Zum Hauptinhalt springen

Bildstrecke: Ein Zuhause aus Petflaschen

Ein Projekt in Nigeria setzt beim Hausbau auf Plastikflaschen. Wer sich solche Gebäude instabil vorstellt, irrt. Denn offenbar sind Plastikhäuser äusserst widerstandsfähig – auch gegen Erdbeben, Feuer und Geschosse.

Wände aus Plastikflaschen: Ein Arbeiter baut im nigerianischen Dorf Sabon Yelwa in der Nähe von Kaduna ein Haus aus Plastik. (2. November 2011)
Wände aus Plastikflaschen: Ein Arbeiter baut im nigerianischen Dorf Sabon Yelwa in der Nähe von Kaduna ein Haus aus Plastik. (2. November 2011)
AFP
Die Flaschen werden mit Sand gefüllt: An Nigerianer kontrolliert die bisher aufeinander gestapelten Plastikflaschen. (2. November 2011)
Die Flaschen werden mit Sand gefüllt: An Nigerianer kontrolliert die bisher aufeinander gestapelten Plastikflaschen. (2. November 2011)
AFP
Plastikflaschen anstatt Bausteine: Die Innenansicht des  EcoArk-Gebäudes in Taiwan. (9. April 2010)
Plastikflaschen anstatt Bausteine: Die Innenansicht des EcoArk-Gebäudes in Taiwan. (9. April 2010)
Reuters
1 / 6

Häuser aus Plastikflaschen? Was sich nach moderner Kunst anhört, ist ein ambitioniertes Bauprojekt in Nigeria. Eine Umweltorganisation will mit dem unkonventionellen Baustoff zwei Probleme auf einmal lösen: Zum einen sollen die Plastikflaschen, die Nigerias Strassen, Kanäle und Rinnsteine verschmutzen, beim Häuserbau recycelt werden. Gleichzeitig könnte das Projekt die Wohnungsknappheit im bevölkerungsreichsten Land Afrikas mildern.

Der Prototyp eines Plastikflaschenhauses steht am Rande des Dorfes Sabon Yelwa bei Kaduna im Norden des Landes. Initiiert hat das Projekt die Nichtregierungsorganisation DARE (Verband zur Entwicklung Erneuerbarer Energien) mit Unterstützung von Londoner Fachleuten. «Es ist das erste Haus in Afrika, das aus Flaschen gebaut wurde», sagt Projektinitiator Christopher Vassiliu. «Es könnte dazu beitragen, Nigerias grosse Wohnungsprobleme zu lösen und die schwer verschmutzte Umwelt zu säubern.»

Konstante 18 Grad Celsius

Das Haus ist in vielerlei Weise ein Wunderwerk und soll das erste von vielen sein. Auf 58 Quadratmetern Grundfläche wirkt der Bungalow mit zwei Schlafzimmern zunächst wie ein normales Haus. Doch statt Steinen besteht es aus Plastikflaschen, die mit Sand gefüllt und zugeschraubt wurden. Die drei Kilogramm schweren Behälter werden aufeinander geschichtet und mit Lehm und Zement verbunden. Ein Netz aus Schnüren verbindet sie am Flaschenhals und gibt dem Bau zusätzlichen Halt.

Aus den verputzten Wänden ragen verschiedenfarbige Schraubdeckel heraus, die den Wänden ein einzigartiges Aussehen geben. Nach Angaben von Projektkoordinator Yahaya Ahmad sind die mit Sand gefüllten Flaschen stabiler als normale Betonblöcke. «Weitere Vorteile sind: Das Bauwerk ist feuersicher, kugelsicher und erdbebensicher», sagt Ahmad. «Im Inneren herrscht eine konstante Temperatur von 18 Grad Celsius, gut im tropischen Klima.»

Im Juni wurde mit dem Bau des Prototyps begonnen. Ist das Gebäude fertig, sollen Maurer daran ausgebildet werden. Bei entsprechender Anpassung der tragenden Säulen können bis zu zwei Stockwerke auf das Erdgeschoss gesetzt werden.

14'000 Flaschen für ein Haus

Der Flaschenbau liegt auf einer weitläufigen Farm und besteht aus einem Wohnzimmer in Form einer Rotunde, zwei Schlafzimmern, Küche, Innenhof, Bad und Toilette. Das Haus wurde so entworfen, dass es keine Treibhausgase produziert, da es komplett durch eingebaute Solarzellen sowie Methangas aus menschlichen und tierischen Fäkalien versorgt wird. «Nigeria hat ein grosses Abfall- und Energieproblem, und dieses Projekt ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung», sagt die britische Umweltaktivistin Katrin Macmillan. «Auf Deponien brauchen Plastikflaschen Hunderte von Jahren, um zu zerfallen.»

Das Haus ist inzwischen zu 70 Prozent fertiggestellt und braucht insgesamt etwa 14'000 Flaschen. Auf dem Gelände häufen sich Flaschen, die von Botschaften, Hotels und Restaurants gespendet wurden. Nach Einschätzung von Umweltexperten produziert Nigeria mit einer Bevölkerung von rund 160 Millionen Tag für Tag einen Müllberg von drei Millionen Plastikflaschen.

Gleichzeitig fehlen in dem riesigen Land etwa 16 Millionen Wohnungen, deren Bau umgerechnet 226 Milliarden Euro verschlingen würde, wie Nigerias Federal Mortgage Bank angibt. Mit einem Viertel der für ein konventionelles Wohnhaus veranschlagen Baukosten ist ein Plastikhaus darüberhinaus noch günstig, betont Vassiliu. Umgerechnet knapp 10.000 Euro werden für das innovative Heim fällig. Das nächste Bauprojekt ist schon geplant: Ab Januar soll in Suleja nahe der Hauptstadt Abuja mit 200.000 Plastikflaschen eine Grundschule vergrössert werden.

AFP/wid

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch