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Video: Thaci unter Verdacht

Der Europarat fordert nach der Publikation des Berichts zum illegalen Organhandel rechtliche Schritte. Auch Hauptermittler Dick Marty sieht sich mit einer möglichen Anklage konfrontiert.

Nach der Publikation des Berichts des Europaratsermittlers Dick Marty zu illegalem Organhandel im Kosovo hat der Rechtsausschuss des Europarats (PACE) rechtliche Schritte gefordert. Es müsse «eine Reihe von nationalen und internationalen Ermittlungen» eingeleitet werden, verlangt der Ausschuss in einer Resolution.

Die schweren Vorwürfe zur «Zusammenarbeit krimineller Gruppen und politischer Kreise» beim Organhandel, dem Verschwindenlassen von Personen und der Korruption müssten rechtlich aufgeklärt werden, forderten die Europarats-Abgeordneten am Donnerstag in der einstimmig verabschiedeten Resolution.

Untersuchungen sollen fortgesetzt werden

Der Ausschuss forderte insbesondere die EU-Mission im Kosovo EULEX auf, die Untersuchungen zu diesen Verbrechen beharrlich fortzusetzen. Die EU-Staaten sollen EULEX dabei mit entsprechenden Ressourcen und politischer Unterstützung helfen. Auch die Justizbehörden in Serbien, Albanien und dem Kosovo müssten in all diesen Ermittlungen «voll zusammenarbeiten».

Es gebe «zahlreiche konkrete und übereinstimmende Hinweise», dass serbische und albanische Gefangene von der UCK an geheimen Orten in Nordalbanien gefangenen gehalten und unmenschlicher und entwürdigender Behandlung unterzogen worden seien, hielten die Abgeordneten weiter fest.

Zahlreiche Hinweise

«Zahlreiche Hinweise scheinen zu bestätigen, dass in der Zeit kurz nach dem Ende des bewaffneten Konflikts (...) einigen Gefangenen in einer Klinik auf albanischen Territorium, nahe Fushë-Krujë, Organe entnommen wurden und für eine Transplantation ausser Landes geschafft wurden», heisst es in der Resolution.

Der Europarats-Ausschuss erhebt auch schwere Vorwürfe gegen die internationalen Organisationen im Kosovo, die zur Erlangung einer «kurzfristigen Stabilität» in der Unruheregion «einige wichtige Grundsätze der Gerechtigkeit geopfert haben».

Marty hatte in seinem Bericht kritisiert, dass Ministerpräsident Hashim Thaci und seine Rebellengruppe nach dem Konflikt als «unangreifbar» galten. Der Bericht soll am 25. Januar 2011 bei der nächsten Plenarsitzung der Parlamentarischen Versammlung des Europarats angenommen werden.

Mögliche Anklage gegen Marty

Doch auch Marty selbst muss mit einer Anklage rechnen: Ministerpräsident Hashim Thaci hat rechtliche Schritte gegen Dick Marty, den Sonderermittler des Europarats, angekündigt. Der Schweizer Parlamentarier hatte Thaci in einem Bericht der Beteiligung an illegalem Organhandel beschuldigt.

Nach Angaben eines Gewährsmannes der kosovarischen Regierung vom Donnerstag kontaktierte Thaci bereits Anwälte, um gegen Marty vorzugehen. Auch überlege Thaci, die britische Tageszeitung «Guardian», die den Bericht als erste publik machte, zu verklagen.

SDA/mrs

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