Taube Ohren

In dieser französischen Komödie entdeckt die Tochter gehörloser Eltern ihr talent zum Singen.

Paula (Louane Emera) wird von ihrem Musiklehrer gefördert.

Paula (Louane Emera) wird von ihrem Musiklehrer gefördert.

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Wenn Familienmitglieder sich am Frühstückstisch anschweigen und dabei sehr laut mit den Töpfen klappern, heisst das normalerweise, dass dicke Luft herrscht. Nicht so bei den Béliers; Vater (François ­Damiens), Mutter (Karin Viard) und Sohn sind gehörlos, nur die 16-jährige Tochter Paula (Louane Emera) ist es nicht. Das macht sie für ihre Eltern, mit denen sie in Gebärdensprache kommuniziert, zu einer unentbehrlichen Dolmetscherin. Sei es auf dem Wochenmarkt, wo die Milchbauernfamilie ihre Produkte verkauft, oder beim Gynäkologen, wo Paula den Scheidenpilz ihrer Mutter verhandeln muss.

Die Peinlichkeit, die Teenager natürlicherweise für ihre Eltern empfinden, wird durch solche Situationen potenziert, aber auch der familiäre Zusammenhalt. Doch der scheint plötzlich infrage gestellt, als Paulas Musiklehrer (sympathisches Ekelpaket: Eric Elmosino) ihr Gesangstalent entdeckt und sie zur Teilnahme an der Aufnahmeprüfung einer renommierten Musikschule in Paris animieren will.

Das Konzept, Minderheiten wohlwollend beim Drolligsein zuzusehen, haben die Franzosen zu einer wahren Goldgrube entwickelt. Auch die Coming-­of-Age-Geschichte «La famille Bélier» reiht sich in die Serie der Komödienschlager wie «Intouchables» oder «Qu’est-ce qu’on a fait au Bon Dieu?», welche die Lachmuskeln so erfolgreich massieren wie die Seele. Über­raschungsfrei und trotz mancher Derbheit immer ­liebenswürdig, reizt Regisseur Éric Lartigau alle Gelegenheiten zur Situationskomik aus. Den Rest besorgen der natürliche Charme von Castingshow-Ent­deckung Louane Emera und die Ohrwurmqualitäten der ­Chansons von Michel Sardou. Et voilà: Man verlässt das Kino mit einem wohligen Bauchgefühl.

Erstellt: 11.03.2015, 12:56 Uhr

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