Targa Florio und auch bei den 12 Stunden in Sebring, dem ersten Porsche-Grosserfolg in den USA. Aber mein Favorit ist noch ein anderer, ebenfalls ein 718, aber von 1962, der W-RS Spyder. Denn der wird von einem 2-Liter-Motor mit acht Zylindern befeuert. Und seine Auspuffanlage ist ein wahres Kunstwerk, Tinguely kommt mir in den Sinn, oder ist es mehr Moore? Sieht sicher auch gut aus, wie ich da unter «der Grossmutter» – wie der 718 W-RS Spyder wegen seiner langen Motorsportkarriere, die von 1961 bis 1964 dauerte, gerne bezeichnet wird – liege und ihr in die Eingeweide schaue.

Porsche 962 C an die Decke gehängt

Irgendwann ist Schlafenszeit, es ist weit nach Mitternacht, als ich meine Auspuffkonstruktionsbetrachtungen beendet habe. Also begebe ich mich auf Wanderschaft. Zuerst versuche ich es einmal unter dem 962 C von 1987, mit dem Stuck/Bell/Holbert in Le Mans gewonnen hatten. Und unter, das ist durchaus buchstäblich zu verstehen, denn der 962er wurde im Porsche-Museum an die Decke gehängt, um den Anpressdruck zu demonstrieren, den dieses Fahrzeug entwickelte.

Aber dort ist mir dann doch unwohl, auch wenn ich um die Perfektion weiss, um die sich Porsche auch im Museum bemüht. Von einem Le-Mans-Sieger im Schlaf erschlagen zu werden, das muss ja dann auch nicht sein. Bei den ganz Alten gefällt es mir auch nicht, und mich vor den wunderbaren Carrera RS 2.7 von 1973 zu legen, das ist irgendwie auch zu – gewöhnlich?

Schöne Träume neben dem 917

Ich kann es hier gestehen, ich wusste von Anfang an, neben welchem Fahrzeug ich schlafen würde. Meine liebsten Porsches waren immer die 917, die ab 1969 auf der Rennstrecke sämtliche Gegner in Grund und Boden fuhren , 1970 Porsche endlich auch den ersten Le-Mans-Sieg bescherten und in ihrer stärksten Version (917/30 von 1973) stolze 1200 PS stark waren. Doch mein Liebling ist «die Sau» von 1971, bezeichnet als 917/20 und der Versuch von Porsche, die Vorteile von Kurz- und Langheck-917 zu verbinden; die aussergewöhnliche Lackierung stammte von Anatole Lapine. Und dann liege ich so da, schräg hinter dem Auto, und schaue von unten in den Motorraum: 12 Zylinder, 4,9 Liter Hubraum, etwa 600 PS – 360 km/h schnell soll «die Sau» in Le Mans gerannt sein. Auch «dicke Berta» genannt, gehört der 917/20 zu den wenigen 917er, die keinen Erfolg hatten – und irgendwie macht das «die Sau» noch sympathischer.

So ein Auto, auch wenn es im Museum steht, riecht relativ streng. Auch wenn da natürlich kein Benzin mehr im Tank ist – es riecht danach. Und auch nach Öl. Aber am stärksten riecht es nach Gummi. Was daran liegen könnte, dass ich mein Ohr quasi an den rechten hinteren Reifen der «Sau» bette, um ihr besonders nahe zu sein. Mein Schlaf kommt sofort, bleibt traumlos.

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Erstellt: 27.02.2012, 11:04 Uhr

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