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KorruptionsvorwürfeTesla bezieht Kobalt aus einer umstrittenen Mine

Um den Rohstoff wetteifern Autohersteller. Der Schweizer Konzern Glencore zählt zu den Gewinnern. Doch die Vergangenheit der Mine ist heikel.

Tesla-Gründer Elon Musk: Die Firma setzt auf den Schweizer Rohstoffriesen Glencore als Lieferanten.
Tesla-Gründer Elon Musk: Die Firma setzt auf den Schweizer Rohstoffriesen Glencore als Lieferanten.
Foto: Reuters

Der E-Auto-Hersteller Tesla wächst rasant. Dafür braucht die Firma von Elon Musk Rohstoffe. Besonders wichtig ist Kobalt. Das silbergrau glänzende Metall wird für die wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Batterien der Autos benötigt. Wie die «Financial Times» meldet, wird der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore künftig die Tesla-Werke in Berlin und Shanghai mit 6000 Tonnen Kobalt beliefern. Glencore kommentiert die Meldung nicht. Dem Unternehmen nahestehende Personen bestätigen aber den Deal.

Dem Zuger Rohstoffriesen Glencore spielt der Tesla-Deal in die Karten. Die Firma will vom angestammten Kohlegeschäft unabhängiger werden. Glencore-Chef Ivan Glasenberg spricht schon länger davon, dass der Konzern vom Trend zum E-Auto profitieren wird. Nach Bekanntwerden der Meldung schoss der Aktienkurs von Glencore denn auch in die Höhe.

Kinderarbeit bei Kleinminen

Kobalt ist indes ein heikler Rohstoff. Denn 60 Prozent der weltweiten Produktion stammen aus der Demokratischen Republik Kongo, das Land verfügt über rund 50 Prozent der weltweiten Reserven. Glencore ist vor Ort der einzige Förderer aus Europa, der grosse Rest ist in der Hand von chinesischen Minengesellschaften. Diese geniessen in der Branche keinen guten Ruf. Der Schweizer Rohstoffhändler Trafigura ist mit einem lokalen Unternehmen eine Zusammenarbeit eingegangen, um Kobalt zu verkaufen, der aus kleineren Produktionsstätten stammt.

10 Prozent der Fördermenge im Kongo kommen aus dem Kleinbergbau, wo der Rohstoff von Hand abgebaut wird. Dort ist Kinderarbeit verbreitet, die Arbeitsbedingungen sind miserabel, und es kommt zu massiven Schäden an der Umwelt. Die grossen Autohersteller wollen aber eine möglichst saubere Lieferkette. Das saubere Image von E-Autos soll nicht durch eine zweifelhafte Lieferkette beschmutzt werden.

Die Auto- und Batteriehersteller können wegen der Corona-Krise nicht in den Kongo reisen und sich die Produktion vor Ort ansehen. Labels sollen ihnen daher versichern, dass ihr Kobalt aus einer sauberen Quelle kommt. Die deutsche Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat ein Zertifizierungssystem für Kobaltminen im Kongo lanciert. Glencore will sich bald von der Responsible-
Minerals-Initiative kontrollieren lassen.

60 Prozent des Kobalts kommen aus der Demokratischen Republik Kongo: Ein Arbeiter überwacht eine Anlage mit Kobaltbrocken.
60 Prozent des Kobalts kommen aus der Demokratischen Republik Kongo: Ein Arbeiter überwacht eine Anlage mit Kobaltbrocken.
Foto: AFP

Umstritten ist aber, wie Glencore zu den Lizenzen im Kongo kam. Im Dezember 2017 hat die NGO Public Eye bei der Bundesanwaltschaft Strafanzeige gegen den Rohstoffriesen erstattet. Es soll bei der Vergabe der Schürfrechte zu Veruntreuungen gekommen sein. Die Behörden in Grossbritannien und den USA haben Glencore deswegen auf dem Radar. Offen ist, wie es bei der hiesigen Bundesanwaltschaft aussieht. Eine Anfrage wurde bislang nicht beantwortet.

Wegen seiner Lieferkapazität ist Glencore für die Autoindustrie aber zentral: Die Kobaltmine von Glencore in der Provinz Katanga soll nach Fertigstellung etwa 30’000 Tonnen Kobalt pro Jahr produzieren. Aktuell liegt die Fördermenge bei 26’000 Tonnen Kobalt. Die Firma erwartet, dass der Markt bis 2025 einen Bedarf von über 200’000 Tonnen pro Jahr hat.

48 Kommentare
    vico

    Unsere Grünen wissen natürlich nichts von dieser Kinderarbeit und dem Gift,weil es nicht sein darf