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Frage des Tages: Reformen in Nordkorea?

Nach Bekanntwerden des Todes von Kim Jong-il muss eine Destabilisierung der Region befürchtet werden. Glauben Sie, dass sich das Land nach dem Tod des Diktators verändert? Stimmen Sie am Ende des Artikels ab!

Laut seiner offiziellen Kurzbiographie wurde Kim Jong-il am 16. Februar 1942 auf dem Berg Paektu geboren. (undatiertes Bild 1946)
Laut seiner offiziellen Kurzbiographie wurde Kim Jong-il am 16. Februar 1942 auf dem Berg Paektu geboren. (undatiertes Bild 1946)
Handout, Reuters
Vom September 1950 bis zum August 1960 absolvierte Kim Jong-il die schulische Allgemeinbildung. (undatierte Aufnahme)
Vom September 1950 bis zum August 1960 absolvierte Kim Jong-il die schulische Allgemeinbildung. (undatierte Aufnahme)
Handout, Reuters
Am 17. Dezember 2011 starb Kim Jong-il während einer Zugreise an einem Herzinfarkt. Am 19. Dezember verkündete eine Nachrichtensprecherin unter Tränen offiziell den Tod des «geliebten Führers». (19. Dezember 2011)
Am 17. Dezember 2011 starb Kim Jong-il während einer Zugreise an einem Herzinfarkt. Am 19. Dezember verkündete eine Nachrichtensprecherin unter Tränen offiziell den Tod des «geliebten Führers». (19. Dezember 2011)
Reuters
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Nordkorea hat offenbar wenige Stunden nach der Bekanntgabe des Todes von Machthaber Kim Jong-il eine Kurzstreckenrakete getestet. Das meldete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap heute unter Berufung auf Regierungskreise.

Demnach fand der Raketentest vor der Ostküste Nordkoreas statt. Yonhap zufolge bestätigte ein südkoreanischer Regierungsvertreter den Test, erklärte jedoch, es gebe vermutlich keinen Zusammenhang zwischen dem Test und der Bekanntgabe von Kims Tod.

Die Nachricht vom Tode des nordkoreanischen Staatschefs weckte Befürchtungen über eine Destabilisierung der Region. Südkorea versetzte seine Streitkräfte umgehend in höchste Alarmbereitschaft.

Zwiespältige Reaktionen

Nordkorea hat das Volk zu Unterstützung von Kims Sohn und mutmasslichem Nachfolger, Kim Jong-un, aufgerufen. Die Nachricht vom Tod des nordkoreanischen Machthabers traf im Westen auf zwiespältige Reaktionen. Der Tod könne die Region destabilisieren, aber auch eine Chance auf einen diplomatischen Neuanfang darstellen, hiess es. Südkorea versetzte seine Streitkräfte unterdessen in höchste Alarmbereitschaft. US-Präsident Barack Obama und der südkoreanische Präsident Lee Myung Bak wollten die Entwicklungen genau verfolgen.

«Das könnte ein Wendepunkt für Nordkorea sein», reagierte der britische Aussenminister William Hague auf die Todesnachricht. Nordkorea solle nun die «notwendigen Schritte einleiten», um die internationalen Gespräche über eine Einstellung des Atomprogramms wieder aufzunehmen. Der australische Aussenminister Kevin Rudd sagte, Kims Tod sei «eine Möglichkeit für das nordkoreanische Regime, (...) in die internationale Gemeinschaft aufgenommen zu werden.»

Tod während einer «Feldinspektion»

Das nordkoreanische Staatsfernsehen gab den Tod von Kim Jong-il heute in einer Sondersendung aus der Hauptstadt Pyongyang bekannt. Demnach starb Kim bereits am Samstag in einem Zug an Herzversagen, als er im Rahmen einer «Feldinspektion» unterwegs war. Eine am Sonntag erfolgte Autopsie habe die Todesursache bestätigt. Kim wurde offiziellen Angaben zufolge 69 Jahre alt.

«Es ist der grösste Verlust für unsere Partei und der grösste Trauerfall für unser Volk», erklärte eine in schwarz gekleidete Nachrichtensprecherin unter Tränen. Das Land müsse «unsere Traurigkeit nun in Stärke umwandeln und unsere Schwierigkeiten überwinden.»

In einer Erklärung, die von der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreitet wurde, hiess es: «Das Herz von Kim Jong-il hörte auf zu schlagen, aber unser Heer und Volk wird sich immer an seinen noblen und erhabenen Namen und sein wohlwollendes Image erinnern.»

«Bitte kommen Sie zurück, General»

Auf den Strassen von Pyongyang brachen Menschen in Tränen aus, als sie vom Tod ihres «lieben Generals» erfuhren. «Wie konnte der Himmel so grausam sein?» rief eine nicht näher identifizierte Frau im nordkoreanischen Staatsfernsehen. «Bitte kommen Sie zurück, General. Wir können nicht glauben, dass Sie fort sind.»

Unterdessen gab es deutliche Hinweise darauf, dass Kim Jong Ils jüngster Sohn Kim Jong Un die Nachfolge seines Vaters antreten würde. In einer Mitteilung Nordkoreas hiess es, das Volk und das Militär hätten «sich dazu verpflichtet, die Führerschaft von Kamerad Kim Jong Un aufrechtzuerhalten». Er sei ein «grosser Nachfolger» der nordkoreanischen revolutionären Philosophie der Autarkie.

Kim Jong-il hatte seinen jüngsten Sohn bereits im Herbst 2010 auf seine Rolle als Nachfolger vorbereitet und ihm ranghohe Ämter übertragen. Kim Jong-il selbst hatte nach dem Tod seines Vaters und Staatsgründers Kim Il Sung die Macht übernommen. Über den dritten Sohn des verstorbenen Machthabers ist nur wenig bekannt. Kim Jong Un, der zwischen 20 und 30 Jahre alt sein soll, begleitete seinen Vater im vergangenen Jahr bei dessen Reisen durchs Land.

Man glaubt zu wissen, dass er einige Jahre lang in Bern eine Privatschule besucht haben soll. Erst als der nun im Alter von 69 Jahren verstorbene Vater den 1982, 83 oder 84 Geborenen selbst ins Rampenlicht holte, wurden zudem Fotos des Sohnes veröffentlicht.

Ob Kim Junior die Macht erben wird, ist offen. «Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass es in Nordkorea zu einem Machtkampf an der Spitze kommt», sagte Chung Young Tae vom südkoreanischen Institut für Nationale Wiedervereinigung. Auch Kim Jong Ils Schwester und ihr Mann hätten wichtige Posten inne.

Zukunft von Atomgesprächen mit Nordkorea ungewiss

Der Tod von Kim Jong-il könnte die Bemühungen der USA und anderer Staaten zurückwerfen, Pyongyang zur Aufgabe seines Atomwaffenprogramms zu bewegen. Das Weisse Haus teilte mit, die Berichte über Kims Tod würden genau verfolgt. Aus US-Beamtenkreisen verlautete, die Regierung von Obama könnte Entscheidungen über eine Wiedereinbindung Nordkoreas in Atomgespräche sowie die Versorgung des Landes mit Lebensmittelhilfen verschieben. Zuvor war erwartet worden, dass die USA noch in dieser Woche diesbezüglich entscheiden würden.

Beamte erklärten, die USA seien besonders über etwaige Veränderungen besorgt, die der Tod Kim Jong Ils für die militärische Haltung Nord- und Südkoreas nach sich ziehen könnte.

Südkorea in Alarmbereitschaft

Angesichts der andauernden Spannungen mit dem Norden versetzte Südkorea seine Streitkräfte nach Bekanntgabe des Todes des nordkoreanischen Machthabers in «höchste Alarmbereitschaft», wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Präsident Lee berief ein Treffen des nationalen Sicherheitsstabs ein.

China sprach Nordkorea unterdessen sein «aufrichtiges Beileid» aus. Peking sei schockiert über Kims Tod und sende dem nordkoreanischen Volk «herzliche Grüsse», sagte der Sprecher des chinesischen Aussenministeriums, Ma Zhaoxu. China gilt als engster Verbündeter des international weitgehend isolierten Regimes in Nordkorea und unterstützt das Nachbarland regelmässig mit Nahrungsmittel- und Benzinlieferungen.

Victor Cha vom Center for Strategic and International Studies in Washington sagte: «Wenn jemand gefragt hätte, was wäre das wahrscheinlichste Szenario, unter dem das Regime in Nordkorea zusammenbrechen würde, wäre die Antwort bis gestern gewesen: der plötzliche Tod von Kim Jung Il. Und nun ist dieses Szenario eingetreten, und niemand weiss, wie es jetzt weitergeht.»

SDA/kle

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