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Unbekannter Lockenkopf löst Juncker ab

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Gilt als Vertreter des rechten Flügels der Partei der Arbeit (PvdA): Jeroen Dijsselbloem (r.) neben dem PvdA-Chef  Diederik Samsom (r.). (22. Oktober 2012)
Gegelte Locken, randlose Brille und flotte Sprüche: Mit  Dijsselbloem weht ein frischer Wind in der Eurogruppe.
Seine Nominierung war vor einem Jahr für viele eine Überraschung: Der neue Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem (r.) umarmt seinen Vorgänger Jean-Claude Juncker (l.). (18. Januar 2013)

Jeroen Dijsselbloem wird als herausragender Vermittler und schlauer Stratege beschrieben. Beides sind Eigenschaften, die dem niederländischen Finanzminister als Chef der Eurogruppe zugutekommen.

Dijssebloem wurde beim Treffen der Euro-Finanzministern zum neuen Gruppenchef ernannt. Der 46-Jährige Sozialdemokrat war der einzige Kandidat für die Nachfolge von Jean-Claude Juncker an der Spitze des wichtigsten Gremiums der Währungsunion.

Mit der Ernennung zum Chef der Eurogruppe legt der bisher weitgehend unbekannte Lockenkopf, der erst seit elf Wochen Finanzminister seines Landes ist, einen steilen Aufstieg hin.

Pluspunkt Nationalität

Für Dijsselbloem sprach vor allem dessen Nationalität. Die Niederlande mussten nicht unter den Euro-Rettungsschirm flüchten, gleichzeitig nimmt das Land aber auch nicht eine so dominante Stellung ein wie Deutschland.

Zudem sitzt derzeit kein Niederländer auf einem wichtigen EU-Finanzposten, wodurch die Ernennung Dijsselbloems Europas komplizierte Machtstatik nicht durcheinanderbringt.

Verfechter ausgeglichener Haushalte

Ein wichtiger Grund für die Zustimmung der deutschen Regierung zu der Personalie Dijsselbloem war der Umstand, dass die Niederlande ausserdem zu dem kleinen Kreis der Euro-Staaten gehören, deren Finanzlage noch mit der Spitzennote AAA bewertet wird.

Und Dijsselbloem gilt als Vertreter des rechten Flügels seiner Partei der Arbeit (PvdA) zu den Verfechtern ausgeglichener Haushalte und Sparmassnahmen. «Ich werde mich für solide Staatsfinanzen, eine weitere Regulierung des Finanzsektors und ein starkes Europa einsetzen», kündigte der zweifache Vater auf der Internetseite seiner Regierung an.

Reservierte Persönlichkeit

Dijsselbloem wird als persönlich bisweilen reserviert beschrieben. Er ist ein Liebhaber der Musik des Jazz-Trompeters Miles Davis und der britischen Komikertruppe Monty Python. Wie Dijsselbloem die Eurogruppe führen und zwischen den sich oft widersprechenden Interessen etwa von Geberländern und Hilfsempfängern vermitteln will, ist offen.

«Dijsselbloem ist ein unbeschriebenes Blatt», sagt der Wirtschaftsexperte Bas Jacobs von der Universität Rotterdam. Seine wirtschafts- und finanzpolitische Vision habe Dijsselbloem noch nicht dargelegt - was auch Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici in der vergangenen Woche kritisierte.

Bereits Dijsselbloems Berufung zum Finanzminister war daher nach Einschätzung von Jacobs «eine Überraschung» - denn bisher sammelte der 46-Jährige Erfahrungen in der Landwirtschafts-, Jugend- und Bildungspolitik.

Studium der Agrarökonomie

Sein Interesse für die Politik entdeckte der aus einer katholischen Lehrerfamilie stammende Dijsselbloem, als er trotz eines Verbots seiner Eltern zu Beginn der 80er Jahre an einer Demonstration gegen die Stationierung von Raketen in den Niederlanden teilnahm.

Nach der Matura studierte Dijsselbloem Agrarökonomie an der Universität von Wageningen und forschte zeitweilig im irischen Cork. Im Anschluss startete er eine Parteikarriere, die ihn 1992 als Mitarbeiter der PvdA ins Europäische Parlament und schliesslich ins niederländische Abgeordnetenhaus führte.

In den eigenen Reihen erarbeitete sich der schmalgesichtige Brillenträger einen Ruf als kompetenter Parteistratege, der seine Arbeit gewissenhaft und fern der Medienaufmerksamkeit erledigt.

Als Vorsitzender eines Parlamentsausschusses habe Dijsselbloem bewiesen, dass er «andere aussprechen lassen und ihnen zuhören kann», berichtet ein früheres Mitglied des Gremiums. Dem nach acht Jahren aus dem Amt scheidende Juncker dürfte dies gefallen. Auf dem Posten bedürfe es eines guten Zuhörers, sagte der Luxemburger kürzlich. Und allgemein hätten Politiker aus kleineren Staaten die «grösseren Ohren».

AFP/wid