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Üble Tweets der harten JungsTrotz Rassismus und Sexismus nimmt sie der Verband in Schutz

Argentiniens Rugby-Verband begnadigt drei seiner besten Spieler. Deren Aussage, Schwarze überfahren zu wollen, sei gar nicht so schlimm.

Am Dienstag wurde er suspendiert, am Donnerstag wurde die Strafe bereits wieder aufgehoben. Die Aussagen von Pablo Matera findet der Verband nicht so schlimm.
Am Dienstag wurde er suspendiert, am Donnerstag wurde die Strafe bereits wieder aufgehoben. Die Aussagen von Pablo Matera findet der Verband nicht so schlimm.
Foto: Brendon Thorne (Getty Images)

Die Social-Media-Posts sind krass. «Heute ist ein grossartiger Tag, um ein paar Schwarze zu überfahren», heisst es in einem. In anderen: «Südafrika Baby, immerhin kann ich dieses Land voller Schwarzer verlassen» oder «Der Bolivianer trägt iPod-Kopfhörer. Ausreichender Beweis, um ihn wegen Diebstahls und Verlusts einzusperren». Es sind aber nicht nur rassistische Posts, auch sexistische sind drunter. Zum Beispiel: «Die dicke Frau starrt mich an hahaha. Arme dicke Frau. Ich gebe meinen Platz nicht auf, das ist keine Schwangerschaft. Das zählt nicht.»

Geschrieben hat sie Pablo Matera. Matera ist Captain der argentinischen Rugby-Nationalmannschaft, der stärkste Spieler einer Mannschaft, die zu den Besten der Welt zählt. Veröffentlicht hat er die oben genannten Posts und viele weitere, die genauso sexistisch und rassistisch sind, zwischen 2011 und 2013. Doch erst jetzt wurden sie bekannt. Argentinische Medien stiessen darauf und veröffentlichten sie. Und sie publizierten nicht nur Posts von Matera. Nein. Auch von zwei seiner Mitspieler: Guido Petti und Santiago Socino.

Mitspieler will «separate Busse für Schwarze»

Insbesondere die von Socino veröffentlichten Sätze sind noch verwerflicher als jene von Matera. Socino schrieb etwa, dass man aus den jüdischen Fans eines Fussballclubs in Buenos Aires Seife machen würde, wenn man mal wieder jemanden wie Hitler an der Regierung hätte. Oder: «Ich bin nicht für die Apartheid, aber können wir separate Busse für die Schwarzen einführen, die laute Musik hören?»

Der argentinische Rugby-Verband reagierte umgehend. Als in den Medien und in der Öffentlichkeit am Dienstag ein Shitstorm losging, suspendierte er den Nationalmannschafts-Captain sowie seine zwei Mitspieler. Forderte sie auf, sich zu entschuldigen. Was sie dann auch taten. Zumindest halbwegs. Socino meinte, es seien Jugendsünden gewesen. Matera sagte: «Ich übernehme die Verantwortung. Ich schäme mich und möchte mich bei allen entschuldigen, die ich allenfalls mit meinen Tweets beleidigt habe.»

Ende der Geschichte? Mitnichten. Am Donnerstag, nur zwei Tage nach der Suspendierung, hebt der Verband die Strafe nämlich wieder auf. «Die Strafen sind unnötig und ungerechtfertigt. Wir haben daher beschlossen, die Sperre der drei Spieler aufzuheben. Sie sind wieder Teil des Teams», teilen die Argentinier per Communiqué mit. Und Mario Ledesma, der Coach der Nationalmannschaft, sagt: «Die drei sind grossartige Menschen. Den Hass der Gesellschaft haben sie nicht verdient. Sie leiden darunter. Das macht mich traurig. Sie haben sich ja entschuldigt.»

Team ehrte Diego Maradona nicht

Die Rolle rückwärts des Verbands überrascht. Nicht nur ist es eine 180-Grad-Kehrtwende, das Runterspielen der sexistischsten und rassistischen Posts giesst auch weiteres Öl ins Feuer. Argentinien ist ein zerrissenes Land. Wie in vielen Ländern Lateinamerikas stammt ein Grossteil der Bevölkerung von den Ureinwohnern Süd- und Mittelamerikas ab. Doch wirklich sichtbar ist das nicht, besetzen die wichtigen Positionen doch Weisse, Nachfahren der europäischen Eroberer. Und Rugby, das Spiel von Matera, Socino und Petti, ist ihre Sportart. Diejenige privilegierter Weisser.

Dass es nun gerade in diesem Sport einen Rassismus- und Sexismusskandal gibt, macht das Ganze also nicht besser. Zumal die argentinische Rugby-Nationalmannschaft sowieso schon in der Kritik steht. Als die Argentinier Ende November gegen das neuseeländische Team spielten, erwies dieses dem verstorbenen argentinischen Nationalhelden Maradona die Ehre mit einem Trikot und traditionellen Haka-Tanz. Und die Argentinier? Die taten im Gegensatz zu den Neuseeländern nichts. Die harten Jungs hielten nichts davon, Diego Maradona zu würdigen.

6 Kommentare
    Geraldine

    Ich bin entsetzte, weil es damals wie heute den Grundwerten des Rugby diametral widerspricht - die Aussagen, aber auch die lasche Haltung des Argentischen Verbandes.