Bildstrecke: Prozess gegen Ökoterroristen

Silvia G. ist die Frau im Ökoanarchisten-Trio, das sich in Bellinzona vor Gericht verantworten muss. Die 29-Jährige und ihr Mann sollen an mehreren Anschlägen in Italien beteiligt gewesen sein.

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«Silvia libera» («Freiheit für Silvia») prangte im letzten Jahrzehnt längere Zeit auf Häuserfassaden in der norditalienischen Stadt Bergamo. Diese Parole der Solidarität galt Silvia G., die zusammen mit zwei Männern von der Schweizer Bundesanwaltschaft mitbeschuldigt wird, einen Anschlag auf das Nanotechnologiezentrum der IBM in Rüschlikon ZH geplant haben.

Der laufende Prozess am Bundesstrafgericht in Bellinzona ist das vorerst letzte Kapitel im revolutionären Leben der bekennenden Ökoanarchistin, die zuletzt in der Toskana lebte.

Anschlag bei Bergamo – Freispruch

Die 29-jährige Italienerin hatte schon vor zehn Jahren Probleme mit der Justiz. Sie soll im Juli 2001 einen Sprengstoffanschlag auf einen Leitungsmasten einer TV-Anstalt bei Bergamo verübt haben. Silvia G., die schon als Studentin in der Ökoanarchoszene verkehrte, kam in Untersuchungshaft – und wurde zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Der Schuldspruch wurde jedoch acht Jahre später vom italienischen Kassationsgericht mangels Beweisen aufgehoben, wie «Bergamonews» berichtete.

Den Aufenthalt im Gefängnis hatte Silvia G. für propagandistische Aktionen genutzt. Sie schrieb «Briefe aus dem Gefängnis», die auf den Websites der ökoanarchistischen Szene Verbreitung fanden. Und sie inszenierte sich mit Hungerstreiks als Märtyrerin. «Das Gefängnis gehört früher oder später zum Leben, wenn man sich für den revolutionären Kampf entscheidet», heisst es in einem Schreiben der Frau, von der es nur wenige öffentliche Fotos und wenige Informationen aus dem Privatleben gibt.

Heirat im Gefängnis

Vor fünf Jahren heiratete sie im Gefängnis von Biella in Italien den heute 34-jährigen Costantino R., der sich diese Woche ebenfalls vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona verantworten muss. Gemäss italienischen Antiterror-Experten gehören Silvia G. und Costantino R. der Gruppe «Il Silvestre» an – und sie zählen zu den Schlüsselfiguren der ökoterroristischen Szene in Italien. Eine florentinische Zeitung bezeichnete das Ehepaar als «Bonnie and Clyde der Anarchie». Nebst dem Anschlag im Juli 2001 bei Bergamo soll die Frau – zusammen mit ihrem vorbestraften Mann – an mehreren Sprengstoffattentaten in Italien, vor allem in der Toskana, beteiligt gewesen sein. Die Ermittlungen laufen noch.

Die drei Ökoanarchisten, die nun in Bellinzona vor Gericht stehen, wurden im April 2010 im Kanton Zürich von der Polizei erschwischt. Mit grosser Wahrscheinlichkeit erfolgte die Festnahme dank der Zusammenarbeit mit der italienischen Polizei, die seit längerer Zeit ökoanarchistische Gruppierungen überwacht. Aus dem in ihrem Auto sichergestellten Bekennerschreiben ging hervor, dass die drei Festgenommenen im Namen der Gruppierung «ELF Switzerland Earth Liberation Front» eine Anschlag auf das damals noch im Bau befindliche Nanotechnologiezentrum der IBM in Rüschlikon geplant hatten.

Halbes Kilo Sprengstoff um die Taille

Bei der Festnahme soll Silvia G. zwei Päckchen Sprengstoff der Marke Eurogelatina auf sich getragen haben. Der gelatinöse Sprengstoff, der um ihre Taille gebunden war, wog 476 Gramm, wie aus der Anklageschrift hervorgeht. Ebenfalls unter der weiten Hose versteckt waren eine Sicherheitszündschnur und zwei Aluminiumsprengkapseln.

Silvia G. ist im Regionalgefängnis Biel inhaftiert. Dort protestierte sie im letzten Dezember mit einem öffentlichen Schreiben und einem Hungerstreik gegen die Isolationshaft. Gemäss Anklage soll die 29-Jährige für drei Jahre hinter Gitter. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.07.2011, 21:40 Uhr

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