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Vertraute des Präsidenten plaudernTrump weiss, dass er verloren hat – wird es aber nie zugeben

Der US-Präsident wehrt sich vehement dagegen, seine Niederlage anzuerkennen. Stimmen aus dem Umfeld des 74-Jährigen zeigen, wie umstritten dessen Verhalten auch innerhalb seines Wahlkampfteams ist.

Gibt sich noch lange nicht geschlagen: US-Präsident Donald Trump zusammen mit Ex-Regierungsmitarbeitern und Vizepräsident Michael Pence (Mitte) im Oval Office.
Gibt sich noch lange nicht geschlagen: US-Präsident Donald Trump zusammen mit Ex-Regierungsmitarbeitern und Vizepräsident Michael Pence (Mitte) im Oval Office.
Foto: Drew Angerer (Getty Images) 

Als Donald Trump erfuhr, dass er die Wahl verloren hatte, kam er gerade auf seinem Golfplatz ausserhalb Washingtons an. Der noch amtierende US-Präsident liess sich nichts anmerken, spielte mit drei Kollegen eine Runde und posierte mit einem Hochzeitspaar. «Ihr seid jung, ihr seid schön. Habt ein grossartiges Leben», sagte er, während ihn anwesende Fans mit Liebesbekundungen eindeckten. So beschreiben US-Medien den Moment, als am Samstagmittag (Ortszeit) der Sieg von Joe Biden feststand.

Gegen aussen gab sich Trump locker, doch in ihm drin brodelte es. Der Präsident habe schon am Freitag gewusst, dass es für ihn nicht mehr zum Sieg reichen würde, sagten Personen aus seinem Umfeld zu CNN. Sein Gemütszustand habe seither zwischen Melancholie und Wut hin- und hergeschwankt. Trump weigere sich, das Verfassen einer Anerkennungsrede überhaupt in Erwägung zu ziehen obwohl er seine Niederlage im Privaten nicht abstreite.

Das steht im krassen Widerspruch zu seiner Kommunikation gegen aussen. Nur wenige Minuten nachdem Bidens Sieg festgestanden hatte, veröffentlichte Trumps Kampagnenteam ein vorbereitetes Statement, in dem der Präsident von Wahlbetrug spricht. Seither hat Trump mehrfach auf Twitter nachgelegt und die Vorwürfe wiederholt, allerdings ohne bisher Beweise dafür vorzubringen.

«Er sollte in Würde abtreten.»

Vertrauter von Trump

Gleichzeitig mehren sich in seinem Umfeld die Stimmen, die ihn zur Vernunft bringen wollen. Gemäss mehreren Quellen hat Schwiegersohn und Berater Jared Kushner versucht, Trump davon zu überzeugen, die Niederlage einzuräumen. Auch First Lady Melania Trump gehört laut CNN zur wachsenden Gruppe von Personen, die dem Präsidenten raten, das Resultat zu akzeptieren. «Er sollte in Würde abtreten», sagte ein Vertrauter zum Magazin «Politico».

In der Zwischenzeit geht innerhalb von Trumps Wahlkampfteam die Angst vor einer Eskalation der Lage um. Steigere sich Trump weiter in seine Wut hinein, könne dies seinem Vermächtnis und der Republikanischen Partei schaden, ist man besorgt. «Es braucht eine aufrichtige Diskussion mit dem Präsidenten. Es führt kein Weg zum Sieg», zitiert der Nachrichtensender NBC eine Trump nahestehende Person.

Anhänger bezweifeln Nutzen der Klagen

Momentan deutet wenig darauf hin, dass sich der 74-Jährige widerstandslos geschlagen geben wird. In mehreren Bundesstaaten sind noch Klagen hängig, von welchen einige schon abgewiesen worden sind. In einem Telefongespräch mit den wichtigsten Geldgebern der Kampagne kündigte das Trump-Team nach Angaben von «Politico» an, man brauche «mehrere zehn Millionen Dollar» zur Bewältigung der anstehenden Anwaltskosten.

Die meisten der Trump nahestehenden Personen gehen laut NBC allerdings nicht davon aus, dass die Rechtsstreitigkeiten etwas am Ergebnis ändern werden. Doch nur wenige, wenn überhaupt, würden ihm das direkt sagen. Die Resignation zeichnet sich vielmehr in den Handlungen mancher Akteure ab: So reist Vizepräsident Mike Pence am Dienstag für mehrere Tage nach Florida in die Ferien.

Zu einem Gespräch mit seinem Nachfolger – ähnlich demjenigen mit Barack Obama vor vier Jahren – wird sich Trump kaum überreden lassen.
Zu einem Gespräch mit seinem Nachfolger – ähnlich demjenigen mit Barack Obama vor vier Jahren – wird sich Trump kaum überreden lassen.
Foto: Win McNamee (Getty Images) 

Der weitere Verlauf bis zur Amtseinführung bleibt schwer vorauszusagen. Einerseits besteht die Gefahr, dass sich Trump in den nächsten Wochen so sehr auf seine Streitigkeiten mit den Wahlbehörden fokussiert, dass andere Regierungsgeschäfte auf der Strecke bleiben. «Wir haben die Möglichkeit, Dinge zu erledigen, und das sollte nicht vom Lärm übertönt werden, den Trump und seine Anwälte bisher gemacht haben», sagte ein hoher Verwaltungsbeamter.

Auf der anderen Seite steht die Frage: Was passiert am 20. Januar, wenn Joe Bidens Amtszeit offiziell beginnt? Wird sich Trump seinem Schicksal fügen? Was, wenn nicht? Einer seiner Berater rechnet zwar mit einer friedlichen Machtübergabe. Trump werde wohl Biden nicht mehr persönlich treffen und auch seine Amtseinführung auslassen, dem Führungswechsel jedoch nicht im Wege stehen, meinte er gegenüber «Politico».

«Er wird nie zugeben, dass er nicht gewonnen hat.»

Vertrauter von Trump

Andere Vertraute des Noch-Präsidenten hingegen sind weniger zuversichtlich, dass Trump einfach so eine Niederlage eingestehen wird. Sein Team plant bereits, erneute Wahlkampfveranstaltungen für die voraussichtlichen Nachzählungen in den Bundesstaaten, wo das Ergebnis knapp ausfällt, durchzuführen. Ein Trump-Vertrauter meinte laut NBC: «Er wird nie und nimmer zugeben, dass er nicht gewonnen hat.»

135 Kommentare
    eugen bissegger

    Die absolute Mehrheit der Kommentarschreiber will oder kann es einfach nicht begreifen, dass nicht die plus-Volkswahlstimmen den Präsidenten wählen!