Porträt

Bildstrecke: Bruno Ganz wird 70

Als Adolf Hitler schrieb Bruno Ganz Filmgeschichte. Aber auch als Engel in Wim Wenders' «Der Himmel über Berlin» brillierte er. Morgen feiert der Schweizer Schauspieler seinen 70. Geburtstag.

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Mit der Verkörperung von Adolf Hitler erzeugte Bruno Ganz bei vielen Kinogängern Gänsehaut. In Deutschland lockte Oliver Hirschbiegels Drama «Der Untergang» (2004) über die letzten Tage des Diktators im Führerbunker fast fünf Millionen Zuschauer vor die Leinwand - auch dank Ganz. Dieser wurde für seine Darstellung von den Kritikern gefeiert und mit Auszeichnungen wie dem Europäischen Filmpreis gewürdigt. Am Dienstag (22. März) feiert der Schweizer, der seit 2010 auch Präsident der Deutschen Filmakademie ist, seinen 70. Geburtstag – «im Kreise der Familie», wie seine Agentur auf Anfrage mitteilte.

Nicht nur dem Zuschauer brannte sich Ganz' Rolle, von der ihm viele abgeraten hatten, ins Gedächtnis. Auch den Schauspieler selbst liess die Figur danach lange nicht los. 2008 sagte er der «Berliner Morgenpost», Hitler spuke ihm immer noch im Kopf herum: «Ich wusste ja, dass mir dieses Ding lange anhängen würde. Aber wie lange, das war mir nicht klar, als ich das Angebot angenommen hatte.»

Ganz begann Karriere am Theater

Ganz wurde am 22. März 1941 als Sohn eines Fabrikarbeiters und einer Italienerin in Zürich geboren. Die Schule schmiss er vor dem Abitur und absolvierte stattdessen Schauspielkurse. 1960 erhielt er seine erste Filmrolle in Karl Suters «Der Herr mit der schwarzen Melone», zwei Jahre später folgte ein erstes Bühnenengagement am Jungen Theater in Göttingen. 1964 wechselte er an das Bremer Theater, wo er mit Kurt Hübner, Peter Zadek und Peter Stein arbeitete.

Ganz folgte Stein auch an die Berliner Schaubühne, deren Ensemble er von 1970 bis 1975 angehörte. Er spielte in «Peer Gynt», «Kleists Traum vom Prinzen Homburg» oder «Sommergäste». Ab 1975 widmete er sich mehrere Jahre dem Film, drehte mit Peter Handke («Die linkshändige Frau»), Werner Herzog («Nosferatu»), Volker Schlöndorff («Die Fälschung») oder Wim Wenders («Der amerikanische Freund»).

1982 kehrte Ganz an die Schaubühne zurück, spielte etwa in «Hamlet», «Der Park» und «Die Fremdenführerin». Engagements bei den Salzburger Festspielen mit Handke, an den Münchner Kammerspielen mit Dieter Dorn und am Schauspielhaus Bochum mit Elmar Goerden folgten.

Im Laufe der Jahre entfernte er sich von der Bühne

Seit 1996 ist Ganz Träger des Iffland-Ringes, der einem bedeutenden Bühnenkünstler auf Lebenszeit verliehen wird. Dabei hatte er sich im Laufe der Jahre immer mehr vom Theater entfernt. 2008 sagte er der «Bild am Sonntag»: «Ich glaube, die Verbindung zwischen dem Theater und mir ist abgerissen, ich sehe nicht, wo ich mich da wieder einklinken könnte» - was ihn indes traurig mache.

Im Kino glänzte der Engel aus Wenders «Der Himmel über Berlin», der oft die Rolle des sensiblen Intellektuellen besetzt, derweil weiter. 1997 spielte Ganz in «Die Ewigkeit und ein Tag» von Theo Angelopoulos einen todkranken Schriftsteller, der sein Leben Revue passieren lässt. Das Drama gewann beim Filmfest in Cannes 1998 die Goldene Palme. Viel Lob heimste Ganz für die Rolle des verstörten Juden in Urs Eggers Drama «Epsteins Nacht» ein. Für Silvio Soldinis «Brot & Tulpen» bekam er 2001 den Schweizer Filmpreis.

Ganz gibt sich seit längerem für 70 aus

In jüngerer Zeit sah man Ganz, der 2010 beim Europäischen Filmpreis für sein Lebenswerk gekürt wurde, zum Beispiel in Francis Ford Coppolas «Jugend ohne Jugend», Uli Edels «Der Baader Meinhof Komplex», Jo Baiers «Das Ende ist mein Anfang» und Wolfgang Panzers «Der grosse Kater». Im Fernsehen ist der Schweizer deutlich weniger präsent. Dabei wäre er angeblich auch gern «Tatort»-Kommissar geworden, verriet er 2010 der «Neuen Osnabrücker Zeitung».

Die 70 dürften für den Schauspieler, der mit der Fotografin Ruth Walz zusammenlebt, indes keine grosse Umstellung sein. Angeblich erzählt er schon seit Jahren, er sei 70 Jahre alt, zumindest sagte er das 2008 der «Bild am Sonntag». «Das hat sich bewährt, keiner beschwert sich, wenn ich etwas früher vom Tisch aufstehe und sage: Ich bin schon 70, ich muss ins Bett!»

(jos/dapd)

Erstellt: 21.03.2011, 21:19 Uhr

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