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Video: Der neue UBS-Chef

Sergio Ermotti nimmt definitiv Platz auf dem Chefsessel der UBS – und die Aktie taucht. Analysten beziehen gegenüber Redaktion Tamedia Stellung.

Vom designierten zum definitiven Chef der Schweizer Grossbank: UBS-Chef Sergio Ermotti.

Sergio Ermotti wird zum Chef der Schweizer Grossbank UBS ernannt – und die UBS-Aktie taucht. Und das um fast drei Prozent an diesem Vormittag. Das ist wohl nicht die beste Visitenkarte für den bisherigen Interimschef der Universalbank. Ein Analyst von Helvea, einer Beratungsfirma für institutionelle Anleger, bringt die Enttäuschung im Markt auf den Punkt: «Ermotti ist nicht das Schwergewicht in der Finanzbranche, das man sich erhofft hat.»

Das erkläre auch den leichten Rückgang beim Aktienkurs. Dass dieser nicht noch stärker ausfällt, habe wohl damit zu tun, dass die Ernennung Ermottis zum Vorstandschef der UBS nicht ganz überraschend kommt. Der Bankenanalyst der ZKB, Andreas Venditti relativiert die Auswirkungen der Vorstandswahl auf die UBS-Aktie etwas: «Die Schweizer Banken können sich dem Sog nicht entziehen, dass die Bankentitel sowohl in den USA als auch in Europa unter Druck stehen.»

Klare Strategie

Bezüglich der strategischen Zukunft der UBS sind sich die Investoren im Klaren: Die Strategie der Grossbank hat sich in den vergangenen Monaten, nach vereinzelten Milliardenverlusten und dem Abgang von Ermottis Vorgänger Oswald Grübel, verändert. Zuvor wollte sich die UBS im Investmentbanking mit den ganz Grossen á la Morgan Stanley messen. Dafür wäre Ermotti aber nicht der Richtige gewesen, meint ein Helvea-Analyst. Jetzt wird der Geschäftsbereich geschrumpft; in welcher Form das geschehen soll, wird am 17. November am Investorentag in New York von Ermotti persönlich bekannt gegeben. Dafür sei Ermotti der richtige Mann, sind sich die meisten Analysten einig.

Die Medienreaktionen auf die Wahl Ermottis zum UBS-Chef sind durchwachsen. Vom Wall Street Journal über die Financial Times Deutschland (FTD) bis hin zum Handelsblatt sind sich einschlägige Gazetten einig: Die Wahl Ermottis zum UBS-Chef kam nicht überraschend.

Allerdings wird seine Wahl höchst unterschiedlich interpretiert. Während das Handelsblatt Ermotti als Mann fürs Grobe positioniert – er habe in seiner Zeit bei der Unicredit ab 2005 bei der HVB aufgeräumt und davor bei Merrill Lynch Erfahrung im Investmentbanking gesammelt – stützt ein Bericht der Financial Times Deutschland das Argument der Analysten, dass Ermotti einen defensiven Kurs fahren werde. So heisst es bei der FTD, die UBS werde sich unter Ermotti auf die Vermögensverwaltung für vermögende Privatkunden und weiterhin auf das Schweizer Universalbankgeschäft konzentrieren.

Die Qualitäten eines Managers

Dem von einigen Anlegern geforderten Ausstieg aus dem Investmentbanking erteilte Ermotti damit eine Absage: «Eine fokussierte, weniger komplexe und weniger kapitalintensive Investment Bank und unser Asset Management sind zentrale Elemente für den Ausbau unserer Marktstellung im Wealth Management.» Bankenanalyst Venditti interpretiert das so: «Das Umfeld hat sich seit 2009 deutlich verschlechtert. Der Anstoss zur Expansion kam von Vorgänger Oswald Grübel, da hat die Lage noch anders ausgesehen.» Jetzt behaupten böse Zungen, Ermotti sei nicht der Visionär, sondern der Abwickler. Ermotti selbst hat das bei der heutigen Pressekonferenz so beantwortet: «Am Schluss kommt es auf die Qualitäten eines Managers an.»

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