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Bildstrecke und Video: Castor-Transport kurz vor dem Ziel

Castor-Gegner hielten die Zugwagen mit hochradioaktivem Atommüll für Stunden auf. Nach dem kompromisslosen Einschreiten der Polizei befindet sich der Transport auf der letzten Etappe.

Der Güterzug, der radioaktiven Abfall enthält, wird auf seiner Fahrt immer wieder von Demonstranten gestoppt, die die Gleise blockieren.
Der Güterzug, der radioaktiven Abfall enthält, wird auf seiner Fahrt immer wieder von Demonstranten gestoppt, die die Gleise blockieren.
Reuters
Grund der Proteste: Der Güterzug mit dem radioaktiven Abfall.
Grund der Proteste: Der Güterzug mit dem radioaktiven Abfall.
Keystone
Angekettet: Ein junges Paar verharrt trotz Übermacht der Polizei auf den Geleisen.
Angekettet: Ein junges Paar verharrt trotz Übermacht der Polizei auf den Geleisen.
Keystone
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Nach stundenlangen Blockaden hat der Castor-Transport mit hochradioaktivem Atommüll am Montagmorgen die letzte Zwischenstation vor Gorleben erreicht: Im Bahnhof Dannenberg werden die elf Spezialbehälter nun für den Strassentransport in das Zwischenlager umgeladen. In der Nacht hatte die Polizei Tausende Atomkraftgegner am letzten Schienenabschnitt von den Gleisen geholt und stundenlang festgehalten. Die Organisatoren zogen eine zufriedene Zwischenbilanz. Die Politik ist dagegen tief zerstritten, ob der teils gewalttätige Protest legitim war.

Der Zug mit 123 Tonnen Atommüll war Freitag gegen 14 Uhr im nordfranzösischen Valognes gestartet. Die elf Castor-Behälter enthalten hochradioaktiven Abfall aus der Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente aus deutschen Reaktoren. Die Fahrt durch Deutschland wurde immer wieder durch Blockaden von Atomkraftgegnern verzögert. Allein auf der Schiene war er gut 67 Stunden unterwegs – deutlich länger als frühere Castor-Transporte. Am Wochenende hatte es zudem Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Polizei gegeben.

Blockade auf den Gleisen

In Dannenberg werden die elf Atommüllbehälter von Eisenbahnwaggons auf Strassentieflader umgesetzt. Nach Angaben des Zwischenlager-Betreibers Brennelementlager Gorleben (BLG) sind dafür etwa 15 Stunden vorgesehen. Voraussichtlich ab Montagabend sollen die Spezialcontainer auf der Strasse ins Zwischenlager Gorleben rollen.

Nach der Räumung der letzten Schienen-Blockade konzentrieren sich die Castor-Gegner nun auf die am Sonntag begonnene Sitzblockade auf der Strasse vor dem Zwischenlager. Die Sprecherin der gewaltfreien Aktion «x-tausendmalquer», Luise Neumann-Cosel, sagte am Morgen der Nachrichtenagentur DAPD, nach wie vor seien mehr als 1600 Menschen auf der Strasse. Die kalte, aber trockene Nacht sei ruhig gewesen. Es gebe ausreichend Strohsäcke, Isomatten sowie warmes Essen und Getränke.

Die grösste Verzögerung erreichten rund 3000 Castorgegner, die in der Nacht zum Montag bei Harlingen nahe Hitzacker die Gleise blockierten. Die Polizei trug die Menschen schliesslich ab 1.40 Uhr von den Gleisen. Ein Sprecher der Einsatzleitung in Lüneburg nannte die Aktion friedlich. Die Bürgerinitiative «x-tausendmal quer» bescheinigte auch den Beamten ein «verhältnismässig friedliches» Vorgehen. Nach der Räumung nahm die Polizei etwa 1000 Demonstranten vorübergehend in Gewahrsam, liess sie aber am Vormittag wieder frei.

Bürgerinitiative zufrieden

Der Sprecher der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg, Wolfgang Ehmke, zog eine positive Bilanz der Proteste. Es sei deutlich geworden, dass der Widerstand gegen Atomkraft und den Endlagerstandort Gorleben in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei. Die Aktionen der Castor-Gegner seien grösstenteils friedlich gewesen. Dazu zählte er auch die sogenannten Schotterer, die mehrfach versucht hatten, das Gleisbett zu unterhöhlen.

Die Bundesregierung sieht dies ganz anders. Am Wochenende hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel gerade auch das Schottern kritisiert. Darüber hinaus hatte es zum Teil gewalttätige Aktionen gegen Polizeibeamte und -fahrzeuge gegeben; die Beamten setzten Wasserwerfer, Tränengas und Schlagstöcke ein.

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium, Katharina Reiche (CDU), griff in dem Zusammenhang Spitzenpolitiker von Grünen und SPD an: «Wenn Trittin, Frau Künast und Frau Roth, aber auch Sigmar Gabriel zu Massendemonstrationen aufrufen, wenn wir die grösste Gewalteskalation seit vielen Jahren erleben, dann muss auch gezeigt werden, wer dafür verantwortlich ist.»

Grünen-Chefin Claudia Roth erklärte dagegen, die Grünen hätten nicht zum Schottern aufgerufen. Insgesamt verteidigte sie die Proteste und führte sie auf die Verlängerung der Atomlaufzeiten durch die schwarz-gelbe Koalition zurück. Roth hatte sich selbst an einer Sitzblockade in Gorleben beteiligt. Im Bundestag beantragten die Grünen eine Aktuelle Stunde zur Atompolitik in dieser Woche.

Weiter Streit um Kosten

Gleichzeitig ging der Streit über die Kosten des Polizeieinsatzes weiter. Nach Klagen aus Niedersachsen, dass das Land auf 20 bis 25 Millionen Euro sitzen bleibe, deutete Reiche Kompromissbereitschaft an. Über die Aufteilung der Kosten zwischen Bund und Länder müsse geredet werden, sagte die CDU-Politikerin. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) wandte sich dagegen strikt gegen Änderungen bei der Kostenverteilung für Polizei-Grosseinsätze.

SDA/mrs/pbe/ske

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