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Geldblog: PortfoliostrukturTechaktien bieten auch künftig Kurschancen

Auch nach einem Ende der Corona-Pandemie werden Techtitel gefragt bleiben – die veränderten Lebensgewohnheiten lassen die Umsätze in diesem Bereich steigen.

Amazon, Alibaba: Viele Techunternehmen sind eigentliche Corona-Gewinner.
Amazon, Alibaba: Viele Techunternehmen sind eigentliche Corona-Gewinner.
Illustration: Christina Baeriswyl

Seit Corona-Impfstoffe angekündigt wurden, schichten viele Investoren ihr Portfolio um. Meinen Sie, dass der Technologiesektor nächstes Jahr weiterhin interessant bleibt? Leserfrage von S.C.

Ja, der Technologiesektor ist für die Anlegerinnen und Anleger auch künftig vielversprechend. Zwar sind viele Techunternehmen eigentliche Corona-Gewinner. Typische Beispiele sind die grossen, international tätigen Onlineversandhändler wie Amazon und die chinesische Konkurrentin Alibaba, oder die US-Software-Unternehmen Microsoft und Zoom, die mit ihren Videokonferenzdiensten in der Corona-Krise richtiggehend boomen, weil Sitzungen mit physischer Anwesenheit der Teilnehmer wegen der Pandemie problematisch sind. Auch die Streamingfirma Netflix oder digitale Gamefirmen wie Capcom aus Japan oder Grafikkartenproduzenten wie Nvidia konnten ihre Umsätze deutlich steigern, weil die Leute vermehrt zu Hause bleiben mussten.

Die nun angekündigten Impfstoffe gegen das Coronavirus geben uns allen künftig hoffentlich wieder mehr Spielraum für persönliche Treffen. Doch bis es soweit ist und sich unser gesellschaftliches Leben wieder normalisiert, dürfte noch einige Zeit vergehen. Selbst dann werden die Umsätze bei den heutigen Corona-Gewinnern nicht einfach einbrechen. Die Covid-19-Pandemie hat der Digitalisierung weltweit einen Schub verliehen. Das Rad werden wir mit dem Ende der Krise nicht einfach zurückdrehen.

Als Privatanleger fährt man meines Erachtens besser, wenn man sich auf langfristige Trends ausrichtet.

Auch nach der Pandemie werden weltweit wesentlich mehr Menschen online einkaufen, digital kommunizieren oder Medieninhalte herunterladen und konsumieren – und zwar ganz einfach darum, weil die langanhaltende Krise unseren Lebensalltag und unsere Gewohnheiten tiefgreifend verändert hat. Ich bin überzeugt, dass der digitale Trend und das damit verbundene Wachstum bei Techunternehmen nachhaltig sind. Techfirmen werden noch mehr an Bedeutung gewinnen, weil die Digitalisierung unserer Wirtschaft und Gesellschaft rasch voranschreitet. Dennoch ist es in einigen Märkten tatsächlich zu Portfolioumschichtungen gekommen – weg von Corona-Gewinnern, hin zu den bisherigen Corona-Verlierern.

Industrietitel und Finanzwerte wie Banken und Versicherungen sind wieder stärker gesucht und selbst Firmen aus dem Reisesektor wie Airlines, Flugzeughersteller oder Reisedetailhändler wie Dufry, deren Aktien in diesem Jahr dramatisch eingebrochen waren, sind auf Erholungskurs. Solche Depotumschichtungen sind in erster Linie für kurzfristig orientierte Profianleger relevant, die auf kurzfristige Trends setzen. Als Privatanleger fährt man meines Erachtens besser, wenn man sich auf langfristige Trends ausrichtet und sein Portfolio entsprechend bestückt – es sei denn, man wolle sich als kurzfristig orientierter Trader betätigen und nur spekulieren, was in den meisten Fällen aber schief geht.

Sie müssen durchaus damit rechnen, dass es nach dem langen Anstieg bei vielen US-Techaktien zeitweise auch mal zu stärkeren Rückschlägen kommt. Weil die Gewinnaussichten vieler Techunternehmen dank dem anhaltenden Trend zur Digitalisierung und Innovation viel versprechend bleiben, sehe ich auch künftig bei qualitativ guten Techunternehmen attraktive Kurschancen.