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Demonstration in ZürichIllegale Aktion legte den Verkehr lahm

Weil die Quaibrücke durch Umweltaktivisten blockiert war, gab es für Trams und Autos während Stunden kein Durchkommen. Die Polizei griff unzimperlich durch.

Illegale Aktion auf der Quaibrücke: Eine Demonstrantin wird weggetragen.
Illegale Aktion auf der Quaibrücke: Eine Demonstrantin wird weggetragen.
Bild: KEYSTONE/Gaetan Bally

Mehrere hundert Demonstrantinnen und Demonstranten der Umweltgruppierung Extinction Rebellion haben am Samstagmittag die Zürcher Quaibrücke blockiert. Die Stadtpolizei ermahnte die Teilnehmenden zunächst mit Dialogteams und Lautsprecherwagen, die Brücke zu verlassen, fing dann aber kurz nach 14 Uhr damit an, die Aktivistinnen und Aktivisten einzeln von der Brücke zu begleiten oder zu tragen.

«Es gab passiven Widerstand», sagt Polizeisprecher Marc Surber auf Anfrage. Eine Bewilligung für die Demonstration habe es nicht gegeben. «Weil es sich um eine illegale Kundgebung handelt, haben wir alle Teilnehmenden kontrolliert und ihre Personalien aufgenommen.»

Wie die Polizei in einem Communiqué mitteilt, wurden gesamthaft 257 Personen kontrolliert, 5 von ihnen mussten auf die Polizeiwache. Eine 18-jährige Frau wird wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte der Staatsanwaltschaft zugeführt. Sämtliche kontrollierten Personen werden im Nachgang wegen verschieden Tatbeständen angezeigt, heisst es weiter.

Die Polizisten begannen kurz nach 14 Uhr die Brücke zu räumen.
Video: BRK News

Die Polizeikräfte seien bei der Räumung nicht zimperlich vorgegangen, sagt Klimaaktivist Dominik Waser. «Alles verlief friedlich und wir standen stets im Dialog mit den Einsatzkräften», sagt er, «dann haben sie plötzlich angefangen, Personen wegzutragen - zum Teil gewaltsam mit Griff ins Gesicht oder im Halsbereich.»

«Dass es beim Auflösen einer solchen Sitzblockade einen gewissen Kraftaufwand braucht, liegt in der Natur der Sache.»

Marc Surber, Sprecher Stadtpolizei Zürich

Die Aktivistinnen und Aktivisten seien ineinander verkeilt und mit Armen verhakt gewesen, erklärt der Polizeisprecher das Vorgehen. «Dass es beim Auflösen einer solchen Sitzblockade einen gewissen Kraftaufwand braucht, liegt in der Natur der Sache.» Die Demonstrierenden hätten den Platz jederzeit freiwillig verlaussen können. Zudem stehe es ihnen frei, Beschwerde einzureichen, sollten sie sich ungerecht behandelt gefühlt haben.

Aktion verlief weitgehend friedlich

Das dürfte allerdings schwierig sein, denn gemäss Waser seien einige Polizisten nicht mit Namensschildern im Einsatz gestanden und könnten so nicht namentlich genannt werden. «Das finde ich nicht korrekt - auch wenn unsere Aktion illegal ist.».

Unzimperliches Eingreifen: Polizisten bei der Räumung der Quaibrücke.
Unzimperliches Eingreifen: Polizisten bei der Räumung der Quaibrücke.
Foto: zvg

Die Umweltgruppe Extinction Rebellion hat am Samstag um 11.30 Uhr zur Aktion aufgerufen. Am Mittag haben einige Demonstrierende die Brückenköpfe der Quaibrücke blockiert – zunächst für den Autoverkehr, danach auch für die Trams. Der Verkehr musste umgeleitet werden.

Da weniger als 300 Personen – die Mehrheit von ihnen mit Gesichtsschutzmaske – an der Brückenblockade teilnahmen, machten sie sich nicht wegen Verstosses gegen die Covid-19-Verordnung strafbar. Es drohen aber Anzeigen wegen Störung des öffentlichen Verkehrs und allenfalls Nötigung, weil der Auto- und Tramverkehr durch die Demonstration unterbrochen wurde.

Kreative Aktion: Ein Kind bemalt den Strassenbelag
Kreative Aktion: Ein Kind bemalt den Strassenbelag
Bild: KEYSTONE/GAETAN BALLY

Die Demonstrierenden wollten mit ihrer Aktion daran erinnern, dass die Welt nach der Corona-Pandemie nun nicht «zurück zur Normalität» dürfe. Sonst könne der Klimakollaps nicht verhindert werden. Das Ganze ist weitgehend friedlich verlaufen. Es wurde Musik gespielt und es haben verschiedene Darbietungen stattgefunden, berichten Augenzeugen. Auch Familien mit Kindern waren dabei, die den Strassenbelag mit bunten Zeichnungen bemalt haben.

SDA/Tina Fassbind

214 Kommentare
    Jürgen Baumann

    Wie vorausgesagt, ist die Klimakrise wieder zurück. Da die Mehrzahl der Erwachsenen zwar die Erkenntnis hat, dass da was im Busch ist, aber immer noch keine Notwendigkeit sieht, innert Frist bis 2050, gerne auch viel eher, die Emissionen auf Null zu fahren, muss das wohl wieder ins Gedächtnis gerufen werden. Gut ist die junge Generation aufgewacht und macht sich wieder bemerkbar. Mehr davon!