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Barça-Star unter BeschussUnd anderthalb Jahre später sagt Griezmann «basta!»

Ein Fehltransfer. Überbewertet. Von Messi gemobbt. Antoine Griezmann liest fast täglich schlechte News über sich. Also sieht er sich gezwungen aufzuräumen – und verteilt ein paar Seitenhiebe.

Hat es schwer bei Barça: Der französische Weltmeister Antoine Griezmann.
Hat es schwer bei Barça: Der französische Weltmeister Antoine Griezmann.
Bild: Getty Images

Es brauchte viel. Mehr als nur die ständige Kritik an seinen Leistungen, seit Antoine Griezmann im Sommer 2019 von Atlético Madrid zum FC Barcelona gewechselt hat. Auch mehr als ein paar lose Gerüchte, wonach er und Lionel Messi in der Barça-Kabine einen stillen Hahnenkampf austragen würden. Nein, das alles reichte nicht, damit Griezmann sein Versprechen brach, nicht mit den Medien, sondern auf dem Platz mit seinen Füssen sprechen zu wollen. Doch dann meldeten sich zwei Personen zu Wort, die dem Franzosen mal ziemlich nahegestanden hatten. «Ich erreichte einen Punkt, an dem ich morgens aufatmete, wenn es mal einen Tag ruhig um mich war», erzählt er nun im spanischen TV-Programm «Universo Valdano». Es waren heftige Worte von einem ehemaligen Agenten und seinem Onkel, die durch die Medien geisterten. «Also sagte ich: basta!», sagt Griezmann – und lächelt gequält.

120 Millionen Euro bezahlte Barça, um sich die Dienste des Weltmeisters zu sichern. Eine unheimlich hohe Summe, auch vor Corona-Zeiten. Die Ausbeute? 18 Tore und 5 Assists in 59 Spielen. Dürftig, für einen Spieler seiner (Preis-)Klasse. Das schreit nach Erklärungsbedarf, natürlich. Nur weigerten sich Griezmann sowie sein näheres Umfeld, ausführlich über seine schwierige Anpassung an den neuen Club und den Spielstil Auskunft zu geben. Also suchen einschlägige Medien nach Alternativen – und finden seinen Onkel Emmanuel Lopez. «Ich weiss, was bei Barça mit Messi passiert», prahlt dieser. Und zwar: «Dort wird nicht hart genug trainiert, die Einheiten werden so gestaltet, damit sie gewissen Leuten gefallen.»

Messi, das «Krebsgeschwür»

Schon zuvor sorgten die Worte von Eric Olhats für Furore. Der Franzose war bis 2017 ein Berater Griezmanns, brachte den Linksfuss zuerst in Jugendjahren zu Real Sociedad San Sebastian und später zu Atlético. Und dieser Olhats, der redete sich über Messi in Rage, nannte ihn einen «Monarchen» bei Barça, taxierte das angebliche Verhalten des Argentiniers als «bedauerlich». Messi sei ein «Krebsgeschwür», das auf und neben dem Platz quasi Mobbing betreibe, kein Wort mit Griezmann spreche und ihm absichtlich keinen Ball zuspiele. Sein Verdikt war klar: «Der Club ist krank.»

Aussagen, die Griezmann schwer getroffen haben müssen. Denn in seinem Interview ignoriert er die anderen Stimmen und fokussiert sich auf diejenigen von Olhats und Lopez. «Sie gingen zu weit», sagt der 29-Jährige, auch wenn er Kritik akzeptiere: «Schliesslich sehen wir nicht den besten Griezmann.» Dann beginnt er, langsam aber sicher aufzuräumen. «Ich habe nicht mal den Whatsapp-Kontakt meines Onkels», erklärt er, schliesslich habe er kaum Kontakt zu ihm, seit er, Griezmann, als 13-Jähriger ins Baskenland gezogen sei. Gleichzeitig nimmt er Lopez auch etwas in Schutz: «Er hat keine Ahnung davon, was im Fussball abgeht, dann kommt ein Journalist zu dir, tut so, als wäre er dein Freund, dabei will er nur eine neue Headline.»

Mögen sich doch ganz gut: Lionel Messi und Antoine Griezmann.
Mögen sich doch ganz gut: Lionel Messi und Antoine Griezmann.
Bild: Getty Images

Etwas härter geht er mit Olhats ins Gericht. Einem Mann, den er als wichtige Person in seiner Vergangenheit bezeichnet. «Seit meiner Hochzeit im Jahr 2017 habe ich nicht mehr mit ihm gesprochen.» Olhats war damals nicht nur auf der Gästeliste, für ihn war sogar ein Platz am Tisch des Brautpaars reserviert. «Doch er kam nicht, deshalb war ich sehr wütend, und das bin ich noch heute», sagt Griezmann. Deshalb seien Olhats’ Worte eine unqualifizierte Meinung, wie sie jeder einfach so kundtun könne: «Damit kann er innerhalb einer Kabine für Probleme sorgen.» Konkreter: «Und auch in meiner Beziehung zu Leo (Messi, d. Red.).» Immerhin wisse Messi, dass er eine hohe Meinung von ihm habe, stets versuche, vom sechsfachen Weltfussballer zu lernen. «Dennoch tun solche Worte weh», gibt Griezmann zu.

Er sei halt ein leichtes Ziel, weil er kaum mit den Medien spreche. Umso wichtiger sei es für ihn gewesen, Messi die Situation zu erklären. Dazu erzählt Griezmann eine Anekdote der beiden, unmittelbar nach seinem Wechsel nach Katalonien: «Messi sagte mir, dass er enttäuscht gewesen sei, weil ich ein Jahr zuvor nicht nach Barcelona gewechselt hätte. Ich verstehe das, das wäre ich auch gewesen, schliesslich hat er sich öffentlich für mich ausgesprochen, was er eigentlich nicht tut.» Doch mit seinem Transfer sei die Sache vom Tisch gewesen: «Er versicherte mir, dass ich jetzt ein Teil des Teams sei und er sich immer für mich einsetzen werde.»

Nun hofft Griezmann, dass nach seinem Interview auch das mit den ewigen Gerüchten vom Tisch ist, «und ich endlich wieder glücklich werden kann auf dem Platz». Einen ersten Schritt hat er am Dienstagabend getan, kurz nach der Veröffentlichung des Gesprächs mit Fussballlegende Jorge Valdano. Im Champions-League-Spiel bei Dynamo Kiew wurde er zu Beginn geschont, in der zweiten Halbzeit eingewechselt – und in der Nachspielzeit Torschütze zum 4:0-Endstand. Er spricht nun also wieder mit den Füssen, das kündigt er gegen Ende des Interviews auch an: «Jetzt liegt es an mir zu zeigen, dass ich gut genug für diesen Club bin.» Und: «Hoffentlich lassen mich die Leute jetzt etwas in Frieden.»

fas