Zum Hauptinhalt springen

Rechnung 2020 der Stadt ZürichTrotz Corona: Stadt macht doppelt so hohen Gewinn wie erwartet

174 Millionen Franken gibt die Stadt Zürich wegen Corona aus. Trotzdem geht es ihr finanziell gut. Sie macht 54,6 Millionen Franken vorwärts.

Weniger Steuern, mehr Ausgaben und trotzdem ein Gewinn: Finanzvorstand Daniel Leupi (Grüne).
Weniger Steuern, mehr Ausgaben und trotzdem ein Gewinn: Finanzvorstand Daniel Leupi (Grüne).
Foto: Anna-Tia Buss 

Auf dieses Resultat hätte kaum jemand gewettet. Denn finanziell sah es neblig aus für Zürich. 174 Millionen Franken hat die Stadt im vergangenen Jahr zusätzlich ausgegeben, um die Corona-Krise zu bewältigen. Dazu fielen fast 40 Millionen Franken an Steuern weg.

Und jetzt das: Am Dienstag stellte Finanzvorstand Daniel Leupi (Grüne) einen Jahresabschluss vor, der besser ausfällt als budgetiert. Vorgesehen war ein Plus von 27,1 Millionen Franken. Tatsächlich gibt es einen Überschuss von 54,6 Millionen Franken.

Das positive Resultat der Stadt erinnert an den Kanton Zürich. Dieser beendete das Pandemiejahr sogar mit einem Plus von 499 Millionen Franken.

Fast alle Ämter sparten

Der unerwartete Gewinn setzt sich aus zahlreichen Beträgen zusammen. So erhielt die Stadt mehr Geld aus dem Finanzausgleich. Dazu kamen Buchgewinne von Liegenschaften. Die Stadt musste für weniger Asylsuchende aufkommen als eingeplant. Wegen Bauverzögerungen und Projektverschiebungen fielen ebenfalls weniger Ausgaben an. Zudem haben die meisten Ämter besser abgeschlossen als budgetiert. Auch wurden nicht alle Corona-Nachtragskredite voll ausgeschöpft.

Die Steuereinnahmen blieben trotz der kleinen Einbusse hoch, sie belaufen sich auf fast 3 Milliarden Franken. Das Eigenkapital hat die Stadt auf 1,544 Milliarden ausgebaut. Sie konnte auch weiter Schulden abzahlen.

«Es war ein schwieriges Jahr, aber ich hatte nie schlaflose Nächte», sagt Daniel Leupi. Die Belastung durch Corona sei kleiner ausgefallen, als er im Mai glaubte. Die negativen finanziellen Auswirkungen der Pandemie könnten aber in den kommenden Jahren deutlicher durchschlagen. Dann dürften die Steuereinnahmen zurückgehen, sagt Leupi. Dank solidem Eigenkapital sei die Stadt aber gut gerüstet. «Wir sind handlungsfähig.»

Links-grün erfreut, bürgerlich besorgt

Die Linke wertete den Abschluss als Bestätigung der eigenen Finanzpolitik. Die gute finanzielle Situation gebe der Stadt den nötigen Spielraum, um Bevölkerung und Gewerbe in schwierigen Zeiten zu unterstützen, schreibt die SP in einer Mitteilung. Auch die Grünen sprechen sich dafür aus, die Hilfe für von der Pandemie betroffene Menschen weiterzuführen oder auszubauen. Die AL fordert ein Ersatzeinkommen für Selbstständige und prekär Beschäftigte.

Weniger erfreut klingen die Meldungen von Mitte-rechts. Die GLP warnt vor den langfristigen Einbussen, die wegen Corona anfallen. Der Stadtrat müsse seine Ausgaben überprüfen, die bisherigen Massnahmen reichten nicht. Die FDP blickt «mit grossen Sorgen in die Zukunft», die Stadt müsse eine «Verzichtsplanung» einleiten. Auch die SVP spricht von «düsteren» Aussichten, die Stadt gebe zu viel Geld aus und müsse ihren «finanziellen Fussabdruck verkleinern».

Für die nächsten Jahre rechnet Zürich mit Defiziten von 185 bis 240 Millionen Franken. Das liegt auch daran, dass wegen der nationalen Reform der Unternehmenssteuern Firmen künftig weniger Abgaben zahlen müssen.

33 Kommentare
    Steve Johnson

    So gern ich auch Rechtsparteien wählen würde, weil sich da viele erfolgreiche Unternehmer befinden, sehe ich mich immer wieder gezwungen, ihre Opposition(en) zu wählen. Zu viele rechte Politiker sind leider Lobbyisten und neigen dazu, nicht themenpolitisch, sondern für den eigenen Profit zu politisieren. Ausserdem sieht man immer wieder Neigungen der Rechten, die einstige paternalistische Kultur wieder aufzubauen. Wir Wähler müssen uns in Zukunft wirklich noch mehr Gedanken machen, wen wir wählen und wohin die Reise führen soll. Die vermeintlich Ahnungslosen, die Zürich politisch führen, zeigen, dass man trotz unternehmerischen Defiziten durchaus sehr erfolgreich sein kann. Dies, weil man mehr oder weniger für das Wohl der gesamten Bevölkerung arbeitet und nicht nur für einige Reichen und Superreichen.