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Bildstrecke: Göldis langer Weg zurück in die Schweiz

Der 54-jährige Ingenieur Max Göldi, der fast zwei Jahre in Libyen festgehalten wurde, hat wieder Schweizer Boden unter den Füssen.

Bundesrätin Calmy-Rey informierte über die Freilassung des Schweizers.
Bundesrätin Calmy-Rey informierte über die Freilassung des Schweizers.
Cossette Espinoza
Max Göldi und Micheline Calmy-Rey am Flughafen Kloten nach der Landung um zirka 1.20 Uhr.
Max Göldi und Micheline Calmy-Rey am Flughafen Kloten nach der Landung um zirka 1.20 Uhr.
Reuters
Auf dem Heimweg von Bukarest macht Berlusconi Halt in Tripolis. Eine Weiterreise gemeinsam mit Göldi würde er als seinen Erfolg verbuchen.
Auf dem Heimweg von Bukarest macht Berlusconi Halt in Tripolis. Eine Weiterreise gemeinsam mit Göldi würde er als seinen Erfolg verbuchen.
AFP
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Das Flugzeug landete gegen 1.20 Uhr, wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Göldi wurde von seiner Familie in Empfang genommen. Er grüsste die Medienvertreter kurz, gab aber keine Erklärung ab. Der Geschäftsmann war am Abend aus Lybien abgereist. Nach einem Zwischenhalt in Tunis flog er gemeinsam mit Bundesrätin Calmy-Rey nach Hause in die Schweiz.

Er sei glücklich, gehen zu können, sagte Göldi der italienischen Nachrichtenagentur Ansa noch in Tripolis. Er werde «nie mehr» nach Libyen zurückkehren. Auch die Aussenministerin zeigte sich zufrieden: «Wir sind erleichtert und freuen uns mit Max Göldi und seiner Familie», wurde Calmy-Rey in einer Mitteilung zitiert.

«Sehr erleichtert» äusserte sich auch der Sprecher von Amnesty International Schweiz, Daniel Graf. Es sei bis zuletzt «ein Nervenspiel» gewesen. Amnesty hatte sich intensiv für Göldi und seine Freilassung eingesetzt.

«Unbeschreiblich ist unsere Freude»

Die Familie Göldi hat sich unterdessen mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit gewandt. «Unbeschreiblich ist unsere Freude, dass das lange Warten, Bangen und Hoffen ein Ende gefunden hat. Wir sind überglücklich, dass er wieder bei uns ist und sich nun von den vergangenen Strapazen in aller Ruhe im Familienkreis erholen kann», heisst es im Schreiben.

Familie Göldi bedankte sich in der Mitteilung auch beim Bundesrat und insbesondere Aussenministerin Micheline Calmy-Rey für den Einsatz für die Rückkehr von Max Göldi. Einen speziellen Dank richtete die Familie an die Mitarbeitenden der Schweizer Botschaft in Tripolis. «Besonders in den letzten vier Monaten haben sie durch ihre regelmässigen persönlichen und engagierten Berichte über das tägliche Leben von Max diese schwere Zeit erträglicher gemacht», heisst es in der Mitteilung.

Weiter bedankte sich Familie Göldi bei Regierungsvertretern und Diplomaten der EU, bei Amnesty International und beim Technologiekonzern ABB, dem Arbeitgeber von Max Göldi. ABB zeigte sich ebenfalls froh über die Rückkehr Göldis: «Wir freuen uns für ihn und seine Familie und sind allen dankbar, die so hart für seine Freilassung gearbeitet haben», teilte ABB mit.

Der Besuch im Ghadhafis Zelt

Libyens Staatschef Muammar al-Ghadhafi hatte am Sonntagabend die Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey in seinem Zelt empfangen. Mit dabei war auch der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Vor Ort seien zudem die Aussenminister Libyens, Moussa Koussa, Spaniens, Miguel Angel Moratino und Maltas, Tonio Borg gewesen. Auch die Premierminister Sloweniens und Maltas, Borut Pahor und Lawrence Gonzi, waren im Zelt in der Kaserne Bad Al Azyzyia.

AFP-Journalist Imed Lamloum bestätigte gegenüber der «Tagesschau» die Einladung Calmy-Reys bei Ghadhafi. Es seien keine schreibenden Journalisten ins Zelt gelassen worden, «nur Fotografen». Angeblich war Max Göldi bei dem Treffen kein Gesprächsthema, sondern nur die Beziehung der beiden Länder sowie das vereinbarte Schiedsgericht.

Libyen-Krise nach zwei Jahren zu Ende

Nach fast zwei Jahren nähert sich die diplomatische Krise zwischen der Schweiz und Libyen damit einem Ende. Max Göldi könne das Land noch am Sonntag verlassen, kündigte die Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey am Sonntagmittag nach der Unterzeichnung eines Aktionsplans in Tripolis an.

Bei der Zeremonie war neben ihrem libyschen Amtskollegen Moussa Koussa auch der spanische Aussenminister Miguel Angel Moratinos als derzeitiger EU-Ratsvorsitzender zugegen. Er war mit Calmy-Rey am späten Samstagabend in der Hauptstadt eingetroffen.

Schiedsgericht beschlossen

Calmy-Rey betonte vor den Medien, die Heimkehr des Schweizer Geschäftsmanns sei «der Beginn der Normalisierung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern». In dem Aktionsplan vereinbarten die beiden Länder, ein Schiedsgericht einzuberufen, erklärte Calmy-Rey. Es soll die vorübergehende Verhaftung von Hannibal Ghadhafi, dem Sohn des libyschen Machthabers Muammar Ghadhafi, im Juli 2008 wegen des Verdachts der Misshandlung von Hausangestellten untersuchen. Als Reaktion darauf wurden wenige Tage später die Schweizer Geschäftsleute Göldi und Rachid Hamdani festgesetzt.

In einem zweiten Punkt des Aktionsplanes entschuldigt sich die Schweiz für die «illegale Veröffentlichung» der Fotos von Hannibal Ghadhafi im September 2009 in der «Tribune de Genève». Sie stelle «ein Bruch der Vertraulichkeit nach Schweizer Recht dar.» Die Schweiz verpflichtet sich dazu, den Vorfall rechtlich aufzuarbeiten und die Schuldigen vor Gericht zu bringen.

Gewichtige EU-Interessen

Ausserdem, so Calmy-Rey, sieht der von Libyen und der Schweiz sowie von den Vermittlern Spanien und Deutschland unterzeichnete Aktionsplan das Ausreiseprozedere für Göldi vor. «Wir haben hart daran gearbeitet, Max Göldi und Rachid Hamdani wieder mit ihren Familien zu vereinigen.»

Dass Moratinos zusammen mit Calmy-Rey nach Tripolis flog, wird von Beobachtern als Zeichen dafür gewertet, für wie wichtig die EU eine funktionierende Wirtschaft mit dem Öl-Exporteur Libyen hält.

Der Schengen-Konflikt

Moratinos kündigte an, dass der spanische Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero als derzeitiger EU-Ratspräsident noch vor Ende Monat den aktuellen Präsidenten der Afrikanischen Union, Libyens Machthaber Muammar Ghadhafi, besuchen werde.

Die EU wurde in den Konflikt involviert, als die Schweiz rund 150 «im Schengenraum unerwünschte Libyer» ins Schengeninformationssystem eingab. Darauf erteilte Libyen Bürgern aus Schengenländern bis zur Aufhebung der Visarestriktionen Ende März keine Visa mehr. Auf Druck der EU erklärte sich der Bundesrat im März 2010 bereit, die Restriktionen aufzuheben.

sda/afp/cpm

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