Zum Hauptinhalt springen

FCZ-Gala gegen LausanneToni Domgjoni, Torschützenkönig

Nach einem 0:4 gegen Lausanne musste Ludovic Magnin den Posten als Trainer des FC Zürich räumen. Jetzt bezwingt der FCZ denselben Gegner 4:0 und beweist, was er unter Massimo Rizzo alles gelernt hat.

Toni Domgjoni schiesst das 1:0 gegen Lausanne und steht für den neuen FCZ: Sehr abgeklärt, sehr ruhig.
Toni Domgjoni schiesst das 1:0 gegen Lausanne und steht für den neuen FCZ: Sehr abgeklärt, sehr ruhig.
Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Von weit her hallt es. Die Rufer stehen ausserhalb des Stadions, es sind die treusten Anhänger, und sie rufen immer wieder. «Toni Domgjoni! Torschützenkönig Toni Domgjoni Es sind Huldigungen.

Dieser Toni Domgjoni winkt den freundlichen Rufern, das Spiel ist vorbei, der Gruss wirkt scheu, das Prädikat Torschützenkönig ist neu für ihn. «Ich kenne die Fans nicht, habe ihnen einmal das Leibchen gegeben, aber es ist schon sehr cool.»

Domgjoni ist der Unauffällige in der Mannschaft des FCZ, der Leise, der Zuverlässige, der Sechser, der schon einmal für ein ganzes Spiel unten im Maschinenraum verschwindet. Man vergisst dann schnell einmal, dass die Nummer 14 auf dem Platz stehtman tut ihm Unrecht. Denn spielt er einmal nicht, dann fehlt etwas, die FCZ-Maschine beginnt zu stottern.

Zwei sehr hübsche Tore

In diesen Tagen ist das aber anders. Auf dem Telegramm steht nicht nur, dass dieser Domgjoni eingestempelt hat, sein Name erscheint auch bei den Höhepunkten, bei den Toren. Gegen Genf traf er, sehr hübsch sogar. Gegen Lausanne schiesst er wieder einen Treffer. Volley zieht er am Strafraum ab, einem Strich gleich schlägt der Ball ein, auch sehr hübsch. Toni Domgjoni, Torschützenkönig.

Das Tor sagt einiges aus über den Zustand von Domgjoni. Normalerweise bewegt er sich im Mittelfeld, der gegnerische Strafraum gehört nicht zu seinem Stammterritorium, doch der Trainer habe ihn ermutigt, mehr dorthin zu gehen. Warum es ausgerechnet jetzt klappt? «Ich weiss es nicht.» Und so spricht er bald vom Selbstvertrauen, diesem Gefühl, so mächtig und diffus, das immer hilft, selbst dann, wenn man gerade nicht die richtigen Worte findet. Wenn man Selbstvertrauen habe, dann gehe alles ein bisschen einfacher, sagt Domgjoni.

Es geht sehr einfach gegen Lausanne. Der FCZ spielt, wie man es von ihm kennt. Vorsichtig, gut organisiert, abgeklärt. In den ersten Minuten versucht der Club es mit langen Bällen, es ist der Auftrag von Trainer Massimo «Safety First» Rizzo. Erst Sicherheit gewinnen, dann das Spiel kontrollieren. Der Matchplan sieht vor, über die Seite von Kololli anzugreifen, der schwächeren Seite von Lausanneund das klappt vorzüglich.

Benjamin Kololli ist gegen Lausanne ziemlich gut. Er bekommt Komplimente vom gegnerischen Trainer Giorgio Contini. Hier feiert er mit Adrian Winter sein 3:0.
Benjamin Kololli ist gegen Lausanne ziemlich gut. Er bekommt Komplimente vom gegnerischen Trainer Giorgio Contini. Hier feiert er mit Adrian Winter sein 3:0.
Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Vor acht Wochen verlor der FCZ gegen Lausanne 0:4, es war das letzte Spiel von Ludovic Magnin. Nun gewinnen die Zürcher mit demselben Resultat, in den letzten sechs Spielen haben sie viermal gewonnen, nur einmal verloren. Was ist anders?

Lausanne-Trainer Giorgio Contini muss als Direktbetroffener nicht lange überlegen. Er spricht von der besseren Ordnung und, Obacht, vom Selbstvertrauen. «Ein Benjamin Kololli ohne Selbstvertrauen und einer mit – das sind zwei verschiedene Spieler.» Will heissen: Dieser Kololli war ziemlich gut. Er ist kleiner als die grossen Innenverteidiger von Lausanne, doch die hohen Bälle landen bei ihm, er verteilt sie, er leitet Angriffe ein, und als er einmal nach einem glänzenden Pass von Fidan Aliti davonziehen kann, landet der Abpraller seines Schusses vor den Füssen von Aiyegun Tosin, dem Mittelstürmer. Es ist das 2:0so etwas wie eine Vorentscheidung.

Sie trotzen dem Imperativ dieser Zeit

Dann verwaltet der FCZ das Spiel, er neutralisiert den Gegner – eine Kernkompetenz von Toni Domgjoni. Wie das aussieht, zeigt sein Zusammenspiel mit Kollege Ousmane Doumbia. Sie lassen den Lausannern kaum Zeit und Luft. Die beiden spielen im Zentrum nebeneinander, reden Englisch miteinander und verweigern sich dem Imperativ unserer Zeit: Abstand halten. «Wir stehen kompakter, wollen kleine Distanzen zwischen uns», sagt Domgjoni. Ihre Ruhe, ihre Disziplin und ihre Uneigennützigkeit überträgt sich auf die Mitspieler.

Das geht so weit, dass Benjamin Kololli, das ist jener Spieler mit dem grossen Selbstvertrauen (andere sprechen ihm zudem eine gesunde Portion Egoismus zu), dass ebendieser Kololli kürzlich Assan Ceesay die Grundsätze von mannschaftsdienlichem Spiel erklärt hatte.