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Harte politische Konfrontation in den USATrump zieht in den Kulturkampf – mit linker Hilfe

Der Präsident spaltet die USA ganz bewusst. Das demokratische Lager spielt ihm dabei in die Hände.

Rhetorisches Meisterwerk? Donald Trump bei seiner Rede zum Independence Day am Mount Rushmore.
Rhetorisches Meisterwerk? Donald Trump bei seiner Rede zum Independence Day am Mount Rushmore.
Foto: Keystone

Donald Trump hat mit zwei Auftritten rund um den Independence Day eine neue Phase seines Wahlkampfs eingeleitet – eine besonders hässliche. Aber sie hat System: Ein Präsident, der am Nationalfeiertag die Anti-Rassismus-Demonstranten als «wütende Mobs» und «Faschisten» beschimpft; ein Präsident, der seinen Gegnern vorwirft, «unsere Werte zu zerstören und unsere Kinder zu indoktrinieren» – ein solcher Präsident ist auf Spaltung aus. Was sonst?

Seine Verbündeten feiern seine Reden noch Tage danach als rhetorisches Meisterwerk. Ihnen genügt es, dass der Präsident ein paar der üblichen patriotischen Glaubenssätze einstreute, die zu jedem 4. Juli gehören, und dass er fehlerfrei die Namen einiger berühmter Afroamerikaner vom Teleprompter ablas. Seht her, kein Spalter! So sieht die intellektuelle Unredlichkeit aus, mit der Amerikas Konservative diesem Präsidenten begegnen.

Trump dagegen wusste genau, dass seine Auftritte bei seinen Gegnern einen kollektiven Aufschrei auslösen würden. Ihm ist es nur recht, wenn sich die Debatte nicht um sein Versagen bei der Corona-Pandemie dreht. Sondern um Statuen und Flaggen, Geschichtsbilder und Symbole, ein Kulturkampf eben: unser Amerika gegen eures. Das hat schon 2016 funktioniert, als Trump gegen Mexikaner und Muslime aus Übersee hetzte. Jetzt soll es wieder funktionieren – mit seinen Landsleuten als neuen Feindbildern.

Selbst viele Republikaner glauben, dass Trumps Eifer ihn in den Untergang führt.

Trumps Gegner sind überzeugt, dass der Präsident damit seine Wiederwahl nicht schaffen kann. Sie verweisen auf die breite Unterstützung für die Proteste und auf die Umfragen, wonach eine Mehrheit Trump jede Glaubwürdigkeit in diesen Fragen abspricht. Selbst viele Republikaner glauben, dass Trumps Eifer in dieser Sache ihn in den Untergang führt. Womöglich stimmt das sogar.

Doch es stimmt eben auch, dass sich die Debatte nicht mehr nur um die rassistischen Symbole der Sklavenhalter-Konföderation dreht. Längst sind auch die Gründerväter der USA ins Visier von progressiven Demonstranten und Kommentatoren geraten. Sie fordern, diese Männer zu demontieren – wörtlich und im übertragenen Sinn.

Diese Stimmen halten George Washington und Thomas Jefferson selbst für Rassisten, weil sie Sklaven besassen, und die Republik, die sie schufen, ist danach ein bis auf die Wurzeln unmoralisches und korruptes Gebilde – ein Gebilde, das man nicht feiern darf.

Stolz trotz der Makel

Das ist eine sehr einseitige Sicht auf die Geschichte, aber man liest sie inzwischen täglich in den linksliberalen Leitmedien und auf den Twitter-Konten einflussreicher Progressiver. Trump und seinen medialen Helfern spielt das in die Hände.

Die meisten Amerikaner ausserhalb der linken Twitter-Blase machen dagegen sehr wohl einen Unterschied zwischen den Anführern der Konföderation und einem George Washington – zwischen den rassistischen Figuren und Symbolen, die Trump auf groteske Art verteidigt, und jenen, auf die Amerika trotz ihrer Makel stolz sein kann.

Joe Biden weiss das und hat auf diesen Unterschied hingewiesen. Trotzdem läuft der demokratische Präsidentschaftskandidat Gefahr, von den schrillen Stimmen in seinem Lager übertönt zu werden. Das wäre bedauerlich. Es hilft den Demokraten nicht dabei, Trump von seinem Sockel zu stossen – und es dient auch nicht einer Debatte über die Geschichte, die glaubt, ohne Nuancen auszukommen. Genau wie Donald Trump.