Zum Hauptinhalt springen

Dieses System macht Patienten zu Versuchskaninchen

Zwei Professoren entwickelten das Rückenimplantat mit, das heute viele Patienten plagt. Sie sollten sich detailliert erklären.

MeinungCatherine Boss

Die Professoren Max Aebi und Thomas Steffen waren dabei, als die künstliche Bandscheibe Cadisc-L entwickelt wurde. Sie haben die Tierversuche dazu betreut und waren bei den Sitzungen des wissenschaftlichen Beirates der britischen Herstellerfirma Ranier Technology anwesend. Und sie stoppten den Start einer Studie an Menschen nicht. Patienten litten deshalb später Höllenqualen.

Sie haben sich bisher nur ungenügend erklärt. Es kann vorkommen, dass eine Entwicklung schiefläuft. Innovation gibt es nur, wenn man auch scheitern darf. Aber die beiden Experten müssen detailliert aufzeigen, warum es zu Versuchen mit Menschen kam, obwohl der Prototyp der Scheibe bei Tests mit Primaten versagte.

Sie müssen nachweisen, dass man nach den Tierversuchen anderweitig genügend belegen konnte, dass das Implantat sicher schien. Sie waren im Beraterstab der Firma, weil sie renommierte Professoren sind. Das wurden sie nur, weil ihnen Steuerzahler diese Karriere finanziert haben. Sie schulden der Öffentlichkeit Antworten.

Recherchen zeigen, dass die Firma das verheerende Resultat der Affenstudie bei der Prüfstelle, welche die CE-Marke für den Verkauf auf dem europäischen Markt vergab, gar nicht eingereicht hat. Die Primaten haben umsonst gelitten. Ihr Tod hat das Leiden von Patienten nicht verhindern können.

Sicherheit ist in privaten Händen

Die kranken Menschen in Europa sind einem System ausgeliefert, das zulässt, dass Hersteller mit unzulänglichen Studien Kosten minimieren, einzelne Forscher den Pfad wissenschaftlicher Standards verlassen und Prüfstellen ungenau kontrollieren. Dieses System macht Patienten zu Versuchskaninchen.

Die Sicherheit der Medizinprodukte ist heute in den Händen privater Prüfstellen und der Hersteller. Der Staat hält sich zurück. Das ist falsch, denn es gibt offensichtlich Firmen, denen das Problembewusstsein fehlt. Als die Europäische Arzneimittel-Agentur 2008 die Regeln verschärfen und die Prüfstellen verstaatlichen wollte, schrieb Ranier in der Vernehmlassung: Die Agentur versuche «Probleme zu lösen, die nicht existieren».

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch