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Bildstrecke: Bekennerfilm der Terrorgruppe

In ihrem Bekenner-Video verhöhnt die Terrorgruppe von Zwickau ihre Opfer und die Ermittler. Derweil haben die Behörden auf der DVD Hinweise auf bisher ungeklärte Attentate entdeckt.

Im Bekennervideo wurden Bilder der Opfer neben die Trickfilmfigur Pink Panther geschnitten.
Im Bekennervideo wurden Bilder der Opfer neben die Trickfilmfigur Pink Panther geschnitten.
Keystone
Weitere Szene: Die Trickfilmfigur feuert auf Polizisten.
Weitere Szene: Die Trickfilmfigur feuert auf Polizisten.
Keystone
Und ein Mann aus der Zeichentrickfilmserie trägt ein Logo der RAF.
Und ein Mann aus der Zeichentrickfilmserie trägt ein Logo der RAF.
Keystone
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Der Bekennerfilm der rechtsextremistischen Terroristen aus Zwickau ist voller Zynismus und Spott. Das 15-Minuten-Video, welches die Ermittler in den Trümmern des Hauses in der ostdeutschen Stadt fanden, macht sich nicht nur über die zehn Opfer, sonder auch über die Behörden lustig. Das akribisch genau montierte Video des Nationalsozialistischen Untergrundes stellt die harmlosen Zeichentrickfilme mit Paulchen Panther einer zehn Jahre überspannenden Mordserie gegenüber. Dabei werden die schelmischen Streiche der Comic-Figur mit den brutalen Morden der rechtsextremen Gruppierung auf eine Ebene gesetzt.

«Auf den ersten Blick sind die Bilder verstörend», sagt Wissenschaftler Jan Schedler gegenüber dem «Spiegel», welchem das Video exklusiv vorliegt. Der Film der braunen Zelle ziele darauf ab, die Verachtung für die Opfer klarzumachen, so der 34-Jährige, der zur extremen Rechten und Autonomen Nationalisten forscht. Besonders die Gegenüberstellung der Comic-Ästhetik, des Lustigen, mit den Pressebildern von Opfern ziele auf eine Verharmlosung der Tat ab.

Überlegenheit gegenüber den Ermittlern

Doch auch die Ermittler, die jahrelang an der Nase herumgeführt wurden, kriegen von den Extremisten ihr Fett weg. So zeigt der Film mal erfolglos gebliebene Fahndungsbilder, mal die Comic-Figur Paulchen Panther, der mit einem Revolver auf Polizeibeamte schiesst. Martin Dietzsch vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung sieht in dieser Darstellung ein Zeichen des Übermutes.

«Wie mussten sich die Täter nach den katastrophalen Ermittlungsergebnissen der Polizei – beim Polizistenmord, bei den Döner-Morden und bei den Banküberfällen – fühlen? Wie die absoluten Supermänner.» Die Täter müssten, so Dietzsch gegenüber dem «Spiegel», den Eindruck haushoher Überlegenheit gegenüber den Ermittlungsbehörden haben.

Weitere Anschläge

Die Analyse der Bekenner-DVD durch die Ermittler des Landeskriminalamtes hat mittlerweile Hinweise auf einen bisher unaufgeklärten Sprengstoffanschlag in der Kölner Innenstadt im Jahr 2001 ergeben. Dies teilte der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) in Düsseldorf mit. Am 19. Januar 2001 war eine damals 19-jährige Deutsch-Iranerin bei einem Sprengstoffanschlag auf ein Kölner Lebensmittelgeschäft schwer verletzt worden. Ein rechtsextremistischer Hintergrund wurde bereits seinerzeit nicht ausgeschlossen.

Die deutsche Bundesanwaltschaft nahm ebenfalls Ermittlungen wegen eines Anschlags mit einer Nagelbombe 2004 in Köln auf. Bei dem Attentat in einer von vielen Migranten bewohnten Strasse waren 22 Menschen teils schwer verletzt worden. Laut Medienberichten hatte sich die NSU im Video auch mit dem Anschlag in Köln gebrüstet.

Verfassungsschutz in der Kritik

Der deutsche Verfassungsschutz (Inlandsgeheimdienst) gerät wegen der jahrelang nicht entdeckten Terrorserie immer mehr in die Kritik. Innenminister Hans-Peter Friedrich forderte dringend Aufklärung, weshalb zwischen der Mordserie und der rechtsextremen Szene im Bundesland Thüringen kein Zusammenhang erkannt wurde. Das Bundesamt und das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz wiesen Spekulationen zurück, wonach sie Kontakte zu dem Neonazi-Trio unterhalten haben sollen.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln erklärte, man habe keine Kenntnis über den Verbleib der drei verdächtigten Personen nach 1998 gehabt. Schon in den 90er Jahren war das Trio wegen Verbindungen zum rechtsextremen «Thüringen Heimatschutz» aufgefallen.

Politiker aller Parteien fragen nun, warum die drei Rechtsextremen, die 1998 in Jena sogar als Bombenbauer aufgefallen waren, spurlos untertauchen konnten. Schon damals waren sie der Polizei einschlägig bekannt und der rechtsextremen Szene zugeordnet worden.

Gegen die Verdächtigte aus Zwickau erliess der Bundesgerichtshof am Sonntag Haftbefehl. Die Frau hatte sich nach dem Tod ihrer beiden mutmasslichen Komplizen vergangene Woche der Polizei gestellt.

Mutmasslicher Helfer festgenommen

Die heute 36-jährige Frau soll 1998 mit ihren beiden Komplizen die NSU gegründet haben. Möglicherweise war sie unmittelbar an der «Döner»-Mordserie beteiligt, der von 2000 bis 2007 acht türkische und ein griechischer Kleinunternehmer sowie eine Polizistin zum Opfer fielen.

Am Sonntag wurde in der Nähe von Hannover ein mutmasslicher Helfer des Trios aus Zwickau festgenommen. Er wird verdächtigt, den drei im Verborgenen agierenden Mitgliedern der NSU den Fahrausweis und seinen Reisepass zur Verfügung gestellt und für die NSU mehrmals Wohnmobile gemietet zu haben.

dapd/kpn

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