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US-Präsident Donald Trump«Die Corona-Pandemie ist bald vorbei»

US-Präsident Donald Trump ist in Arizona aufgetreten. Derweil geht der Zwist zwischen ihm und dem Direktor des US-Instituts für Infektionskrankheiten, Anthony Fauci, in die nächste Runde.

«Die Leute haben die Pandemie satt»: US-Präsident Donald Trump in Arizona. (19. Oktober 2020)
«Die Leute haben die Pandemie satt»: US-Präsident Donald Trump in Arizona. (19. Oktober 2020)
Keystone/Rick D’Ella
«Wenn ich auf ihn gehört hätte, hätten wir 500’000 Tote»: Donald Trump (rechts) über Anthony Fauci. (Archivbild)
«Wenn ich auf ihn gehört hätte, hätten wir 500’000 Tote»: Donald Trump (rechts) über Anthony Fauci. (Archivbild)
Keystone/Alex Brandon
Doch Trumps Äusserungen provozieren auch Widerspruch in seiner eigenen republikanischen Partei.
Doch Trumps Äusserungen provozieren auch Widerspruch in seiner eigenen republikanischen Partei.
Keystone/Patrick Semansky
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Rund zwei Wochen vor der US-Wahl hat Präsident Donald Trump Stimmung gegen renommierte Gesundheitsexperten und die kritische Pandemie-Berichterstattung vieler Medien gemacht.

«Die Leute haben die Pandemie satt», sagte der Republikaner am Montag bei einem Wahlkampfauftritt im südwestlichen Bundesstaat Arizona. «Die Pandemie ist bald vorbei», versprach er seinen Anhängern – obwohl das im Widerspruch zur aktuellen Entwicklung in den USA steht, wo die Zahl der Neuinfektionen zuletzt wieder anstieg.

Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump den führenden US-Gesundheitsexperten Anthony Fauci Medienberichten zufolge als «Katastrophe» bezeichnet und ihm Fehler in der Pandemie vorgeworfen. Die vernichtende Kritik äusserte Trump nach Berichten des Senders CNN und der «New York Times» in einer Telefonschalte mit seinem Wahlkampfteam am Montag. «Wenn er im Fernsehen auftritt, gibt es immer eine Bombe, aber es gibt eine grössere Bombe, wenn man ihn feuert. Der Typ ist eine Katastrophe», sagte Trump nach Angaben der «New York Times». «Die Leute haben es satt, Fauci und diese Idioten zu hören, all diese Idioten, die Fehler gemacht haben.»

Trump sagte nach Angaben von CNN mit Blick auf Fauci: «Wenn ich auf ihn gehört hätte, hätten wir 500’000 Tote.» Die Zahl der Toten in den USA nach einer Infektion mit dem Coronavirus liegt derzeit bei rund 220’000. Seit Beginn der Pandemie haben sich mehr als acht Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten mit dem Virus angesteckt. Fauci ist Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten und Teil der Coronavirus-Arbeitsgruppe des Weissen Hauses.

Widerspruch provozierte Trump mit seinen Äusserungen auch in seiner eigenen republikanischen Partei. Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im US-Senat, Lamar Alexander, teilte auf Twitter mit, Fauci sei einer der angesehensten Beamten überhaupt und habe unter sechs US-Präsidenten gearbeitet. «Wenn mehr Amerikaner auf seinen Rat hören würden, hätten wir weniger Fälle von Covid-19.»

«Fauci ist ein netter Kerl»

In Umfragen stellt eine Mehrheit der Amerikaner Trump seit Monaten ein schlechtes Zeugnis für dessen Krisenmanagement in der Pandemie aus. Fauci geniesst in Befragungen deutlich mehr Vertrauen als Trump. Das Wahlkampfteam von Trumps demokratischem Herausforderer Joe Biden kritisierte, die Weigerung des Präsidenten, auf Wissenschaftler zu hören, habe die USA zu dem am schwersten von der Pandemie betroffenen Land weltweit gemacht.

Trump dementierte die Berichte nicht. Auf Twitter schrieb er mit Blick auf Fauci (79): «Alles, was ich von Tony verlange, ist, dass er bessere Entscheidungen trifft.» Bei einem Wahlkampfstopp in Phoenix im Bundesstaat Arizona sagte Trump: «Manchmal sagt er Dinge, die ein wenig danebenliegen und sich leider aufschaukeln, aber er ist ein netter Kerl, den ich mag.» Der Republikaner fügte mit Blick auf die lange Karriere des weltweit respektierten Immunologen hinzu: «Ich will ihm nicht wehtun, er ist seit ungefähr 350 Jahren da.»

Trump setzte seine Angriffe bei zwei Wahlkampfauftritten in Arizona fort. Die Menschen hätten es satt, dass Medien wie der liberale Sender CNN nur noch über die Pandemie sprächen, sagte Trump. Er warf CNN vor, so negativ über die Pandemie zu berichten, damit die Leute nicht zur Wahl gingen. «Die Leute kaufen Euch das nicht ab, CNN, ihr dummen Bastarde», sagte Trump unter dem Jubel seiner Anhänger.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden verurteilte Trumps Äusserungen zur Pandemie und dessen Kritik an Fauci. «Herr Präsident, Sie haben in einer Hinsicht Recht: Die Amerikaner haben es satt. Sie haben ihre Lügen über dieses Virus satt», erklärte Biden. «Sie haben es satt, zuzusehen wie noch mehr Amerikaner sterben und mehr ihre Jobs verlieren, weil Sie sich weigern, diese Pandemie ernst zu nehmen.»

Wahlkampfvideo kritisiert

Fauci hatte am Sonntag im Sender CBS gesagt, er sei «absolut nicht» überrascht gewesen, dass sich Trump mit dem Coronavirus infizierte. Mit Blick auf eine Veranstaltung mit Trump im Rosengarten des Weissen Hauses Ende vergangenen Monats sprach der Immunologe von einem «Superspreader-Event». Als er im Fernsehen gesehen habe, dass dort kaum Schutzmassnahmen beachtet wurden, habe er gedacht: «Es kann nichts Gutes dabei herauskommen.» Trump wiederholte am Montag, dass er nicht nur frei vom Coronavirus sei, sondern immun.

Fauci hatte CBS auch gesagt, dass das Weisse Haus seine Auftritte bei Sendern in der Pandemie kontrolliert habe. «Ich durfte sicher nicht auf viele, viele, viele Shows gehen, die mich angefragt haben.» Trump sagte: «Wir lassen ihn tun, was er tun möchte.» Fauci liebe es, im Fernsehen aufzutreten. Die Kommunikationsdirektorin des Weissen Hauses, Alyssa Farah, sagte dem Sender Fox News am Montag: «Es ist schwierig, den Fernseher anzuschalten und ihn nicht zu sehen.» Man versuche sicherlich nicht, ihn daran zu hindern, wichtige Informationen mit der Öffentlichkeit zu teilen.

Fauci kritisierte erneut, dass Trumps Wahlkampfteam eine Aussage von ihm ohne Genehmigung und sinnentstellend in einem Wahlwerbespot verwendet habe. Er sei darüber «richtig wütend» gewesen. Der Immunologe kritisierte auch, dass er wegen seiner Arbeit Todesdrohungen bekomme und seine Familie drangsaliert werde.

SDA/chk

42 Kommentare
    Patrick Egli

    ... einverstanden, und ab nächstem Jahr ist die Erde wieder eine Scheibe.