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Schweizer Datenschützer warnenTiktok droht ein Verbot in den USA – die 5 wichtigsten Fragen

Nach Indien erwägen nun die Vereinigten Staaten ein Verbot der beliebten Video-App. Auch Schweizer Datenschützern ist bei der App aus China nicht ganz wohl.

Tiktok gehört dem chinesischen Unternehmen Bytedance. Wer dieses kontrolliert, ist nicht bekannt. Aufgrund von Datenschutzbedenken wollen die USA die beliebte Video-App nun verbieten.
Tiktok gehört dem chinesischen Unternehmen Bytedance. Wer dieses kontrolliert, ist nicht bekannt. Aufgrund von Datenschutzbedenken wollen die USA die beliebte Video-App nun verbieten.
REUTERS

Warum droht Tiktok ein Verbot in den USA?

Die US-Regierung bereitet laut übereinstimmenden Berichten ein Verbot der beliebten Video-App vor, die weltweit schon mehr als zwei Milliarden Mal heruntergeladen wurde (Lesen Sie hier, wie Tiktok-User dem mächtigsten Mann der Welt ihre Macht zeigen). Tiktok ist vor allem bei jugendlichen Nutzern im Teenager-Alter beliebt, die dort lustige Filmchen zum Beispiel mit Gesangsimitationen posten.

Auf den ersten Blick scheint das keine Gefahr für die Sicherheit der grössten Streitmacht der Welt darzustellen. Doch US-Aussenminister Mike Pompeo sieht das anders. Er hatte den Verdacht geäussert, dass Tiktok Nutzerdaten mit den chinesischen Behörden teilt. Schliesslich gehört Tiktok dem chinesischen Unternehmen Bytedance, von dem nicht bekannt ist, wer die Mehrheitseigentümer sind.

Immer wieder tauchen auch Zensurvorwürfe auf: Im November hatte die Plattform ein millionenfach angeschautes Video gelöscht, bei dem die Jugendliche Feroza Aziz über die chinesischen Internierungslager der Uiguren-Minderheit sprach. Ein allfälliges Verbot des sozialen Netzes ist aber ohne Zweifel auch vor dem Hintergrund des Handelskonflikts zwischen den USA und China zu sehen. Tiktok ist eine der wenigen Social-Media-Plattformen aus China, die Facebook & Co. gefährlich werden könnte.

Was sagt TikTok zu den Vorwürfen?

«Wir stellen der chinesischen Regierung keine Tiktok-Nutzerdaten zur Verfügung, haben dies nicht getan und werden dies auch auf Anfrage nicht tun», erklärte eine Unternehmenssprecherin. Die Nutzerdaten würden auf Servern in den USA gespeichert, die Sicherungsspeicherung erfolge in Singapur. Die Datenverarbeitung soll nach Europa verlegt werden: «Die Einheiten, die die Daten verarbeiten, werden Tiktok Ireland und TT UK sein», erklärte die Sprecherin. Tiktok selbst sei zudem in China gar nicht verfügbar.

Die Löschung des Videos über die Uiguren-Lager erklärte das Unternehmen als «Panne». Zur Frage, inwieweit Mitarbeiter in China Zugriff haben, erklärte sie: «Unser Ziel ist es, den Datenzugriff über die Regionen hinweg zu minimieren, sodass z.B. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Apac-Region, einschliesslich China, nur minimalen Zugang zu Daten aus der EU und den USA haben.» Im Transparenzbericht führt Tiktok aus, dass die Plattform im zweiten Halbjahr 2019 rund 50 Millionen Videos entfernt hat. Der häufigste Grund für das Entfernen mit einem Anteil von rund 25 Prozent ist, dass es sich um ein Sex-Video handelt.

Was sagen Schweizer Datenschützer?

Der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte rät zur Vorsicht. Er hat die chinesische Betreiberin der App bereits im vergangenen Jahr kontaktiert, «da die Nutzungsbestimmungen unklar sind», erklärt eine Sprecherin. So heisst es in der deutschsprachigen Datenschutzerklärung Tiktoks: «Ihre Daten geben wir ggf. auch an andere verbundene Unternehmen unserer Unternehmensgruppe weiter.» Damit könnten also auch Datentransfers an die chinesische Mutter Bytedance gemeint sein.

Das Büro des Datenschutzbeauftragten betont: «Wir weisen darauf hin, dass das Datenschutzniveau von China nicht unseren Anforderungen entspricht.» Einen konkreten Anlass für ein Verbot gäbe es «derzeit» aber nicht. «Dass in China eine Plattform ohne Involvierung des Staates so gross werden kann, ist für mich unvorstellbar», sagte auch Daniel Koss, Gründer und Chef der Influencer-Marketingagentur Yxterix.

Kritisch ist auch Ursula Sury, Informatik-Professorin der Hochschule Luzern. «Es scheint klar, dass China an jeglichen Informationen über die USA interessiert ist. Tiktok ist einer der Wege, um an diese Informationen zu kommen», meint die Expertin. Vermutlich gehe es China um weit mehr als Persönlichkeitsprofile. Es sei aber schwierig zu beurteilen, welche Art von Data Intelligence aus den Tiktok-Informationen gezogen werden könne.

Welche Daten sammelt Tiktok?

Laut einem Test der Fachzeitschrift «Computer Bild» nimmt sich Tiktok vielerlei Rechte auf dem Smartphone. Die App weiss, welches Gerät in welchem WLAN genutzt wird und kann auf die Standortlokalisierung zurückgreifen. Zudem sammelt die App Daten, welche Filme ein Nutzer anschaut. Nutzer berichteten davon, dass Tiktok sogar die Zwischenablage ausliest. Das soll inzwischen abgestellt worden sein. Das Sicherheitsunternehmen Avira konnte indes keine «Geheimtür» in der App finden, die Datensammlung sei indes umfangreich. Kritisch bleibe, dass am Ende nicht klar sei, mit wem alles Tiktok diese Daten austauscht.

Welche Folgen hätte ein US-Verbot?

Den Berichten zufolge erwägt die US-Regierung, Tiktoks Muttergesellschaft Bytedance auf eine schwarze Liste zu setzen. Dann wäre es US-Firmen wie Apple oder Google verboten, mit Tiktok in Software-Fragen zusammenzuarbeiten. Apple dürfte dann keine Updates von Tiktok im Appstore bereitstellen. Allein schon die Debatte um ein Verbot dürfte Tiktok schaden, denn das Unternehmen fängt gerade erst an, seine Nutzerkontakte über Werbung zu Geld machen zu wollen. Nun dürften potenzielle Werbekunden zögern. Um einem Verbot zu entgehen, erwägt Tiktok, den Firmensitz ausserhalb Chinas zu verlagern.

8 Kommentare
    August

    Mir scheint die USA möchte der einzige Staat sein der uns ausspioniert