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Präsident drängt auf ÖffnungTrump verspricht «spektakuläre» Erholung der US-Wirtschaft

Infolge der Pandemie haben in den USA bereits mehr als 26 Millionen Menschen ihren Job verloren. Trotzdem rechnet der US-Präsident noch dieses Jahr mit Wirtschaftswachstum.

Freiwillige verteilen Toilettenartikel an Obdachlose während der Pandemie in Miami. (17. April 2020)
Freiwillige verteilen Toilettenartikel an Obdachlose während der Pandemie in Miami. (17. April 2020)
Keystone/AP Photo/Lynne Sladky

Trotz verheerender Schäden durch die Corona-Krise setzt US-Präsident Donald Trump auf eine rasante Erholung der Wirtschaft. Im dritten, vor allem aber im vierten Quartal werde es in den USA ein «spektakuläres» Wirtschaftswachstum geben, versprach Trump am Montagabend (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz im Rosengarten des Weissen Hauses an. Auch das kommende Jahr werde «phänomenal». Trump drang erneut auf eine baldige Wiederöffnung der Wirtschaft – die «schnell, aber sicher» erfolgen müsse.

Trumps Wirtschaftsberater Kevin Hassett hatte im Sender CNBC gesagt, im zweiten Quartal müssten sich die Amerikaner darauf einstellen, dass die US-Wirtschaft so stark wie seit der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er-Jahre nicht mehr schrumpfen werde. Im Mai könne die Arbeitslosenquote auf 16 bis 17 Prozent ansteigen. Im Februar hatte sie noch bei 3,5 Prozent gelegen, dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten. Infolge der Corona-Pandemie haben in den USA inzwischen mehr als 26 Millionen Menschen ihren Job verloren.

Der US-Präsident macht erneut China für die weltweite Verbreitung des neuartigen Coronavirus verantwortlich. Dort war das Virus zuerst festgestellt worden. «Wir sind nicht glücklich mit China», sagte Trump. Seine Regierung habe eine «ernste Untersuchung» begonnen, wie es zu der Ausbreitung des Virus habe kommen können. Es gebe «viele Wege», wie China zur Rechenschaft gezogen werden könnte, warnte er.

Trump kündigte an, die Test-Kapazitäten in den USA in den kommenden Tagen dramatisch auszuweiten. «Wir wollen unser Land öffnen», sagte er. Trumps Regierung ist seit Wochen wegen eines Mangels an Tests in der Kritik. «Wir machen viel mehr und bessere Tests als alle anderen Länder auf der Welt, aber die Medien beschweren sich immer nur», schrieb Trump am Dienstag auf Twitter. Eine Ausweitung der Test-Kapazitäten gilt als Voraussetzung für die Wiederöffnung der Wirtschaft. Vizepräsident Mike Pence sagte, bislang seien 5,4 Millionen Coronavirus-Tests durchgeführt worden. Die Regierung gehe davon aus, dass genug Tests vorhanden seien, damit Bundesstaaten in die erste Phase der Lockerung der Schutzmassnahmen eintreten könnten.

Donald Trump hatte Mitte April Richtlinien vorgestellt, um die Bundesstaaten in der Corona-Krise in drei Phasen auf den Weg zur Normalität zurückzuführen. Vor dem Eintritt in jede der Phasen sollen sie eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen. Unter anderem sollen die Bundesstaaten einen Rückgang der nachgewiesenen Infektionen über jeweils einen 14-tägigen Zeitraum verzeichnen. Mehrere Bundesstaaten kündigten eine Lockerung der Schutzmassnahmen an, darunter am Montag etwa der wichtige Bundesstaat Texas.

Am Montagabend sagte der US-Präsident: «Alle Teile des Landes sind entweder in guter Verfassung oder werden besser.» Die Strategie seiner Regierung, die Ausbreitung des Virus zu begrenzen, habe «zahllose Leben» gerettet, behauptete er. Bis Montagabend (Ortszeit) verzeichneten die USA rund 990 000 der weltweit mehr als drei Millionen bestätigten Infektionsfälle mit dem Virus. Infolge des Coronavirus kamen mehr als 56 000 Menschen in den USA ums Leben.

Der Republikaner wies Spekulationen seines demokratischen Herausforderers Joe Biden über eine mögliche Verschiebung des Termins für die Präsidentschaftswahl am 3. November wegen der Corona-Krise zurück. «Ich habe nie auch nur daran gedacht, den Wahltermin zu verschieben», sagte Trump. Trumps wichtigstes Wiederwahl-Argument war bis zur Corona-Krise die brummende US-Wirtschaft. Ex-Vizepräsident Biden hatte nach Angaben von Journalisten zuletzt gesagt, er glaube, Trump wolle den Wahltermin nach hinten verschieben, weil dieser sich nur so eine Chance auf einen Sieg ausrechne.

SDA