Trailer zum Facebook-Film

In «The Social Network» schildert David Fincher die Entstehung von Facebook. Am Ursprung dieser weltvernetzenden Datenmaschine steht – eine Frau.

Skeptischer Chef: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wird kaum begeistert sein von diesem Film.
Video: Reuters

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Die Website Facebook ist eine Internet-Plattform, auf der jeder sein Profil einstellen und sich mit Freunden verlinken kann. Inzwischen zählt die virtuelle Quasselbude weltweit 500 Millionen Mitglieder. Ihr Erfinder, der 26-jährige Amerikaner Mark Zuckerberg, ist angeblich 6,9 Milliarden Dollar schwer. David Finchers am 7. Oktober anlaufender Campus-Film «Social Network» schildert die Entstehung von Facebook, die ganz banal mit «cherchez la femme» beginnt.

Am Ursprung dieser weltvernetzenden Datenmaschine steht also eine Frau: die Freundin des damals 19-jährigen Harvard-Psychologiestudenten Zuckerberg, die ihm 2003 nach einem Streit den Laufpass gibt. Ausser sich vor Wut beschimpft er sie in seinem Internet-Blog. Dann hackt er den Uni-Computer und stellt die Fotos der Kommilitoninnen auf eine Website, begleitet von einer Wertung der Studenten. Die Seite hat so viele Zugriffe, dass das Uni-Netz zusammenbricht. Fortan ist Mark bei Studentinnen unten durch, soll aber im Auftrag der Gebrüder Winkelvoss ein exklusives Netzwerk für Harvard-Studenten einrichten.

Virtuelle Rache an der Ex-Freundin als Initialzündung

Stattdessen bastelt Mark mit seinem Freund Eduardo die Facebook-Seite, die im Januar 2004 registriert wird und deren Mitglieder sich explosionsartig um die ganze Welt vermehren. Bald wird er von Sean Parker, dem Erfinder der Internet-Musikbörse Napster, kontaktiert, der mit ihm ins Geschäft kommt. Erzählt wird diese Geschichte, die auf dem Sachbuch «Milliardär per Zufall» basiert, innerhalb einer Rahmenhandlung, in der Zuckerberg vor den Anwälten der Brüder Winkelvoss, die ihn wegen Diebstahls geistigen Eigentums anklagen, und vor Eduardo, der von Zuckerberg übel ausgebootet wurde, Rede und Antwort stehen muss.

Mark Zuckerberg wird kaum begeistert sein von diesem Film, der ihn zwar nicht grundsätzlich negativ skizziert. Jesse Eisenberg, der bereits in der Untoten-Komödie «Zombieland» eine ähnliche Rolle spielte, verkörpert den Jung-Unternehmer oscarwürdig als ambivalenten Überflieger à la «Citizen Kane», dessen Intelligenz ihn in der «Analogwelt» arrogant und ungeduldig erscheinen lässt.

Zuckerberg ist hier der «Nerd» par excellence: ein fast autistischer Soziopath, der dazugehören will und zugleich anderen zeigt, dass er sie für Idioten hält. Nicht Geld ist sein Antrieb, sondern Geltungsdrang. Selbst wenn dieses narzisstische Charakterporträt falsch ist, so ist es gut erfunden.

Superego mit der rechten Idee zur rechten Zeit

Und als Eduardo in eine exklusive Harvard-Verbindung aufgenommen wird, bekommt auch er die Rache des Underdogs zu spüren. Der naive Freund, der 18'000 Dollar Kapital einbringt, wird von Andrew Garfield, der bereits in «About A Boy» glänzte, verkörpert. Popstar Justin Timberlake gibt mit viel Drive sinnigerweise den leicht paranoiden Napster-Erfinder Sean Parker, der einst der Musikindustrie Milliardenverluste zufügte. Sympathisch ist keiner der drei grünen Jungs, die sich wie die Axt im Walde benehmen. Und die Winkelvoss-Brüder erscheinen als Karikaturen eines privilegierten Milieus, denen Zuckerberg zu Recht die Butter vom Brot nimmt.

Finchers Film dreht sich also nicht vorrangig um die Bedeutung von Facebook, obwohl von Anfang an die Probleme des Netzwerks, wie etwa die virtuelle Diffamierung und der sorglose Umgang mit Daten, sichtbar werden. Wie sich Facebook finanziell trägt, ist übrigens auch nach zwei Filmstunden völlig unklar.

Elegant, geradezu virtuos, inszeniert er stattdessen den Zusammenprall verschiedener Welten: alter Geldadel gegen hungrige Aufsteiger; eingefahrenes Wirtschaften gegen unkonventionelle Jungunternehmer; Leute, die vorm Computer hocken, und andere, die Partys feiern. Und ein Superego, das die richtige Idee zur rechten Zeit umsetzte.

Erstellt: 05.10.2010, 21:39 Uhr

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