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VorstellungTrès chic und mit göttlichem Segen

Mit dem DS9 will die Citroën-Tochter Frankreich zurück in die automobile Oberliga führen.

Die Citroën-Tochter will mit dem DS9 «einen neuen Massstab für Premium-Limousinen» setzen.
Die Citroën-Tochter will mit dem DS9 «einen neuen Massstab für Premium-Limousinen» setzen.
Foto: DS Automobiles

Die legendäre Citroën DS (la Déesse = die Göttin) ist Geschichte, genau wie der Peugeot 607 oder der Renault Vel Satis. Doch jetzt wollen die Franzosen zurück in die gehobene Mittelklasse. Den Vorstoss wagt die noble Stellantis-Marke DS Automobiles, die sich vor fünf Jahren von Citroën emanzipiert und bislang vor allem mit schmucken SUV, Klein- und Kompaktwagen von sich reden gemacht hat. Aber weil genug nicht genug ist, schickt der kleine Hersteller aus dem grossen Konzern nun den DS9 gegen Konkurrenten wie den Fünfer-BMW oder die Mercedes E-Klasse ins Rennen. Inspiriert von der göttlichen DS19 aus den 1950ern und ab sofort zu Preisen ab 62'200 Franken bestellbar, soll er im Sommer auf die Strasse kommen und das Einerlei der deutschen Nobelhersteller mit viel Pariser Chic aufpeppen.

«Seit der Einführung der Marke DS im Jahr 2015 arbeitet unser Team begeistert an einem Ziel: eine grosse französische Limousine auf den Markt zu bringen», sagt DS-Chefin Béatrice Foucher. «Damit möchten wir einen neuen Massstab im Segment der Premium-Limousinen setzen und die französische Luxuskompetenz in einem Auto verkörpern.» Mit einer Länge von 4,93 Metern und einem Radstand von 2,90 Metern passt die in fliessenden Linien gezeichnete Stufenhecklimousine zwar perfekt ins Segment der gehobenen Mittelklasse. Spektakuläre Scheinwerfer, auffällige Rückleuchten und Positionslampen auf Höhe der Heckscheibe wie damals bei der originalen DS werden auch die Blicke einfangen. Doch denkt man sich den ganzen Zierrat weg, bleibt ein für den Hersteller erstaunlich mutloser Grundkörper, der auch als Toyota Camry durchgehen könnte und von der viel beschworenen Avantgarde der DS weit entfernt ist.

Viel Noblesse

Auch innen wirkt der DS9 auf den ersten Blick vergleichsweise konventionell. «Wir wollten eine Limousine entwerfen, die im Einklang mit der DNA von DS Automobiles steht, die aber auch alle Eigenschaften für einen Erfolg in diesem Segment besitzt», erklärt Designchef Thierry Metroz. Ein traditionelles Layout mit einem hohen Mitteltunnel und einem digitalen Cockpit mit animierten Instrumenten hinter dem Lenkrad und einem grossen Touchscreen daneben – die Verspieltheit der französischen Marke kommt im neuen Modell nur wenig zum Ausdruck. Bei genauer Betrachtung überrascht der DS 9 hingegen mit einem vornehmen Ambiente und viel Noblesse. Das gilt für die Materialauswahl genauso wie für die Gestaltung der Schalter, die eher an Kunsthandwerk vom Juwelier erinnern, oder die Polster der Sitze, die von den Gliederarmbändern edler Uhren inspiriert sind. Und die mechanische Uhr, die sich beim Anlassen aus dem Armaturenbrett dreht, ist nach wie vor eine Wucht.

Auch beim Komfort wollen die Franzosen neue Massstäbe setzen: Nicht umsonst gibt es ein adaptives Fahrwerk mit kamerabasierter Vorausschau sowie klimatisierte Massagesitze. Schon vom DS7 kennt man das Nachtsichtsystem, das dem Fahrer bei Dunkelheit die Augen öffnet und zugleich Fussgänger mit speziellen Markierungen markiert. Doch von einer E-Klasse ist der grosse Franzose so weit entfernt wie die Mercedes-Kantine vom Michelin-Stern: Das gilt bei allem Respekt nicht nur für Technik, Ambiente und Ausstattung, sondern auch für die Antriebe.

Made in China

Denn gerade viel fahrende Dienstwagenkunden dürften einen Diesel vermissen, und für den Status fehlt dem DS9 ein Sechszylindermotor. Stattdessen startet die Citroën-Tochter mit einem 1,6 Liter grossen Vierzylinder mit 225 PS. Als Alternative für einen Diesel gibt es einen Plug-in-Hybrid, der ebenfalls auf einem 1,6-Liter-Benziner fusst und die gleichen 225 PS leistet. Er kann theoretisch 48 Kilometer rein elektrisch fahren und drückt so den Normverbrauch von 5,6 auf 1,6 Liter pro 100 Kilometer. Später folgt als sportliches Topmodell ein weiterer Plug-in, allerdings mit zwei E-Motoren, 360 PS und Allradantrieb. Den wird der DS 9 brauchen können, denn gerade in diesem Segment ist 4x4 sehr gefragt.

Der Weg zurück in die Oberliga ist für die Franzosen nicht nur steinig und schwer, sondern auch verworren. Denn auch wenn die Citroën-Tochter ihrer Kundschaft Pariser Luxus und französischen Chic verspricht, kommt der neue DS 9 nicht etwa aus der Hauptstadt, sondern teilt das Schicksal mit vielen anderen noblen Accessoires und Modeartikeln: Genau wie die meisten Louis-Vuitton-Taschen und Dior-Brillen wird die neue Limousine nämlich in China produziert.

Auffällige Details wie die Positionslichter auf Höhe der Heckscheibe heben den DS9 von der Masse ab.
Auffällige Details wie die Positionslichter auf Höhe der Heckscheibe heben den DS9 von der Masse ab.
Foto: DS Automobiles
Innen wirkt der DS9 mit traditionellem Layout, hohem Mitteltunnel und digitalem Cockpit eher konventionell.
Innen wirkt der DS9 mit traditionellem Layout, hohem Mitteltunnel und digitalem Cockpit eher konventionell.
Foto: DS Automobiles
Bei einer Länge von 4,93 Metern und einem Radstand von 2,90 Metern finden die Insassen viel Platz.
Bei einer Länge von 4,93 Metern und einem Radstand von 2,90 Metern finden die Insassen viel Platz.
Foto: DS Automobiles
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4 Kommentare
    J.M. Bolfing

    Als einige der wenigen Luxusmarken produziert Louis Vuitton nicht in China. Die Taschen werden in Frankreich, Spanien oder den USA hergestellt.